Best of Readers Edition – eine Wochenbilanz

“Durch Bewegung eine Note besser”, erfährt der interessierte Leser seit heute auf Focus Online. Das lässt aufhorchen. Denn wie eine US-Studie jetzt herausgearbeitet haben soll, würden Schüler, die sich vor einem Test 20 Minuten bewegen, ihre Leistung um bis zu eine Note steigern können. Die Devise der Forscher, die nicht

spritr.jpg“Durch Bewegung eine Note besser”, erfährt der interessierte Leser seit heute auf Focus Online. Das lässt aufhorchen. Denn wie eine US-Studie jetzt herausgearbeitet haben soll, würden Schüler, die sich vor einem Test 20 Minuten bewegen, ihre Leistung um bis zu eine Note steigern können. Die Devise der Forscher, die nicht nur einen “statistisch signifikanten, sondern (vielmehr) beträchtlichen Unterschied” zu Tage förderte: ab aufs Laufband und danach an den Schreibtisch. Inutitiv haben sich daran wahrscheinlich auch unsere Autoren beim Verfassen ihrer Artikel gehalten. Wir wissen zwar nicht, welche Rituale sich vor, während oder nach getaner Arbeit pflegen. Doch gewiss ist: Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Ab in die oberen Etagen: Von Frau Merkel bis zur Abwrackprämie

Den Einstieg am Ende dieser Woche macht den auch unser geschätzer Autor Zigniew Menschinski mit seinem Beitrag “Maggie Merkel und Finanzrambo Steinbrück“. Seit Tagen halten sich seine Zeilen hartnäckig unter den “meistgelesenen” auf der Readers Edition. “Brillant und wohl abgewogen”, entfleucht es gar einem Kommentator kurz nach dem Erscheinen. Menschinski widmet sich seit vergangenem Sonntag einmal mehr einem der Hauptthemen auf unserer Plattform. Die Finanzkrise nimmt er sich vor und wagt einen Blick in die oberen Etagen. “Wenige erinnern sich noch: Mit George W. Bush wollte Angela Merkel einst in den Irakkrieg ziehen. Mit Barack Obama die Krise bekämpfen, liegt ihr weniger. Auch die SPD-Spitzen in der grandiosen Koalition zeigen sich geradezu vernagelt, wenn es darum geht, dem sich abzeichnenden Desaster in der Realwirtschaft die Stirn zu bieten”, steigt er ein. Was folgt, ist eine dezidierte Analyse dessen, was sich derzeit in Deutschland tut. Langfristige Maßnahmen? Längerfristiges Denken? Fehlanzeige.

Auch Rolf Ehlers schlägt noch am selben Tag in diese Kerbe. “Abwrackprämie auf Alles (außer Tiernahrung)“, lautet seine eingängige Überschrift, die bereits während der ersten Zeilen erahnen lässt, wohin die Reise geht. “Die Wirtschaft muss frei sein!”, so hatte es Kanzlerin Merkel einst propagiert. Und jetzt? Man mischt sich ins Bankengeschäft ein und auch sonst scheinen die Regierenden kräftig bei der Sache. “Die hilfloseste und dreistete Einmischung in die Angelegenheiten der Wirtschaft, wenn auch nicht die teuerste, ist die Abwrackpräme auf Altautos”, so unser Autor. Kurzfristige Umsätze, das scheint alles, was mit ihrer Strategie “Klotzen statt Kleckern” zu generieren ist. Kein Wunder, dass da Nachahmer auf den Plan treten. Von der Kaffeemaschine bis hin zum Büromöbel – was bei Altautos funktioniert, das solle doch bitteschön auch hier für den gewünschten Effekt sorgen. Aber ob das der richtige Weg ist?

Die lieben Kleinen – Freud und Leid mit der nächsten Generation

Geradezu zeitlos nimmt sich dagegen Niclas Grabowski in dieser Woche aus. “Wenn Vati plötzlich Mammi ist” lautet die Quintessenz seiner persönlichen Erlebnisse während der Elternzeit. Auch wenn die Sachlage eigentlich ernst und die Szenarien, die er beschreibt, nicht zu unterschätzen sind, so schafft es der Autor doch sehr kurzweilig und zum Schmunzeln anregend durch seinen Alltag mit einem Kleinkind zu führen. “Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des neuen Mannes”, so sein vielsagender Einstieg, den er nachfolgend gekonnt zu untermauern weiß. Von wundervollen Begebenheiten, die er gemeinsam mit seiner kleinen Tochter erlebt, den Zugewinnen, die er durch diese Zeit erfährt bis hin zu Konfliktpotentialen und tatsächlichen Auseinandersetzungen geht sein Weg, den sich Frau von der Leyen ganz sicher nicht so vorgestellt hat. Denn Grabowski spricht offen an, was oftmals unter den Teppich gekehrt wird. “Wickeln ist nicht sexy”, “Folgen für die Karriere” gebe es auch und “Unterstützung durch die Politik” – nicht wirklich. Er schwankt zwischen der Elternzeit als Chance und einer Absage an diese Möglichkeit der Betreuung.

Einem völlig anderen Feld, das derzeit eher in der Diskussion um unsere Heranwachsenden steht, widmet sich Daniel Nuber mit seinem Artikel “Wenn Videospiele mit Kinderpornos verglichen werden“.”Wer die Akzeptanz und Befürwortung der Bevölkerung für ein neues Verbot sucht, tut sich gut daran, Angst und Schrecken zu verbreiten”, steigt er in das polarisierende Thema, das seit den schrecklichen Ereignissen in Winnenden wieder ein ums andere Mal hoch kocht, ein. Die so genannten “Killerspiele” stehen hoch im Kurs. Geradezu verbissen argumentiert manch Politiker, um ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot zu erreichen. “(Es) wird mit populistischen Begriffen um sich geworfen, es werden haarsträubende Vergleiche angestrengt und sämtliche Prioritäten über Bord geworfen. Kurz: Sie betreiben Propaganda”, ist sich Nuber sicher. Dankbar aufgegriffen wird das Ganze natürlich von den Medien – allerdings wohl teils völlig unreflektiert, wenn nicht gar gänzlich unwissend. Frei nach dem Motto: “Was bei Kinderpornos klappt, muss auch bei Killerspielen funktionieren”.

Finanzkrise zum Zweiten – die andere Perspektive

“Mit der Schuld ist das so eine Sache”, meint auch Sandoz Cassela in seinem Artikel “Die Bequemlichkeit der Opfer“. Und Schuld, so führt er weiter aus, ist schon gar nicht gleich Schuld. So ist auch die aktuelle Finanzkrise “nicht nur eine Schulden-, sondern auch eine Schuldkrise”. Schnell scheint des Übels Wurzel ausgemacht. Klar, die Manager und Bankiers haben’s verkorkst und schon halb im Wahlkampffieber greifen die Damen und Herren Politiker das auch gerne auf. Aber: “Für das Land und die Gesellschaft ist dies der denkbar schlechteste Weg, mit der Krise umzugehen, denn die dingend erforderliche Auseinandersetzung mit den Ursachen bleibt aus, wodurch eine Wiederholung der Krise in der Zukunft wahrscheinlicher wird”, ist sich Cassela sicher. Denn seiner Meinung nach hätten wir “alle über unsere Verhältnisse gelebt”. Die Ursachen seien also deutlich tiefer zu suchen als derzeit der Fall – auch wenn diese Auseinandersetzung letztlich weh tun könnte.

Mit diesen mahnenden Worten verabschieden wir uns aus unserer heutigen Rundschau, wollen es aber nicht versäumen an dieser Stelle auch unsere “Neuankömmlinge” ganz herzlich zu begrüßen. Mit “Agri unter Ausnahmezustand” gab in dieser Woche Severinus sein Debüt. Wolfgang Buck folgte ihm mit “Die Mär vom neoliberalen Höhlenmenschen“. Und noch mehr Erfreuliches gibt es zu berichten. Im Monat März erreichte der Artikel “Populäre Irrtümer in den Zeiten der Krise…” von Kai Beisswenger eine durchschnittliche Leserbewertung von 5.1 Punkten, die höchste Bewertung unserer Jury mit 8 Punkten und somit den ersten Platz. Den zweiten Rang belegt “Der Papst, die Kondome und die Rechtsradikalen” von Daniel Nuber mit 4 Punkten in der Jury- und 4.9 Punkten in der Leserwertung. An den Beitrag “Abwrackprämie – Für die Umwelt oder für die Unternehmen?” von Blecke vergaben die Jury 3 Punkte und die Leser 4.9 Punkte und er erreicht somit den dritten Platz.

Wir stellen fest: Die eingangs erwähnten Laufbänder unserer Autoren sind gut geölt. Ihre Leistungen verdienen einmal mehr unbedingte Würdigung. Deshalb sagen wir nicht nur “Herzlichen Glückwunsch!” zu unseren drei Siegern, sondern auch vielen Dank an unsere zahlreichen Schreiberlinge, die ein ums andere Mal beweisen, dass ihr Geist hellwach und blitzgescheit ist. Ob mit oder ohne sportliche Betätigung.

In diesem Sinne, machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: erloteiel, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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