Denkbar war sowas vor drei Jahren kaum, als er über nacht nach einem Schlaganfall seines Übervaters das Zepter der gerade eben gegründeten Kadima-Bewegung übernehmen konnte. Ein Mann, der nicht einmal ansatzweise in die Fußstapfen Ariel Sharons treten konnte. Ein zynischer Machtpokerer, der den Unterschied zwischen Dienst am Land und Eigeninteressen, zwischen Mein und Dein bis heute nicht begriffen hat. Ein Premier, der selbst nach fünf polizeilichen Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlichem Korruptionsverdachts nicht verstehen konnte, dass Politik was mit Vertrauen und nicht mit Klauen zu tun haben könnte. Machttrunken.
- Er war es, in dessen Regierungszeit der jüdische Siedlungsbau im besetzten Westjordanland so stark voran getrieben und sowenige outpost geräumt wurden wie nie zu vor
- Er war es, der Israel in zwei weitgehend sinnlose Kriege führte – in drei Regierungsjahren – ohne die vage deklarierten Kriegsziele zu erreichen
- Er war es, der Palästinenser-Präsident Abbas mit dem Ritual leerer Versprechen bezüglich der Zwei-Staaten-Lösung puppenähnlich vorführte
- Er war es, aufgrund dessen Politik des Aussitzens, aufgrund dessen völkerrechtswidriger Blockade des Gaza-Streifens Israel international so isoliert wie schon lange nicht mehr dasteht
- Er war es, aufgrund dessen strategieloser Politik die Rechte in Israel bei den jüngsten Parlamentswahlen leichtes Spiel hatte
- Er war es, aufgrund dessen mutmaßlicher persönlicher Korrumpiertheit viele Israeli der Politik angewidert den Rücken kehren
- Er ist es, aufgrund dessen ungenutzter Regierungszeit der Nahe Osten in gefährlicher Paralyse erstarrt
Ehud Olmert, die Mensch gewordene Form des schier totalen Politversagens.
Machbar wurde das Undenkbare nicht nur, aber auch wegen der guten Freunde im Ausland: Sie haben ihm die Stange gehalten, als in Berlin, Washington und Brüssel längst dem allerletzten diplomatischen Volontär klar war – mit diesem Mann ist kein Staat, kein palästinensischer Staat zu machen. Aber nein, Ehuds falsche Freunde haben weiter gelächelt. Bis zu den Neuwahlen im letzten Februar; bis sie künftig einen israelischen Außenminister begrüßen dürfen, dem im umgekehrten Fall Israel die Einreise verbieten würde.
Vielleicht ist mittlerweile der einen in Berlin oder dem anderen in Washington das Lächeln vergangen. Vielleicht.
Er geht jetzt. Wobei: er nimmt eine nette Abgangsentschädigung (pardon, das heißt Aufwands-Entschädigung) mit, die den israelischen Steuerzahler in den nächsten fünf Jahren rund 1.9 Millionen Euro oder 2.8 Millionen Franken kosten wird. Sekretärin, Fahrer plus Fahrzeug, ein bis zwei persönliche Mitarbeiter, vom Sicherheitsdienst gar nicht erst zu sprechen. Und auch die Rente von umgerechnet 6’728 Euro oder 10’227 Fränkli – pro Monat versteht sich – wollen wir gerade sein lassen; er hat ja schließlich drei Jahre als Premier die Miss-Geschicke des Landes gemanagt. Auf alle Fälle beantragt der Ex ein größeres Büro für sich als seine Vorgänger: 170 Quadratmeter im Tower in Tel Aviv müssen’s schon sein, findet Olmert. Das wären dann weitere 254 000 Franken in den nächsten Jahren, die der Herr den Staat Israel kostet.
Wir werden noch einiges hören von ihm, dem größten Reinfall in der Geschichte israelischer Premierminister. Nein, nicht in den Geschichtsbüchern. Von den Gerichts- und Kriegsreportern. Vom Vermächtnis des Ehud O.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf andremarty.com, einem inhaltlichen Partner der Readers Edition.
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