Dead man walking

Es sind diese Einspalten-Meldungen auf den hinteren Zeitungs-Seiten: -  7-jähriges Mädchen von Auto erfasst und getötet, als es aus dem Schulbus steigt -  6-jähriges Mädchen in einem Tunnel im Süden Tel Avivs von einem Auto überfahren In Israel sterben so viele Fußgänger wie nirgends sonst in der entwickelten Welt: 36 Prozent

traffic.jpgEs sind diese Einspalten-Meldungen auf den hinteren Zeitungs-Seiten:

-  7-jähriges Mädchen von Auto erfasst und getötet, als es aus dem Schulbus steigt

-  6-jähriges Mädchen in einem Tunnel im Süden Tel Avivs von einem Auto überfahren

In Israel sterben so viele Fußgänger wie nirgends sonst in der entwickelten Welt: 36 Prozent aller Straßenverkehs-Toten sind Fußgänger. 156 tote Fußgänger. 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist Israel trauriger Spitzenreiter, weit vor Irland (26%), Portugal (25%) und Großbritannien (23%) oder etwa den USA (11%). Übrigens: Jährlich sterben weltweit auf der Straße über 1.2 Millionen Menschen, also 3 000 am Tag, sagt die Weltgesundheitsbehörde WHO. Die Strasse, der Killer, ist die Haupttodesursache bei Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren. Die Straße tötet mehr als Kriege, Terrorismus oder Genozide.

Beide schuld, Fußgänger und Autofahrer, heißt’s bei der israelischen National Road Safety Authority (NRSA).

40 Prozent aller Fußgänger in Israel schauen weder nach rechts noch nach links, bevor sie über die Straße laufen. Das sagt eine NRSA-Studie. Am Zebrastreifen halten 39 Prozent der älteren Fußgänger gar nicht erst an, sondern laufen munter auf die Straße. Respektive in den Tot.

Die israelische Verkehrspolizei wüsste, was zu tun wäre: Zone 30 in Wohngebieten, Straßenpuffer, die zum Abbremsen zwingen. Aber getan wird’s nicht.

Der Blick in den Westen zeigt, was das bedeutet: Mit 58 Toten kamen letztes Jahr in der Schweiz 27 Prozent weniger Fußgänger ums Leben, verglichen mit dem Vorjahr. Die Gesamtzahl der Verkehrstoten nahm deutlich ab.

Die Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) führt den Rückgang bei den Verkehrstoten auf Verbesserungen bei der Straßeninfrastruktur wie beispielsweise die Schaffung von Tempo-30-Zonen sowie auf Verbesserungen bei der Fahrzeugtechnik wie Fahrassistenzsysteme zurück. Zudem sei die subjektive Kontrollerwartung dank mehr Geschwindigkeitskontrollen der Polizei und auch mittels gut sichtbarer Radaranlagen gestiegen. Alkoholunfälle seien auf dem nach der Einführung der 0,5-Promille-Grenze auf Anfang 2005 erreichten tieferen Niveau geblieben, sagen die Schweizer Unfallverhüter.

Vielleicht könnten andere Länder was davon übernehmen. Es stirbt sich dann etwas weniger.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei andremarty.com, einem inhaltlichen Partner der Readers Edition.

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