Keine herrlichen Zeiten für faule Schüler

Ein journalistischer Flop Peter Heusch von der Neuen Rhein Zeitung (NRZ, WAZ-Gruppe) greift am 31.3.2009 eine Innovation aus Frankreich auf, die dort sofort kontrovers diskutiert wurde, deren Realisierung aber ganz gewiss bei den Schülern in aller Welt für erleichtertes Aufatmen sorgen würde – jedenfalls bei den “faulen” Typen, die auch

haurer.jpgEin journalistischer Flop

Peter Heusch von der Neuen Rhein Zeitung (NRZ, WAZ-Gruppe) greift am 31.3.2009 eine Innovation aus Frankreich auf, die dort sofort kontrovers diskutiert wurde, deren Realisierung aber ganz gewiss bei den Schülern in aller Welt für erleichtertes Aufatmen sorgen würde – jedenfalls bei den “faulen” Typen, die auch noch genügend Taschengeld haben.

Es geht um ein Internetangebot für französische Schüler aller Altersstufen, sich gegen Bezahlung per Internet alle ihnen von der Schule für die Erledigung zuhause auferlegten Arbeiten machen zu lassen. Kein Wunder, dass die Lehrerverbände in Frankreich sofort Sturm liefen. Leider war die Neuigkeit schon nicht mehr neu als sie von der NRZ aufgegriffen wurde. Denn auf der hilfsbereiten Homepage erklären die Erfinder der Geschäfstidee schon am 6.3.2009, 18.00 Uhr, das Ende der ihrer Aktivitäten und machen bekannt, dass sie auf Anforderung alle gezahlen Kosten erstatten.

Wirklich wundern kann das niemanden. Schule ist Pflicht und ein systematisches Unterwandern wichtiger Teile des Schulbetriebs ist nicht legitim. Sollten in einem Land die Gesetze nicht reichen, müsste der Gesetzgeber tätig werden. Das gilt auch für die von der Schulverwaltung seit ewigen Zeiten für wichtig gehaltenen von der Schule aufgegebenen häuslichen Aufgaben, die man je nach Perspektive in Deutschland Schulaufgaben oder Hausaufgaben nennt, in Österreich Hausübungen.

Unsolide und solide Angebote in Deutschland

In Deutschland gibt es auch ein Angebot, sich gegen Zahlung die Hausaufgaben machen zu lassen. Eine Redzio OHG aus Rüsselsheim will die Schüler mit einer monatlichen Zahlungsverpfichtung von 7,00 Euro und einer Laufzeit von 24 Monaten ködern.

Hinter der Firma Redzio stecken die Brüder Andreas und Manuel Schmidtlein, die es schon mit einer Unzahl solcher Domains …-heute,com oder …-heute.de versucht haben und wiederholt vor Gericht gescheitert sind, weil sie die eigentliche Zahlungsverpflichtung nur heimlich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt hatten. Beispiele sind lehrstellen-heute, vornamen-heute, tatoo-heute und klingeltoene-heute. Aus was sich nicht alles Geld schneiden lässt! Immerhin ist bei den Hausafgaben die Zahlungsverpflichtung und die unanständig lange Laufzeit auf der Startseite klar genug als vorgesehener Vertragsinhalt sichtbar. Ob Minderjährige aber ohne Zustimmung ihrer Eltern einen solchen Vertrag wirksam abschließen können, ist mehr als zweifelhaft.

Es gibt aber auch seriöse Angebote zur Hilfe bei den Hausaufgaben im Internet, die auch nichts kosten.

Hausaufgaben verursachen nur Schäden

Eine ganz andere Frage ist, ob Hausaufgaben wirklich Sinn machen. In der Pädagogik überwiegt nach Dr. Bodo Brücher die Meinung, dass sie dann – aber auch nur dann – Sinn machen, wenn sie unmittelbar vom Unterricht herrühren und zu ihm zurückführen, wie es Bernhard Wittmann schon 1964 in seinem Buch “Vom Sinn und Unsinn der Hausaufgaben” dargelegt hat.

Schon 1835 urteilte aber Johann Friedrich Herbart:

“Derjenige Lehrer, welcher häusliche Aufgaben aufgibt, um sich in der Schule die Mühe zu sparen, verrechnet sich ganz; die Mühe wird ihm bald desto saurer werden.”

Eine neue umfassende Studie der Universität Dresden lässt kaum noch Zweifel daran, dass Hausaufgaben überhaupt keinen Sinn machen. “Gute” Schüler werden dadurch nicht besser und “schlechte” Schüler kapieren im Wiederkäuen dessen, was sie morgens schon nicht verstanden haben, auch nicht mehr. Das ist überzeugend. Entscheidender als die “Qualität” der Schüler ist der Grad ihrer Aufmerksamkeit. Wenn die Aufmerksamkeit im Unterricht fehlt, hat der Schüler später am Tage nichts, an was er anknüpfen könnte. Die Hausaufgaben werden dadurch für ihn zu einem täglichen Martyrium.

Die Dresdner Studie kommt zum Ergebnis, dass der Effekt auf die Zeugnisnoten durch die Hausaufgaben nicht beeinflusst wird – “egal ob ein Kind die Mathe-Aufgaben direkt nach der Schule, nachts unter der Bettdecke oder überhaupt nicht macht.” Da ist es nach Ansicht der Wissenschaftler schon fast “empörend”, dass Lehrer überhaupt Hausaufgaben aufgeben – in der falschen Annahme, sie würden einen positiven Effekt auf die Schüler haben.

In wacher Erinnerung an meine eigene Schulzeit kann ich daher die Schulbehörden nur aufrufen: Macht endlich Schluss mit den ärgerlichen Hausaufgaben! Sie verleiden den Schülern unnötig das Leben und ihren Familien und Freunden gleich mit. Wie soll sich ein Mensch vernünftig entwickeln können, wenn man ihm keine M  u ß e   lässt, die ihm zugänglich gemachten Informationen zu verfügbarem Wissen werden zu lassen und sich im besten Sinne des Wortes zu bilden?

Wenn mit dem Unfug der Hausaufgaben endlich gebrochen wird, muss man sich Gedanken machen, wie man die Aufmerksamkeit der Schüler im Unterricht fördert. Wenn das gelingt, brechen wirklich herrliche Zeiten an, das dann aber nicht nur für “faule” Schüler.

Photo Quelle/Copyright: S. Hofschlaeger, via pixelio.de

Kommentare

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  1. Wenn etwas Unfug ist, dann ist es die Auffassung, die in diesem Artikel vertreten wird. Welch ein Zusammengemülle und -gemenge von Aussagen!
    Sicher ist es zum Himmel schreiend, wenn aus den Hausaufgaben ein Geschäftsmodell gemacht wird. Und sicher ist auch, daß die wenigsten Schüler gerne Hausaufgaben machen. Weil es sie von ihrer Freizeit abhält. Aber genauso sicher ist auch, daß Hausaufgaben, wenn sie pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden, was ja zumindest im ersten Zitat anklang, dazu führt, daß der Schüler sein in der Schule (hoffentlich) erworbenes Wissen zuhause in Übungen anzuwenden lernt. Damit festigt sich dieses Wissen auch. Sofern es sich um bspw. mathematische Übungen geht. In anderen Fächern kann das Kreative gefördert werden, die selbständige Erarbeitung eines Themas z.B. Und es gibt so viel mehr, was Hausaufgaben fördern können. Wichtig ist natürlich ein Pädagoge, der diese auch richtig einzusetzen versteht. Tut er dies nicht, verprellt er womöglich seine Schüler. Aber das tut ein pädagogisch ungeschickter Lehrer vermutlich auch sonst in seinem Unterricht.
    Leider kann ich hier kein “Gegen-Gutachten” einwerfen. Aus meinem eigenen Erfahren kann ich aber sagen, daß ich ohne diese lästigen Hausaufgaben sicher nicht zu dem geworden wäre, was ich geworden bin. Und ich bin im Nachhinein meinen Lehrern ziemlich dankbar. Auch wenn ich mich nicht an alle gerne erinnere.

    Nun gut, aber andererseits frage ich mich, wie hier solch krude Meinungen veröffentlich werden können, getarnt als “Artikel”.