Ein literarischer Spaziergang durch Franken in Prosa und Lyrik
Schaut man aber noch einmal zurück in die Vergangenheit, so kommt einem zuweilen Wehmut entgegen. Ich betrachte in dieser Hinsicht vor allem die ländlichen Gebiete, in denen die dort wohnenden Menschen in der Land- und Forstwirtschaft, im Handwerk und im Handel für das Wohl der Bewohner der Umgegend sorgten und sorgen.
Haben die Menschen auf dem Dorf noch vor zwei Generationen Wand an Wand etwa mit den Rindern gelebt, (z.B. innerhalb eines fränkischen Hakenhofes), so ist heute hier alles anders. Wo hört man denn noch das Gackern der Hühner? Das Gurren der Tauben? Was mag in einem Bauernherzen vor sich gehen, wenn die letzte Kuh, das allerletzte Kälbchen aus dem Stall gezogen wurde? Stille ist eingezogen, Verlassenheit und Schwermut, die nur schwer zu ertragen ist, liegt über dem Land, dicht an der Grenze zu Mitteldeutschland etwa. Und die Menschen, sie leiden darunter, verkommen manchmal sogar und trostlos laufen sie oft herum.
WALDLAND
Schnee fiel,
Bedeckte mit weißer Hand
Himmel und Land,
Sang,
Im Lied klang Wehmut.
Leise,
Bedächtig,
Mit Anmut
Leckte die Flanke das leichte Tier.
Wald schwankte sacht,
Es knisterte Stille,
Leuchtete lind
Das Kind,
Der Sehnsucht heißes Gemach.
Und nur der Rauch,
Gewirbelt als graue Hoheit,
Spendete Mensch und Tier
Wärme und Freude.
Es liegen am Ofen Mann und Kind,
Lachen am Feuer, wenn Freunde erscheinen,
Dann scherzen die Frauen,
Das Wasser summt,
Denn der Tag ist gemacht für den stillen Frieden.
Der Wein. Was wäre Franken ohne den Wein? Und was hätte der in das Zentrum politischer Gespräche gerückte Mittelstand sonst aufzuweisen in einer Region, wo die nordbayerische Arbeitslosigkeit nicht mit Superzahlen von München und Umgebung Schritt halten kann? Das aber ist eine Frage, die man ruhig einmal stellen darf – in Anbetracht der Tatsache, dass die Landwirtschaft und was damit zusammenhängt, in eine wiederholbare – so genannte Krise – gerät, immer und immer wieder und die Orte an der Grenze zu Mitteldeutschland zum Teil – wie gesagt – elendig verrotten.
Aber da heißt es, sich nicht in die Schmollecke setzen und weiterhin auf Subventionen vertrauen, sondern handeln. Etwa mit Selbstvermarktung, auch mit dem Hinweis auf “ruhige Wanderwege” und derbfränkische Kost, sowie den Versprechungen: Unser Dorf soll noch schöner werden!
Doch darf man auch mit guten Gefühlen in die Zukunft blicken, z.B. für eine Generation, die jetzt schon wieder in kleinen Schritten nachfolgt und vielleicht einmal den gleichen Wirtschaftssinn aufweisen wird, wie die Alten. Aber auch mit Aktien kann man hier umgehen und nicht wenige haben das Auf, aber auch das Ab (öfter) kennen gelernt in
der letzten Zeit, haben sich auch oft etwas zu mutig verhalten, sind denen gefolgt, die mit Schalmeienklängen warben für eine bessere und sichere Zukunft. Einige ganz Unverdrossene aber “stehen immer wieder auf”, so sagen sie, und der Wunsch mag ihnen dabei durchaus etwas helfen.
Zaghaft aber wird schon in dieser schönen Region das hinübergerettet, was so mühsam einst in der Vergangenheit aufgebaut wurde und was der Topographie dieser Landschaft als “städtisches Bauen” im besten Sinne schon einmal anvertraut wurde. Vereinzelt kehren sie zurück, die Kindeskinder, mit etwas Geld in der Tasche, kaufen die noch gut erhaltenen Gehöfte auf und richten sie oft geschmackvoll und stilgerecht wieder her. Vielleicht singen sie dann wieder ihre Lieder, etwas schräg zuweilen, schleifend, aber mit frohem Mut und sie schaffen sich ihre Kultur, wie es eben Sitte war und ist. In Maßbach z.B., in dem schönen kleinen Theater mit einer Tradition, die sich sehen lassen kann. Hier hat der Kameramann Michael Ballhaus seine Wurzeln.
Ja, vielleicht schaffen sie es in Zukunft und auch Paul Mahr und das SAMS helfen mit, den Kindern und Erwachsenen zur Freude, damit später einmal die Menschen sagen können, wie weiland Balthasar Neumann (immer wieder muss man es sagen!):
“Seht, wie glücklich wir einst in Franken lebten!”
SPÄTER MÄRZ AM MAIN
Des Märzen Sonne,
Ach, des Märzen Sonne lebt heut im Versteck.
Es kommt das Schiff, es kommt das Schiff
Den Strom hinauf mit Mühe nur.
Frischfromm
Der Häcker
Hoch, auf der Terrasse,
Schneidet noch einmal den Zweig,
Aus seinem rost`gen Wagen tönt`s indes wie Kirmes.
Geruch nach frischem Wein, der durch die Kehle fährt
Und bald, schon im August
Den schweren Schmerz der Ernte ahnen lässt.
Gottlob nur,
Dass abends dann
Heulende Eulen den Turm umkreisen,
Blinder Fuchs den Gaumen kühlt
An heute staubiger Quelle,
Eingefasst von gelbem Stein.
Der Wind bringt das letzte Glitzern des Mains herüber,
Wirft alles an die helle Mauer.
Wärme abends lockt den Wein,
Nachts das nackte Mädchen träumt.
Früher März,
Brachtest mir Quellen,
Der schwarzen Vögel lustige Schnäbel.
Später März,
Bist mir teuer,
Schreist die grünen Lieder herüber,
Weckst die Stämme aus dem Schlaf.
Wir aber werden uns auf den Weg machen, jetzt, wenn wieder der Frühling ins Land zieht, oder auch im Herbst. Werden das Maintal durchwandern, all die anderen Gefilde, ins Land der Franken fahren mit dem Wunsch nach einem guten Weg, der gleichzeitig auch Ziel ist und ein Bild von der Landschaft und den Menschen beinhaltet. Nach Westen geht es dann, nach Osten in den Frankenwald vielleicht auch, wo gutherzige Menschen wohnen, die einen jeden gerne aufnehmen und wo hinter Kronach, in Förtschendorf es einst eine Brauerei gab, die nicht nur ein köstliches Bier braute, sondern auch ein Bierfest feierte und wo eine Kapelle spielte, die ehemalige Flößer, Brauer und Gäste zum Gesang anregte, dass das ganze Tal davon hallte. Doch das ist lange schon her und die Brauerei, sie steht nicht mehr.
Und wenn wir die Basilika in Vierzehnheiligen aufsuchen und an der Decke die in Grisailletechnik wieder auferstandenen acht Tugenden
in allegorischer Darstellung, oben in den Zwickeln, unterhalb des zentralen Deckenfreskos, finden, dann wissen wir, dass das Glück
oftmals versteckt ist, aber viel öfter ganz dicht bei uns sich befindet. Das aber wissen wir alle mehr oder weniger, ist also nichts Neues
und sollte uns deshalb endlich Anlass zu etwas Zufriedenheit geben.
- Fränkische Medaillons (II)
- Fränkische Medaillons (I)
Photo Quelle/Copyright: docman, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.