Erst kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres haben sie die Herzen in der unterfränkischen Kurstadt Bad Kissingen höher schlagen lassen. Burger, Hämpy, O-Lee und Sascha rockten das kleine Jugend- und Kulturzentrum im Rahmen der zweiten U&D-Winterkonzertreihe was das Zeug hielt. Nun erreichen uns betrübliche Nachrichten aus Bad Gandersheim. Nach genau 20 Jahren sagen die bekannten Musiker “… und Tschüss”.
“Wir wollen Eure Achselhöhlen sehen!”, riefen sie vor etwas mehr als drei Monaten ihrem Publikum entgegen. Ihr kleines Experiment “Wie laut ist Bad Kissingen” hielt der empirischen Überprüfung weitestgehend stand. Ob diese nun abermals aufschreien? Gewiss, denn folgende Zeilen lassen nicht nur eingefleischte Fans einer der “dienstältesten Punkrockkapellen Deutschlands” aufhorchen: “Liebe Freunde!”, läuten sie ihre Botschaft an die Nation ein. “Wir geben hiermit unseren schleichenden Abschied vom aktiven Rock ’n’ Roll – Business bekannt.” Zum ersten Mal wird an dieser Stelle bereits geschluckt. Nie wieder “Frau Schmidt” oder “Lass uns schmutzig Liebe machen”?! Das kann doch gar nicht sein.
Fast 1000 Konzerte in 20 Jahren
Anscheinend doch. Denn was Burger im persönlichen Gespräch Ende Dezember schon angedeutet hatte, wird nun Gewissheit. Nach zwei Dekaden im Geschäft scheint es Zeit für eine Neuorientierung. “Grund dafür sind unsere privaten und beruflichen Verpflichtungen, als auch anderweitige musikalische Projekte, die uns über den Kopf wachsen und eine standesgemäße Auseinandersetzung mit dem Punk Rock unmöglich machen”, erklären sie sodenn auch ihren schwerwiegenden Entschluss, der ihnen bestimmt nicht leicht gefallen ist. Immerhin haben diese Herren heute rund 900 “einzigartige Konzerte” auf dem Buckel, was sie mal vor 14 mal vor 14.000 Menschen performen ließ.
Den Traum von “Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll” gelebt
Nun heißt es jedoch “… und Tschüss”. Es ist an der Zeit Resümee zu ziehen. Und dieses fällt für das sympathische Quartett durchaus positiv aus. “7 Alben bei 5 mit uns überforderten Plattenfirmen veröffentlicht, 2 x Gold und 2 x Platin geholt, unzählige andere Bands kommen und gehen sehen, Bandbusse zu Schrott gefahren, Crewmitglieder und Weggefährten zu Grabe getragen, unser Management in den Wahnsinn getrieben und den Traum von ‘Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll’ gelebt”, fassen sie die Ereignisse im Schnelldurchlauf zusammen. Die einzige Hoffnung, die ihnen jetzt noch bleibt: “eine kleine Beule in der deutschen Rock-Szene hinterlassen zu haben.”
Dieser Hoffnung können sie sich ganz bestimmt gewiss sein. Seit 1989 hat diese Band einen bleibenden Eindruck auf den Bühnen der Republik hinterlassen und die Menschen nachhaltig bewegt. Nur zu gut erinnert sich die treue Fangemeinde an unzählige Auftritte vom kleinen Club bis hin zum Riesen-Festival. “Inhaltlich wie musikalisch haben die Schröders es tatsächlich geschafft, sich von allen Konventionen zu befreien und einen optimistischen Mittelfinger in Richtung aller Stilpolizisten und zwangsmisantrophen Musikkritiker zu strecken”, so das Urteil zu ihrem aktuellen Album “Endlich 18″, das hier wohl stellvertretend für ihre gesamte Karriere stehen kann. Es steht fest: Die Schröders sind tatsächlich “in Würde gealtert”. Der Abschied fällt nun umso schwerer.
Trost gibt es in diesen Tagen jedoch von ihnen selbst. “Da man sich nach 20 Jahren nicht wirklich auflösen kann, weil man einfach zu viel Zeit miteinander verbracht hat, wird es die Schröders für immer geben. Wir nehmen allerdings nicht mehr am aktiven Business teil und werden bis auf ein geplantes Abschieds-Live-Album keine Alben mehr veröffentlichen, nicht mehr auftreten und schlicht nichts mehr von uns hören lassen. So ist jedenfalls unsere Exit-Strategie.”
Demnächst gehen die Herren jedoch noch einmal auf Abschiedstour. Schon in Kürze, so versprechen sie, seien sämtliche Termine auf ihrer Myspace-Seite zu finden – darunter dann auch ein weiterer Abstecher nach Bad Kissingen. Auf der 14. Ausgabe des U&Ds werden die Vier noch einmal ordentlich rocken. Doch jetzt sagen sie erst einmal: “Adé, so long und Vielen Dank für alles!”
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