Ein literarischer Spaziergang durch Franken in Prosa und Lyrik
Was uns aber die Historie in schöner Aufmachung außerdem gerne zeigt – in Museen, deren Bedeutung neben dem Herzeigen von Bildern im Besonderen mit der Namensgebung der Stiftungs-Gründer gern einhergeht -, wie zum Beispiel im schon genannten Schweinfurt das Schäfer-Museum, das ist der Geist, der aus der Geschichte weht.
Dieser aber weht bekanntlich wo er will. Und bis in die heutige Zeit ist Arbeitsgeist und Geldverständnis und das Gehen mit der Zeit und das Verständnis für Zeitverhältnisse auch ein fränkisches Kleinod sozusagen, ein Bedürfnis eben, ein gewisses Können, ein Verdienst, ein Herzeigen und Beherrschen des Instrumentes der Macht (das Zeiten überdauert!) im Gutglauben an “franzisca”, die Streitaxt der Väter aus grauer Vorzeit. Nicht umsonst hat fränkisches Fußvolk einmal die Hunnen und einmal die Araber bezwungen, von den Burgundern ganz zu schweigen.
Zum Beispiel sind, in diesem Sinn betrachtet, die Mark Brandenburg und das spätere Preußen ohne den ehemaligen Burggrafen von Nürnberg einfach nicht denkbar. Dieser Graf aber war ein Hohenzoller.
NÜRNBERG
Unstete Stadt geht durch die Zeit
Wie ein leuchtend buntes Kleid,
Wie ein scheinend schimmerndes Bild,
Wie ein sicher schützender Schild
Umhüllt die Stadt,
Was sie in sich verborgen hat.
Und was sie birgt, verrät sie sicherlich
Aus ihren Steinen und wie`s daraus spricht.
Nun hat, wie wir alle wissen, Napoleon I. nicht nur Schluss gemacht mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, also das späte Mittelalter praktisch aus Europa vertrieben, er hat auch Bayerns Kurfürsten zum König ernannt und die fränkischen Lande, vormals sauber aufgeteilt in zumeist autarke Fürstbistümer, kleinere Herzogtümer, reichsfreie Städte und Dörfer und dergleichen, dem nun größeren bayerischen Staat zugeschanzt, das Zwischenspiel mit dem Herzog der Toskana einmal beiseite gelassen.
Das nun noch größere Bayern aber wurde damals – und wird auch heutzutage zuweilen kräftig – an der Konstitutionssäule bei Gaibach in Unterfranken gefeiert und manch Böllerschuss mag in Gedanken gerne danebengegangen sein, wenn, ja wenn es nur dem Wunsch der Franken entsprochen hätte. Damals, etwas nach der Zeit als Napoleon Franken den Bayern vermacht hatte, haben patriotische Franken einen mutigen Würzburger Bürgermeister Wilhelm Josef Behr anlässlich des Gaibacher Festes am 27. Mai 1832 angeblich auf den Schultern getragen und gesungen: “Das ist unser Frankenkönig!”. Allerdings vergebens.
Doch, nebenbei gesagt, dies wird heute nicht mehr nachgetragen von fränkischer Seite, wie es oftmals unschwer aus Äußerungen von durchaus offizieller Fraktionsführerseite der bayerischen Heimatpartei herauszuhören sein mag, obwohl man manchmal aus einem echt fränkisch “zwiebelträterisch” – gewürfelten Wort und mit tiefergelegter Stimme etwas zweideutig Gesagtes herauszuhören vermag, was oftmals in Kreuth ins Mikrofon der Meldewagen und dann zu uns gebracht wird, wenn es wieder um Wahlen geht in diesem, aber jetzt unserem Lande insgesamt, aufgemerkt! Letzterer Absatz gilt dem “Antenken ehemals frängischer Abgeordneter in leidender Bosizion”, mein Gott, wie traurig, uner Günder, uner Michel!!!! Nie mehr sollen wir ihre Stimme hören dürfen?
Aber, so geht’s zu, in kurzer Eilmeldung angezeigt und zudem ist mit Genugtuung zu vernehmen, dass trotz der Anstrengung von Napoleon I. und den beiden Ludwig-Königen “die Welt” hier in Franken immer einwenig mittelalterlich sich zeigt. Das heißt, dass die kleine fränkische Weltsicht, wohl mehr als eine Tochter der Schedel`schen Weltchronik wandert, eben anders, langsamer. Das soll nicht weiter moniert werden.
Schon gar nicht, wenn das, was mit guter fränkischer Art einhergeht, mit herzhafter Wurst, rauchigem Bier, edlem Wein, oberfränkischen Klößen und einer gewürzten Küche, die wir so lieben. Den Südbayern mag dies alles tüchtig einheizen wegen der Würze, obgleich es dorten eynen Schuhbecken gibt, aber nit hir bey unz.
UNSICHERER WEINPRÜFER
Superb, superb, superb,
Sehr schlanker Körper,
Im Abgang etwas derb.
So könnte es aus dem Mund einer schönen Weinprinzessin oder -Königin schallen, lispeln, oder von einem Weinanbieter, einem echten Winzer aber wohl eher nicht. Und bei Gott, der Wein, der fränkische zumal, er hat es in sich, wurde vor Zeiten nicht umsonst per Rezept ausgestellt. Und der Wein, manchmal meint man geradezu, er könne sprechen.
Doch nun zurück zur allgemeinen Kultur. Denn diese ist hier – neben der Gotik und dem Barock – zu finden. Aber es ist deshalb auch kein Wunder, dass in Franken gefeiert wird und der allgemeinen Depression, die so gerne in Deutschland grassiert, ein Gegenüber geboten wird in Form wiederum fränkischer Art und Weise, wie Wallfahrten, Flur-Prozessionen , einer Fronleichnamsfeierlichkeit in Bamberg zum Beispiel, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Und Dichter gibt es auch in Franken, nicht nur der Mundart Künstler wie Fitzgerald Kusz oder Dr. Gerhard C. Krischker aus Bamberg, auch in Dingolshausen Alexander Sendner, der unlängst sein Büchlein: “Die alte Pappel weiß Bescheid” herausbrachte.
Daraus ein Beispiel:
Das kleine Glück
Es ist nicht nur des Mannes Kraft und seines Weibes Lust;
Dass Gott durch euch das Leben schafft, fühlt ihr in eurer Brust.
Er schafft es in der Mutter Schoß, ganz klein und noch so zart,
Dass es in der Geborgenheit das Licht der Welt erwart`.
Bewahret und behütet es, liebt es das kleine Glück,
Dann gibt es sicherlich dereinst die Lieb vielfach zurück.
Alexander Sendner
Da zieht man nur noch den Hut und nickt zustimmend. So etwas gibt es also auch in Franken und das ist liebenswert und lobenswert.
Allerdings wird, um auf Feste zurückzukommen, auch gerne einmal übertrieben. Zum Beispiel bei Hochzeiten oder beim Fasching. Oder auch beim Kabarett. Ja, hier zeigt sich dann oft der Hang zum Kindlichen und das ist es wohl , was dem Franken in etwa schadet, wenn er, wie allzu gern in derbe Späße ausweicht, die zwar gerne gehört werden, ihm aber nichts einbringen, außer: da seht ihrs, er genügt sich ja selbst!
Und die Hochzeiten, da schweigt des Sängers Höflichkeit oftmals, Holzsägen und Reiswerfen sind noch die mildesten dummen Spiele, doch was soll`s.
DIE BRAUT
Die Braut ist einwenig
Rund um die Hüfte und
Ihre Wangen sind röter
Als sonst.
Aber am schönsten ist
Ihr Mund.
Sie wiegt sich im
Geh`n und lässt du
Sie steh`n, so tanzt
Sie mit Kraft.
Und sie schafft diesen Tag.
In der Nacht
Musst du nicht erst den Mond bemüh`n.
Sie wird kommen
Und dann in die Dunkelheit flieh`n.
Ja, das Glück, es liegt so oft in der Nähe!
Nicht vergessen aber wollen wir die Kunst der Symphoniker aus Bamberg, die fränkischen Kur -Bäder und die fränkischen Städte und Dörfer mit ihren roten Dächern. Und unter diesen Dächern wohnen, gerade auch im ländlichen Bereich oft poetische Männer (in der Gegend um Hassfurt z.B.), die sich gerne und ausführlich mit den Sonderheiten unserer Geschichte befassen und das nicht nur im Sinne
christlicher Liebe zum Nächsten, sondern mehr wegen der aufklärenden Art, gerade deswegen. So gibt es bald nicht nur Schöngeistiges aus erzählungskundigem Munde, sondern gepfefferte Kriminalgeschichte der nicht immer nur cavaliersmäßigen
Geschichte unseres christlichen Abendlandes im Lexikonformat.
Auch das ist durchaus muudich, ethel un aecht frängisch!
Aber diese fränkischen Städte und Dörfer, mit ihren roten Dächern, oft in barockem Gepränge, sowie eine Landschaft, die der herben Gestaltung des hiesigen Menschenschlags mitunter etwas schräg gegenüber steht, hätten es endlich einmal verdient, von dem zu profitieren, was unsere Zukunft womöglich länger bestimmen wird, als das hier Geschriebene, nämlich vom Wertzuwachs einer Gesellschaftsordnung, der sich geziemend verteilen wird, endlich aber auch hin bis zum Schwanz des bayerischen Löwen, nach Aschaffenburg. Die Gegend um Miltenberg nämlich, der Spessart besonders, ist in der Tat sehr schön und die Täler, in denen der gute fränkische Rotwein wächst und ausgebaut wird, um Klingenberg etwa, laden ein zur Wanderung, besonders im Herbst. Und auch in abgeschiedenen Ortschaften findet man immer eine Gastronomie, deren Tür offen steht, allerdings hier und da, besonders in abgelegenen Gegenden kann es sein, dass man als Fremder richtig fremd ist.
Wanderer beim Biertrinken
Kam plötzlich rein, bestellte sich ein Bier von einer Größe, die ihm zugemessen ,
und keine Blöße gab es sich, indessen war jeder in dem Raume hier mit sich allein.
Trank aus, stand auf, bezahlte, ging hinaus, bog an dem Nachbarhaus um eine Ecke,
ward nie gesehen mehr zu irgend einem Zwecke.
Photo Quelle/Copyright: docman, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
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