“Melodien für Millionen” – So klingt die Finanzkrise

Zunächst kommen sie noch ganz fröhlich daher. Töne, die durchweg durchdacht und arrangiert wirken. Doch schon bald schweifen sie hinab, werden immer dunkler. Die euphorische Stimmung scheint dahin, ergießt sich in einem Auf und Ab zwischen Dur und Moll. Etwas mehr als drei Minuten dauert das musikalische Spektakel. Ein Lied

eiro.jpgZunächst kommen sie noch ganz fröhlich daher. Töne, die durchweg durchdacht und arrangiert wirken. Doch schon bald schweifen sie hinab, werden immer dunkler. Die euphorische Stimmung scheint dahin, ergießt sich in einem Auf und Ab zwischen Dur und Moll. Etwas mehr als drei Minuten dauert das musikalische Spektakel. Ein Lied für oder besser gesagt direkt aus der Börse, gemacht aus Aktienkursen, die die Weltgemeinschaft momentan so in Atem halten. Jetzt wissen wir: So klingt die Finanzkrise.

“Ein vorfinanzierter Hörsturz”

Komponist und Produzent Johannes Kreidler, der in der Vergangenheit auch schon einmal die GEMA herausforderte und damit auf Missstände im deutschen Urheberrecht aufmerksam zu machen suchte, widmet sich nun auf seine ganz eigene Art den “Stock Charts” der Metropolen. Der 1980 in Esslingen geborene und heute in Berlin lebende studierte Musiker musste dabei jedoch nicht einmal besonders kreativ sein. Denn die Melodien generieren sich selbst aus den jeweiligen Aktienkursen. Das Ergebnis nennt sich nun “Charts Music (2009)” und wurde mit der neuen Microsoft Komponiersoftware “Songsmith” arrangiert. Das Ergebnis beschreibt der Künstler dann in etwa so: “Der Billion-Dollar-Song zur Wirtschaftskrise, ein vorfinanzierter Hörsturz, das teuerste Musikstück der Welt.”

Er ist sich sicher: “Die schönsten Melodien schreibt das Leben selbst!” In seinen Augen sei jedenfalls jeder Mensch ein Künstler – in diesem Fall wären das eben auch Politiker und Banker. Sie kreierten die “Melodien für Millionen”, die mittlerweile, so schreibt Kreidler in seinem Blog “Kulturtechno“, sogar Reaktionen aus Übersee hervorriefen. Auf dem Campus der Harvard University sei sein Stück schon zum “Harvard-Hit” avanciert. Und auch die “Großen” in den USA und Großbritannien würden über seine “Charts Music” berichten. Ganz gleich ob “Rolling Stone“, “Daily Telegraph“, “Huffington Post“, “Boingboing” oder “BBC“, seine Idee Unternehmen wie Lehman Brothers, Bank of America, Microsoft, General Motors, Warner Music und viele andere mehr musikalisch zu “verwerten” wird derzeit zum Medienschlager.

Tote US-Soldaten als “Gegengewicht”

Der Hype ward geboren. Doch um immer dunkler werdendes Trübsal innerhalb des Videos zu verhindern, musste sich der junge Mann  einiges einfallen lassen: “Damit die Melodie aber nicht in bodenlose Tiefen rutscht, hat der Künstler Statistiken über die gefallenen US-Soldaten im Irak oder die Entwicklung der US-Schulden unter die Aktien-Charts gemischt”, erklärt die Kronenzeitung die “hellen, entgegenwirkenden” Momente des Arrangements.  Diese zeigten bekanntlich seit geraumer Zeit eine steigende Tendenz. Genauso wie die “massenhaften Vorschläge (…), was man nun noch alles ‘melodisieren’ und ‘songsmithed’ verballhornen kann”. Das ist allerdings ganz und gar nicht in seinem Sinne. Er werde sich hüten, die Idee weiter auszuschlachten, denn um bekannt zu werden, das stellt er in einer Stellungnahme zu seinen Absichten fest, hätte er es eigentlich anders angehen müssen.

Mittlerweile hat “Charts Music” fast eine halbe Million Klicks  und mehr als 260 Kommentare auf YouTube erreicht. Da bleibt wohl auch dem Komponisten nur zu sagen: “Thank you for the music!”

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