Fränkische Medaillons (IV)

Ein literarischer Spaziergang durch Franken in Prosa und Lyrik Als wenn es noch wie im vorigen Jahrhundert wäre. Etwa so – oder ähnlich – zeigt sich das Leben manchmal in Franken, das heißt, die Situationen ergeben sich oftmals in dieser Richtung, wir befinden uns also wie im Biedermeier. Und genauso

frnake2.jpgEin literarischer Spaziergang durch Franken in Prosa und Lyrik

Als wenn es noch wie im vorigen Jahrhundert wäre. Etwa so – oder ähnlich – zeigt sich das Leben manchmal in Franken, das heißt, die Situationen ergeben sich oftmals in dieser Richtung, wir befinden uns also wie im Biedermeier.

Und genauso fühlen wir uns, auch in so genannter sicherer Umgebung – hier in Franken. Ist das gut?

Ja, vielleicht. Aber es ist ebenso tröstlich, dass es einen roten und einen weißen Main gibt in unserem schönen Frankenland und etliches mehr, ja, es entsteht neben dem Wein auch das Bier als Kunstgebräu aus frühem Mittelalter her. Daneben werden Schnäpse gebrannt, dass es eine Freude ist. Und manch alter Brauer erinnert sich vielleicht der Stunden, als er an der Sudpfanne stand oder im Gärkeller hantierte, dort wo das zukünftige Bier arbeitete, gärte und diesen eigenartigen Duft verströmte.

Sudhaus

In meinem kleinen Sudhaus pfeift ein

Mäuslein

und wenn ich warte, löffelt es am

Hahn

der Maischepfanne

sich den besten Tropfen,

den gerne ich heut hergeb`, denn ich hoffe,

ein Vielfaches zu ernten und zu

naschen,

die allerfeinsten Lieder zu erhaschen.

Natürlich handelt es sich hier eher um eine Brauerei aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts als um eine heutige, aber wer weiß, vielleicht gibt es die ganz alten Gemäuer und Geräte immer noch.

Ganz Franken aber ist doch ein tüchtig großes Gebiet, wenn man es recht betrachtet. Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken! Dafür sollte man allein schon danken. Ist aber der Unterfranke meist katholisch (und wie!), so der Mittelfranke bekannt für seine protestierende Art, eben ein Protestant (und was für einer!). Der Oberfranke als solcher ist gemischt. Ein Gemixter sozusagen, durchaus eben eine Mixtur aus vielem. Mal so, mal so, aber auch mal wieder anders. Schon Jean Paul, der Bayreuther, oder besser gesagt, der aus Wunsiedel, hat es schon gewusst – das mit der Mixtur – und die herrlichsten Käuze in die Welt gesetzt – zwar literarisch -; obwohl, Beobachtungen waren ganz bestimmt auch maßgebend beteiligt bei der Eruierung aller Verhältnisse.

Nicht nur die Freilichtbühne in Wunsiedel oder die in Maßbach – wo auch immer im fränkischen Land – es ist egal, überall findet man die Typen noch heute und so ist der Frankenwald oder der Steigerwald, der Spessart, sind die Hassberge oder ist gar die Rhön nicht ausgespart davon.

Haha, denken da manche und zeigen gar auf Schweinfurt. “hier auch!”, so meinen sie, unsere “Schnüdel”, die müsstet (besser: “müssert”) ihr erst einmal sehen, zum Beispiel beim Fußballspiel im eigenen Stadion… Gar nicht zu schweigen von den “Zwiebeltretern” in Bamberg und so weiter und so fort.

“Krouniche Fousanoucht”, heißt es zur Fastnacht in Kronach und die “Heetschich” (Handschuhe) werden gerne angezogen, wenn es kalt ist dort, denn die Finger dürfen nicht frieren. Die Handschuhe werden oftmals von den Omas gestrickt, die auch sonst nicht auf den Kopf gefallen sind und mancher Familie Stütze und Hilfe sind und vor allem den Enkeln sehr zugetan.

Nachmittags halb fünf

Halb fünfe und

Die Oma sitzt

Am Tisch und liest im Bläädla.

Die letzte Seite

Ist schön bunt,

Bringt was vom Simply Redla.

Der Bub kommt heim,

Hei, wie er sich

Ganz still und heimlich freut.

Und eine Disc,

Die hält er fest,

Wie eine sichre Beut`.

Er red`t nicht viel,

Die Oma meint,

Dass sich das nicht gehört.

Und hat den Bub,

Der summt und nickt,

In seiner Ruh gestört.

Und als sie schreit:

„Du Simpl, red!“

Da nickt er still und fröhlich.

Die Oma schüttelt ihren Kopf,

Der Bub, er lächelt selig.

Und es werden Feste gefeiert, wie sie fallen. Da gibt es viele: Bierfeste, Weinfeste, Spargelfeste, Hopfenfeste (in Spalt z.B.), so viele Gelegenheiten, Kunst überhaupt (und Kultur!) zu zeigen. Und was für eine !

Spargelkönig

Einst lebte ich bei einem Spargelbauern,

Am Ende eines Dorfes, hinter Mauern,

Tagtäglich Arbeit bis zum Abendrot.

So gingen hin die arbeitsreichen Jahre

Und etwas grauer wurde mir die Haare,

Doch sonst war alles noch im rechten Lot.

Drei Tage war ich auch mal Spargelkönig,

Jetzt steh ich auf und kämme mich ein wenig

Und schlage eine freche Mücke tot.

Da stehen sie dann auf der Bühne, die fränkische Käuze, dass es eine Freude ist (und auf Bayern III wirds gezeigt!). Denn nicht nur zum Fasching in Veitshöchheim, auch unterm Jahr, wenn’s beliebt’, wird was geboten. Selbst die provinziellen Politiker aus Franken stellen sich in die Reihe derer, die Schelme oder etwa Narren sein wollen – zur Freude aller anderen Politiker – (wollen es hoffen!).

Da ist es immer schön zu wissen, dass das Leben, wie es spielt, auch zu seinem Recht kommt und zwar gewürfelt fränkisch…

Zum Beispiel im Fußballspiel. Zum Beispiel beim Club.

Nürnberg und der Club

Am schönsten aber ist der Club,

Den muss man tüchtig loben,

Thront nicht  fest wie die hohe Burg,

Ist unten und mal oben.

Die Burg, sie steht ganz sicher dort,

Nur oben, wie langweilig,

Der Club, den zieht es immer fort,

Nach unten hat er`s eilig.

Mehr ist an dieser Stelle darüber nichts zu sagen und es wird wohl so bleiben. Mal oben und mal unten. Und die “Glubberer” sind es gewohnt. Aber auch die kirchlichen Feierlichkeiten, wie z.B. die Erstkommunion, die Flurprozessionen, das Fronleichnams-Fest (in Bamberg z.B.) haben (wir wissen es schon!) durchaus ihre Reize.

Dem Fremden oder auch demjenigen Interessierten, der nicht aus einem religiös gefestigten Hause kommt, kann feierlicher Umstand – zumal gewürzt mit köstlichem Weihrauch – und leicht depressiver Krächzstimme eines zunehmend alternden Standortpfarrers eben durchaus den Eindruck einer gerade noch “heilen Welt” vermitteln.

Da kann es schon vorkommen, dass ein Zugereister (oder gar eine Zugereiste!) sich gerne als Kommunionmutter andingen würde. Aber Obacht! Hochehrwürden könnte öffentliche Buße verlangen (erst einmal!), dann Beichte und dann (unter Umständ!) eine durchaus angebrachte Spende.

Ja, so sind sie unsere fränkischen Geistlichen des alten guten Glaubens, oftmals geeicht mit dem Geist (dem heiligen) und als Vorbild nicht immer nur den heilige Kilian, sondern auch durchaus den Julius Echter anerkennend. Kenner kennen dessen Schwert – und andere Seitenhiebe. Aber es gibt, oder gab vielmehr, auch den von Scherenberg aus Frankenwinheim. Und der war ein Guter! Den Weinanbau hat er gepflegt; heute noch dankt man ihm dafür mit Gesang, einem gelegentlichen Hochamt (mit herrlicher Blasmusik) und mit einem “prosit!”.

Und die Schönborn? Allein ihre Schlösser sind sehenswert und eröffnen den heutigen Menschen immer wieder Einblicke in die damalige Zeit, in der, wie weiland schon Balthasar Neumann von einer “schönen” Zeit sprach, in der man damals wirklich auch “glücklich” lebte (unterm Krummstab!).

Da blitzt es wieder auf, das versteckt unter Goldschmuck und barocken Gestalten und Gemälden lebende erotische Element, das den Menschen Freude schaffen sollte inmitten ihrer Arbeitswelt (derweil die Adligen und Fürstbischöfe es ihnen vormachten mit Fleiß, Inbrunst, Gefühl, Musik, Jagd und selbst eigener “schimmernder Wehr”).

Hat der Kalender des Kirchenjahres früher (aber ab und an auch noch heute) den Lebenslauf – vor allem des Dorfvolkes – begleitet und gewürzt, so kann man mit Fug und Recht heute in Franken irgendwo mal immer wieder das Leben aus der Fülle des Wohlbehagens erleben. So ist es  eigentlich Sitte in den katholischen  Regionen und so wollen wir es auch weiterhin genüsslich hegen und pflegen, wie auch den Schöpfer des Wohlbehagens in flüssiger Form, den Wein. Dieser aber wird wirklich sorgsam und fleißig bedacht, gepäppelt, behandelt, geerntet, gekeltert und dann mit dem Mut der Gegebenheit gelagert und dann schließlich verkauft (nachdem er schon genügend genossen wurde).

So beinhaltet dieser Wein immer etwas von dem, was nicht nur Boden und Rebsorte alleine ihm vermitteln: nämlich den vorsichtigen Mut und die bodenständige Kraft des Frankenvolkes. Und er ist Sinnbild für die Ewigkeit, für ewiges Leben und Verbindungselement in der Liturgie unserer Kirche. Mehr sollte man eigentlich nicht sagen und die Sinngebung von Blut schonend außer Acht lassen (mein Vorschlag in dieser Richtung).

Der Wein

Vom Grunde her, der sandig,  und braun und grün

Komm ich empor, um Menschen zu erglühn`,

Die in der grauen Jahreszeit an Tagen

Zuviel mit Sorgen sich und Arbeit plagen.

Doch manchmal glättet Sonne Sorgenfalten,

Dann feiern sie auf Bänken dort am Fluss,

Und schenken Lieder sich und Freundesgruß,

Bunt durcheinander, Junge und die Alten.

“Jetzt schnell herbei, Franziska, schenke ein,

Wir wollen, eh der blaue Abend sinkt,

Noch einmal schmecken diesen neuen Wein!”

Und wenn ein helles Mädchen naht und lacht

Und zärtlich ihrem Auserwählten winkt,

Bin ich es, der das Hochzeitslager macht.

Mehr zum Thema:

- Fränkische Medaillons (III)
- Fränkische Medaillons (II)
- Fränkische Medaillons (I)

Photo Quelle/Copyright: docman, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr


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