Seine Inspiration ist “der Alltag im Leben”. Sein Anspruch ist, wie er selbst und “niemand anderes” zu klingen. KB-OnE, ein auf seinen Photos eher cool und distanziert wirkender Rapper-Neuling aus Oldenburg, hat sich umgesehen im “real life” und sich für sein aktuelles Werk ausgerechnet ein Ereignis herausgesucht, das Millionen Menschen weltweit zutiefst entsetzt hat: der Amoklauf von Winnenden am 11. März 2009.
“Zu wenig Dramatik in Winnenden?“, fragte schon wenige Tage nach den Geschehnissen in der baden-württembergischen Gemeinde in der Nähe Stuttgarts unser Autor Lutz Reupke, der auf die zweifelhafte Berichterstattung der Bildzeitung in diesem Zusammenhang verwies. Damals wurde ein Zeichner beauftragt, die furchtbaren Geschehnisse im Klassenzimmer nachzustellen. Der Autor stellte klar: “Ich frage mich, ob das nötig ist, und entscheide mich für ein klares NEIN!” KB-OnE geht nun allerdings noch einen Schritt weiter. Denn groß steht es auf seiner Myspace-Seite: “Trauertrack Winnenden Out Now!”
Echte Anteilnahme oder eine ziemlich makabere Art Aufmerksamkeit zu erregen?
… das scheint eine der ersten ambivalenten Reaktionen zu sein, wenn sich der User auf dessen Seite verirrt. KB-OnE erklärt das Ganze jedoch so: “Das Lied geht an alle Verstorbenen und den jetzigen Trauernden. Ich hoffe, ihr ruht in Frieden”, heißt es im Begleittext zum etwas mehr als fünf Minuten dauernden Video, das auf seiner Myspace-Seite mittlerweile fast 11.000 Klicks erfahren hat und vor wenigen Tagen unter anderem auf YouTube hochgeladen wurde. Auch dort kann das Stück derzeit fast 400 Aufrufe vorweisen.
Düster geht dies denn auch los: Unter Donner und melancholischer Klavier- und Geigenbegleitung ertönt die Nachricht. “Mindestens 15 Menschen hat der Amokläufer getötet und mehrere verletzt.” O-Töne verschiedener Medien werden eingeblendet – vermischen sich zu einem bewegenden Wust. Der Beat setzt ein, gibt hämmernd den Rhythmus vor, den die “Gangsta-Rap” affinen Kids von heute bereits verinnerlicht zu haben scheinen. Jeder spreche darüber, beginnt dann der Protagonist seine Zeilen. Auch er sieht sich veranlasst nun seine Gedanken zu sammeln und ein Gedicht zu verfassen. Er bittet darum, die Augen zu schließen und allen Opfern und Angehörigen zu gedenken. Die “Analyse” des Tim K. beginnt…
Etwas hilflos bleibt der Zuhörer nach dem Verklingen der letzten Glocken zurück. Handelt es sich hierbei um eine ernstzunehmende musikalische Auseinandersetzung mit einem Thema, das die Menschen und Medien seit Wochen bewegt? Ist das Mitgefühl, die Anteilnahme des Künstlers echt?
“Danke für die Anteilnahme”
“also ich find’ das irgendwie ganz schön makaber…. total unangebracht.. kommt bei mir nicht gut an….”, so die Reaktion mit der die Redaktion auf dieses Stück aufmerksam gemacht wurde. Im Umfeld des Künstlers dagegen scheint das anders auszusehen. “Bruder.. ich denke mal das wird viele bewegen, hast du gut gemacht mit viel herz!!!”, schreibt da etwa der Kommentator MaZkulin1 vor sechs Tagen. “Respekt man ich finde gut das du ein Lied über den Amoklauf geschrieben hast”, lässt auch Nailis GFX auf dessen Myspaceseite verlauten. “Danke für die Anteilnahme” oder “(…) wie viele Leute werden dir dafür danken!!!” gesellen sich dazu. Doch auch hier gibt es kritische Stimmen: “Das Thema aufzugreifen finde ich auf der einen Seite sehr gut… auf der anderen hoffe ich, dass du das aus den richtigen Beweggründen gemacht hast…”, meint allerdings First Class.
Was bleibt ist auf jeden Fall ein fader Beigeschmack, der sich kaum beseitigen lässt. Oder um mit den Worten von Lutz Reupke zu schließen: “Muss man immer noch einen Schritt weiter gehen (…)?”
Mir haben Besserwisser wie Nagel vorgeworfen, mit den Ereigenissen von Winnenden
im Werbeinteresse Schindluder getreiben zu haben, dabei weiß jeder Psychiater, dass
Amoklauf und Suizid nicht Ergebnisse normalen Vewrhaltens, sondern Folgen schwerer
psychischer Krankheit. Solche Krankheiten sind nach ihrer m.E. zutreffenden Meinung behandelbar. Wenn solches Nachsinnen über die Gründe für das Unheil und die Möglichkeit der Verehinderung von Neuauflagen schon so abgeschmackt sind, was ist
denn dann dieser flotte Rap?! Vielleicht bin ich zu altmodisch für den Musikstil, aber ich denke er passt nicht zum Geschehen. Wenn man Trauer rappen kann, dann geht wohl auch Bebop, Reggae und Hard Rock?