“Widerstand, Lage – Traum – Tat” von Frank Lisson

Frank Lissons “Widerstand” ist ein zorniges Buch. Nicht wütend. Zornig. Denn das sei die “aktive und stolze Variante der Wut” (38). Sein Werk ist alles andere als ein Sachbuch, aber es vermag, die deutsche Lage darzustellen und eine bittere Anklage gegen das Establishment zu führen. Er drittelt seine emotionale Schrift

Frank Lissons “Widerstand” ist ein zorniges Buch. Nicht wütend. Zornig. Denn das sei die “aktive und stolze Variante der Wut” (38). Sein Werk ist alles andere als ein Sachbuch, aber es vermag, die deutsche Lage darzustellen und eine bittere Anklage gegen das Establishment zu führen.

Er drittelt seine emotionale Schrift in “Lage – Traum – Tat” und leitet es mit der Beschreibung desjenigen ein, der abseits steht und eigenwillig unbegradigt ist. Die Wenigen, die sich zu diesem Abseitigen gesellen, seien das “eigentliche Wir” (1), in Abgrenzung zur Masse. Das ist seine Standortbestimmung.

In seiner Lagefeststellung erklärt er seinen Zorn: Er habe es satt, sich von den heute Mächtigen bevormunden zu lassen (25). Er klagt die all zu einfache Einteilung zwischen dem Guten -also “alles ‚Soziale’, alles ‚Weibliche’”- und dem Bösen -also dem “Rest”- an (29). Sehr drastisch ist sein Vergleich der Gleichschaltung der Nazis mit der Gleichschaltung von heute. Der Unterschied liege darin, dass die Methoden heute perfektioniert seien: Sie zielten gleich auf die Psyche (25).

Sein Traum ist ein Land, in dem “das Eigene Vorrang vor dem Fremden hat; nicht aus Überheblichkeit oder Chauvinismus, sondern weil es das Naheliegende ist” (55). Er träumt von einem freien Land, von freiem Denken und von der Möglichkeit der öffentlichen Diskussion über Missstände, “da sie jeden etwas angehen” (55-56).

Die Tat ist dann am Ende nicht derart radikal, wie man es aufgrund der Bitterkeit und Vehemenz seiner Anklage hätte vermuten können. Der Widerstand, den er von seinesgleichen fordert, ist geistiger und wörtlicher Natur. Er fordert die Rüstung “zu einer echten Gegenkultur” und das offene Bekenntnis der eigenen Haltung “im Freundes- und Bekanntenkreis, an den Schulen oder auf der Universität” (70).

Lisson schreibt eindringlich und fesselnd.

Ob seiner direkten, unverblümten Anklage mag denen, die sich in diesem Land selbst in den Stand der Wächter erhoben haben, die Galle hochkommen. Und das nicht nur, weil der Wahlberliner eine eloquente Kulturkritik von rechts liefert. Vor nämlich allem deshalb, weil er mit prosaischen Worten des Pudels Kern aus der Hüfte heraus trifft.

Ein intelligenter Sozialdemokrat rezensiert Lisson äußerst fair und mit einigem Wohlwollen. Der Linke merkt aber auch an, dass der Rechte “bisweilen reichlich” übertreibe. Doch übertreibt er tatsächlich? Wer sich mit den Themen rund um einen modernen Konservativismus und heutiger Gesellschaftskritik auseinander setzt, sollte dieses Buch lesen. Es ist nicht nur Lissons Sprache, die gut tut. Es ist vor allem die emotionale Klarheit, mit der er die Dinge auf den Punkt bringt.

Frank Lisson – Widerstand, Lage – Traum – Tat
ISBN 978-3-935063-81-4
Edition Antaios
Preis: 8,00 €

Diese Rezension erschien zuerst auf www.dasgespraech.de

Kommentare

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  1. Woher der Zorn kommt, ob von links oder rechts, kann oft dahin stehen. Er trifft immer die Richtigen.

    Danke für den Hinweis, das Buch sollte lesenswert sein.