Auch bei den Protesten zum Nato-Kongress in Straßbourg und Baden-Baden kommt das neue Medium zum Einsatz. Bereits im Vorfeld wurden Demos und Veranstaltungsorte über das Netz bekannt gegeben, Anfahrten organisiert und Aktionen vereinbart. Nunmehr wird neben den vielen Blogs und Foren auch Twitter benutzt, um die Aktionen vor Ort zu koordinieren.
Mit immenser Geschwindigkeit können dabei über den so genannten “Micro-Blogging”-Dienst eine Vielzahl von Anhängern und Aktivisten vor Ort erreicht werden.
So beispielsweise auch Matt Kennard, der Live vor Ort berichtet und für “The Guardian” posted. Ein einfacher Eintrag macht auch die politische Tragweite deutlich: am Samstag um 13:31 Uhr posted er: “There’s a German politician here arguing with the police, trying to find out what his name is”, nur sechs Minuten später: “Ok his name is Wolfgang Gehrcke and he’s pissed off at NATO and the German police, says he will ask question in parliament. Looks stressed”.
Was hier an einem harmlosen Beispiel mit “nur” politischer Tragweite deutlich wird, lässt sich jedoch auch für koordinierte Gewaltaktionen verwenden. So haben beispielsweise Aktivisten über Twitter Lücken in den Polizeisperren bekannt gegeben, die danach von gewaltbereiten Demonstranten gestürmt wurden.
Die neuen Medien beeinflussen unser Bild von Nachrichten
Doch die weit überwiegende Zahl sind friedliche Twitter-Feeds, wie beispielsweise BlockNato (siehe screenshot) oder no_to_nato . Auch wenn hier Informationen zu Polizeisperren veröffentlicht werden, bleibt der Ton sachlich und friedlich. Ebenso ein User namens monstris, der seine Eindrücke vom Geschehen vor Ort schildert. Die Rezeption dieser Twitter-Feeds in der Berichterstattung der ARD/ ZDF machen zudem deutlich: die neuen Medien beeinflussen unser Bild von Nachrichten. Die Hoheit für die Berichterstattung liegt eben nicht mehr nur bei den Journalisten – dies gilt allenfalls für die 20 Uhr Nachrichten. Vielmehr sind Blogger, Twitterer und Online-Citizens längst Bestandteil unserer medienvermittelten Realität geworden. Die unvermittelte Berichterstattung schafft Nähe, vermittelt direkte Eindrücke und lässt das Geschehen vor Ort noch eindringlicher wirken.
Der Nato-Gipfel war nun nicht die erste Veranstaltung, bei der Twitter eine Rolle spielte. Aber möglicherweise die Größte – bis heute…
erschienen auch auf kampagnen-fabrik.de
Was ich wirklich gut finde, an den “neuen Medien”, wie Twitter und Blogs. Die Masse an Konsumenten geht durch die Bank weg skeptisch mit den darüber verschickten Informationen um und suchen sich wie selbstverständlich weitere Quellen.
Leider wird das mit den “alten Medien” von der Mehrheit der Menschen nicht so gehandhabt. Und das, obwohl es in der Geschichte schon diverse üble Beispiele gibt, wohin so etwas führen kann.
Und genau deshalb ist es sogar besser, wenn die Medien durchs Internet eine gewisses semiprofessionelles Image bekommt. Glaubwürdigkeit ist eben immer trügerisch.