“Internet? Setzt sich nicht durch“, stellte unser Autor Holger Finn heute mittag mit einem Augenzwinkern fest und nahm damit auf eine Nachricht Bezug, die sich am gestrigen Abend rasend schnell ihren Weg durch das Netz bahnte. Nein, ein verfrühter Aprilscherz war diese Meldung nicht. Denn YouTube sperrte im Zuge der Lizenz-Verhandlungen mit der GEMA zahlreiche Musikvideos – zumindest für die deutschen Nutzer. Videos ohne Ton – das kannten die Musikliebhaber bereits. Nun werden sie nach manchem Interpreten, der von der Gesellschaft vertreten wird, wohl vergeblich suchen. “Mit der Blockierung der von Musikverlagen eingstellten Stücke” wurde bereits gestern Abend um 19.00 Uhr begonnen. “In den kommenden Tagen will man auch Kopien blockieren, die von Nutzern eingestellt wurden”, erfährt der besorgte Leser weiter.
Ein Streit ist entbrannt. Für die einen kleinkariert, für die anderen völlig berechtigt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. “Viele etablierte Künstler sowie viele neue, unentdeckte Talente nutzen YouTube, um ihre Songs erfolgreich zu promoten, um direkt mit ihren Fans in Kontakt zu treten, um entdeckt zu werden und auch um Geld zu verdienen”, schildert Patrick Walker, Direktor of Video Partnerships, EMEA, die bisherige Situation auf google-produkt-kompass.blogspot.com aus seiner Sicht. Nun ist alles anders. Neue, höhere Gebühren werden gefordert. Auf der anderen Seite, so heißt es in einer Presseerklärung der GEMA, würde die Google-Tochter jedoch der Forderung nach mehr Transparenz hinsichtlich des genutzten Musikrepertoires nicht erfüllen. Bisherige Angebote seien abgelehnt worden. Eine Patt-Situation, die nicht so ohne weiteres zu lösen scheint.
Philipp von niveau-ist-keine-creme.de greift die Streitigkeiten in seinem Blogbeitrag auf. Er bezweifelt die Argumentation Walkers, der die Umrechnung der GEMA-Tarife auf eine einzelne CD mit Kosten von 500 Euro angibt. “Kann mir das mal jemand vorrechnen?”, wirft er in die Runde. Jeder übernehme es, aber ihm erschließe sich das ganz und gar nicht. “Walker behauptet, die GEMA verlange pro Videostream 12 Cent (was diese übrigens bestreitet, 1 Cent sei das Angebot). Nehmen wir an, eine CD hat 14 Tracks. Bei 12 Cent pro Stream kann ich also jeden Track fast 300 Mal hören. Das soll ein realistischer Vergleich sein?”, zweifelt er.
Jürgen Vielmeier von freshzweinull.de bleibt angesichts der Sperrung ebenfalls nur ein Kopfschütteln. Er schreibt: “Geholfen ist damit niemanden: YouTube ganz ohne Musikvideos wäre nicht einmal die Hälfte wert, und der Musikindustrie gingen nicht zu verachtende Einnahmen verloren. Da mehr Geld auf YouTube über Online-Werbung wohl nur schwer zu verdienen ist, wird die Lösung für YouTube wohl nur in einem besseren Tracking-System liegen, das Abrufdauer und -häufigkeit von Musikstreams genauer zählt. Aus Nutzersicht kann man nur hoffen, dass sich beide Parteien einigen, denn ohne YouTube bliebe in Sachen kostenloser Webmusik namhafter Künstler nicht mehr viel übrig.”
Könnte diese Aktion gar das Ende für die beliebte Video-Plattform sein? Oder ist die GEMA vielleicht zu habgierig?
Die User sind gespalten. Die Frage der Schuldzuweisung wird von den Kommentatoren hin und her geschoben. Einige wenden sich gleich ganz anderen Portalen zu oder appellieren an die betroffenen Künstler selbst. Manch User wittert dagegen eine gigantische PR-Schlacht, in der sich gegenseitig der Schwarze Peter zugeschoben wird.
Auf nerdTainment.de findet sich unterdessen folgende Mahnung: “Das YouTube für die Künstler in erster Linie ein Promotion-Medium ist und war scheint die GEMA dabei vollkommen zu ignorieren – und beweist wieder einmal, wie weit hinterher der große Komplex ‘Musikindustrie’ hinsichtlich neuer Medien ist: Anstatt Trends zu erkennen und zu fördern, immerhin ist man ja Vertreter der Künstler, wird die Hand noch weiter aufgehalten und damit ein Werbemedium vollends zerstört.” Größen des Geschäfts, so führt der Autor weiter aus, werde der Ausschluss wohl nicht weiter stören. Doch habe schon mal jemand an die Kleineren gedacht? Diese könnten YouTube als “Promotion-Plattform” vollends vergessen, sobald sie aufgrund ihrer Verkaufszahlen an die GEMA angeschlossen wären. Düster wird das Szenario weitergesponnen. Die Zielgruppe würde ihren Musikbedarf dann eben in Richtung Rapidshare oder auch Piratenbucht befriedigen “und davon sehen die Künstler nicht einen Cent”.
Pro und Contra Copyright – das Thema wird weitergedreht
Einen Blick auf das erst wenige Wochen alte Vorgehen in Großbritannien wagt unter anderem Casi auf zweipunktnull.org. Er wirft der GEMA vor, nun eben auch in Deutschland auszuprobieren, was in England schon geklappt habe.
Immer neue Einträge sind in den vergangen Stunden im Netz aufgetaucht. Mitunter wird die “GEMA (gar) als Totengräber der Musik” bezeichnet” Es finden sich aber auch Überlegungen wie die von “future of printing“, der innerhalb der F.A.Z.-Community folgende konträren Standpunkte zur Diskussion stellt: “Man sollte sich zu diesem Thema mal mit den Überlegungen des Jura-Professors Lawrence Lessig (Professor an der Stanford Law School) auseinandersetzen. Dessen Grundthese: ein restriktives Copyrights im Bereich immaterieller Güter verhindert neue und kreative Geschäftsmodelle. Allerdings sind auch die Überlegungen von Walter Isaacson (Managing Editor Time Magazin) eine interessante Gegenposition. Dieser vertritt die These, dass es der größte Fehler der Zeitungen war/ist “freie” Inhalte ins Netz zu stellen. Er sieht die Lösung in sogenannten “micropayment” Systemen, also der Gebührenzahlung für Inhalte.”
Wer ist nun also der Bösewicht? YouTube, die mit Hilfe dieser Maßnahme wohl gehörigen Druck zu erzeugen suchen? Oder die GEMA, die sich hinter die Urheber zu stellen scheint?
die von Youtube vorgeschlagene Vergütung ist einfach nur ganz und gar unethisch und eine Farce…
kurz gerechnet:
bei einem normalen ‘split’ der Urheberrechte ( Komponist/Texter/Verlag)
bleiben jedem der Beteiligten grob o.o7 Cent pro Nutzung ( 1/3 der angebotenen 0,23 cent )
das bedeutet ein Urgeherber erhält
bei 100 clicks 7 Cent
bei 1000 clicks 70 Cent
und bei
100 000 clicks – also bei einem veritablen Hit -
ganze 70,- Euro …. brutto versteht sich !
noch Fragen…warum finde ich diese Rechnung nirgendwo in den Medien ?
es ist ein Schande, dass solchem Treiben nicht einfach konsequent ein Riegel vorgeschoben wird…Youtube ist unverschämt und ein dreister Trittbrettfahrer auf den Errungenschaften anderer…
sollen die Youtube Manager doch selber ihre Musik für ihre Plattform produzieren…und sich anschließend mit ihrem eigenen Tarif dafür entlohnen…hahaha
alles eine FARCE, die umso unanständiger ist, als es ohne die Autoren ganz sicher kein Youtube gäbe !