Ein literarischer Spaziergang durch Franken in Prosa und Lyrik
Am schönsten aber ist doch die fränkische Landschaft in ihren welligen, hügeligen Teilen, auch den wunderbaren Tälern. Und – nicht zu vergessen – die Höhenzüge. In der fränkischen Schweiz und im fränkischen Jura. Aber die Städte? Sie sind so, wie man sich Städte gemeinhin vorstellt. Meist mit einer Mauer umgeben. Ich nenne jetzt nur Rothenburg, Prichsenstadt, Münnerstadt, Dinkelsbühl, Volkach, oder all die schönen Städtchen am Main, wie Karlstadt, Lohr oder auch Kitzingen, Dettelbach, Randersacker, Ochsenfurt und so weiter. Denn es gibt viele, sehr anheimelnde Dörfer und Kleinstädte. Und die Bürger fühlten und fühlen sich darin sicher. So sicher, dass auch viele Juden hier zuhause waren.
Doch diese Sicherheit täuschte. Sie täuschte tatsächlich so sehr, dass es schon wieder enttäuschend war. Und auch jetzt wiederum ist es nicht ganz sicher in den Mauern dieser Städte, denn Fremde werden beäugt und besprochen, an den so genannten Stammtischen, in den Familien der Einheimischen: “Sach mol, wu kummt`n der her?”, heißt es dann. Fürth aber war, so gesehen, wohl die einzige Stadt, in der man noch einigermaßen sicher war als “Fremmer”. “Du bis nit von do!”, heißt es ganz schnell und “aha!” noch etwas schneller, als wenn man’s geahnt hätte. Was hat man denn geahnt? Dass man selbst einmal sicher auch fremd gewesen ist und somit die Angst noch tief im Unterbewusstsein steckt?
Besonders dann aber, wenn man es wirklich wissen will und zu ihnen (Den Franken) in die Vereine geht, tut sich ein Wunderding auf, ein Sack voller Überraschungen, sei es nun im Kegel-Club, oder im Liederkranz, wo auch immer. Hier erst erfährt man ihre eigentliche Art, ihr tief verwurzeltes Misstrauen dem Fremden gegenüber. Hier tun sie sich richtig zusammen, stecken ihre Köpfe aber durchaus nicht in den Sand, ihre Nasen jedoch in alles, was nach “Stammtisch” riecht, bleiben unter sich und der Fremde steht allein. Und wird ein Projektchor zusammengestellt, werden mitunter fremde Sängerinnen (ja, auch diese!) und Sänger weg gebissen, das heißt, man zeigt ihnen, wo sie zu sitzen und zu stehen haben.
Vom Frankenturm
So weit das Auge reicht, ein schöner Horizont,
Davor das Wechselspiel der Auen und der Berge
Und, wie die Wolke über allem steht und,
Du kannst trauen, in den Höhlen Zipfelmützenzwerge.
In Kitzingen aber hat man rechtzeitig in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts alles, was an die Juden erinnerte, zusammengetragen und ausgestellt. Dabei wurde man fündig, dass es einst sogar ein Kitzinger Rabbinat gab und die Adresse des ehemaligen Rabbiners Isaiah Wohlgemuth aus Brookline. Mass. war im beiliegenden Prospekt angegeben. Ein reger Briefwechsel entstand; eines schönen Tages war der Rabbi wieder mal in seiner alten Heimat und ein schönes Empfangsfest in der Synagoge wurde zur gegenseitigen Begegnung der feinen Art.
Die Heimkehr des Rabbiners nach Kitzingen
Da kommt er und geht durch den Raum,
Der halb zerstört noch und kalt,
Und der Saal ist voll wie damals.
Und er spricht, dabei lächelt er kaum:
“Es gab einen, jung oder alt,
Der wohnte nahe bei Gott.”
Und er steht und lächelt,
Dreht sich und geht
Und zögernd gebe ich mich zu erkennen,
Will ganz leis` meinen Namen nennen,
Da schwindelt es mir,
Trotzdem sage ich matt:
“Sie seh`n für Ihr Alter aber wirklich frisch aus,
Ich frag mich, wer hat das gemacht?”Seine Frau ist es, die mich stärkt und spricht:
Ich höre es heute noch genau: “Er hatte doch mich als Frau!“
Sagen wir es einmal ehrlich, die Frankenmädchen haben etwas. Ist es der Wein oder ist es die fränkische Natur, oder ist es aus der Geschichte geboren. Man hört da so manches. Zum Beispiel, dass die alten Franken früher wegen ihrer Grenzstreitigkeiten öfter mit den Slawen, auch den Hunnen im Streit gelegen sind und von da aus so manche Beute mit heimgebracht hätten. Aber wie gesagt, das sind nur Gerüchte. Doch eins stimmt, es gibt mindestens so viele schwarzhaarige wie blonde und die Wangenknochen und die der Hüften streben schon etwas auseinander (was ja kein Schaden ist!). So gesehen ist die gelegentlich erwachsende Mischung aus Fränkischem und Zugereistem nur zu begrüßen und ebenfalls oft zu bewundern, nämlich in den Kinderwägen. Und nirgendwo wird wohl mehr in diese gerne hinein geschaut und festgestellt. “a schöns Kind, werkli!”.
Frankenmädchen
Ihr Mund wie eine Schwalbe
Taucht ein in die kühlende Flut.
Herauf geflogen ins ewige Blau,
Trunken von langer Fahrt.
So nah ihr Flug dem häuslichen Glück,
Von fern in die Zeit gehaucht
Ihr herzhafter Kuss.
Lauter wie Wasser das Spiel
Ihrer Augen
Und seitlich des Schwalbenmundes
Ein seliges Lachen
Aus Freude am Dasein.
Flieg auf, kleine Schwalbe,
Dein Nest ist sicher und warm!
- Fränkische Medaillons (IV)
- Fränkische Medaillons (III)
- Fränkische Medaillons (II)
- Fränkische Medaillons (I)
Photo Quelle/Copyright: docman, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
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