Russland: Geld, Arbeit und Menschen in der Finanzkrise
Das Gesamtrussische Zentrum zur Untersuchung der öffentlichen Meinung (WCIOM) führte eine landesweite Umfrage bezüglich der Lage von Unternehmen, Arbeitslosigkeit, Möglichkeit Kredite aufzunehmen und größere Anschaffungen in den Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise zu machen.
58 Prozent der Befragten gaben an, dass das Thema der Arbeitslosigkeit aktiv in ihrer Umgebung diskutiert wird, 16 Prozent gaben an, diese Gespräche werden zwar in ihrem Kreis geführt, sie beteiligten sich aber nicht an diesen und nur 25 Prozent der Befragten erklärten, dass ihnen solche Gespräche unbekannt sind.

- Graphik: Gus-News
Was bedeuten diese Zahlen eigentlich? Auf der einen Seite sehen wir, dass der Anteil der Menschen, die sich mit dem Thema der möglichen Arbeitslosigkeit auseinandersetzen, gestiegen ist. Gleichzeitig steigt aber auch der Anteil der Menschen, die sich an solchen Diskussionen nicht (mehr?) beteiligen. Wir wissen nicht, ob sie resigniert haben, oder ob die Arbeitslosigkeit ihnen nicht (mehr) droht.
Die nächste Frage widmete sich der Lage in den Betrieben. Die Frage an die Respondenten lautete: Ist eine Verschlechterung der Lage ihres Betriebes/ Firma in den nächsten drei Monaten möglich?
Folgende Antworten kamen dabei heraus:

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52 Prozent der Respondenten sind der Meinung, die wirtschaftliche Lage in ihrem Betrieb/ Firma könnte, oder wird sich in den nächsten drei Monaten verschlechtern. (Vor einem Monat waren es och 69 Prozent der Befragten). 26 Prozent der Befragten sind der Meinung, es sei eher unwahrscheinlich (gegenüber den zehn Prozent im Vormonat) und schließlich 15 Prozent der Respondenten sagten aus, es sei praktisch unmöglich.
Wiederum wissen wir nicht genau wie diese Antworten zu deuten seien. Ist es ein positiver Trend? Oder sagen 15 Prozent der Beschäftigten, die Lage sei schon so katastrophal, dass es schlechter nicht mehr sein kann?
Auch die nächste Umfrage lieferte meiner Meinung nach wenig erfreuliche Ergebnisse, nämlich die Umfrage über die möglichen Entlassungen. Insgesamt 1600 Menschen aus 140 Ortschaften wurden gefragt: Besteht die Möglichkeit Ihrer Entlassung?
Folgende Antworten wurden erzielt:

- Graphik: Gus-News
15 Prozent der Befragten sind sich sicher, sie werden demnächst gekündigt, weitere 37 Prozent schließen diese Möglichkeit nicht aus und nur 16 Prozent der Befragten in dieser repräsentativen Umfragen waren sich ihres Jobs sicher. Eine tiefe Verunsicherung herrscht in der russischen Bevölkerung.
Die Zahl von Menschen, deren Löhne gekürzt wurden, stieg von acht Prozent im Dezember 2008 auf 14 Prozent im Januar 2009. Somit steigt die Möglichkeit einer Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung.
Auch der Anteil der Befragten, die sich sicher sind, im Falle einer Kündigung eine adäquate Alternative zu ihrem Job zu finden, fiel im Vergleich zu der Umfrage im Dezember letzten Jahres.

- Graphik: Gus-News
Wie man sieht, rechnen immer weniger Russen damit, eine adäquate Alternative zu ihrem Job zu finden.
Immer mehr Russen sind der Meinung, es ist eine schlechte Zeit, um einen Kredit aufzunehmen (Diese Zahl wuchs von 58 Prozent im letzten Jahr auf 71 Prozent im Januar dieses Jahres).
Bei der Frage über die größeren Anschaffungen zeigten sich die Respondenten etwas optimistischer. Insgesamt 35 Prozent sind der Meinung momentan sei die beste Zeit neue Anschaffungen zu machen, 44 Prozent der Befragten waren gegenteiliger Meinung. Es mag gut sein, dass die Preise für Immobilien und andere Wert- und Konsumgegenstände momentan niedriger sind, als in den letzten Jahren, doch bezweifle ich ganz stark, dass sich die meisten etwas leisten können. Was momentan abläuft ist eine Art von Konzentration von Kapital. Die, die Geld haben, können es sehr gut vermehren, der Rest der Bevölkerung schaut in die Röhre.
Ich bezweifle, ob der Gini-Koeffizient Russlands, der in den letzten Jahren so mühsam auf die Werte um die 0,35 abgesenkt worden ist, auf diesem Niveau zu halten wäre.
Dieser Beitrag von Paul Becker erschien auch auf gusnews.net, einem inhaltlichen Partner der Readers Edition.









