Zum Abschied ein Festival…

Die zweite U&D-Winterkonzertreihe wird am 17. und 18. April fulminant beschlossen Manch einer sagt zum Abschied leise “Servus”, nimmt seinen Hut und schleicht sich von dannen. In Bad Kissingen läuft so ein Ereignis etwas anders ab. Mit einem “Nightmare over BK – Festival” beschließt der Verein zur Förderung von Jugendveranstaltungen

jacked.jpgDie zweite U&D-Winterkonzertreihe wird am 17. und 18. April fulminant beschlossen

Manch einer sagt zum Abschied leise “Servus”, nimmt seinen Hut und schleicht sich von dannen. In Bad Kissingen läuft so ein Ereignis etwas anders ab. Mit einem “Nightmare over BK – Festival” beschließt der Verein zur Förderung von Jugendveranstaltungen e.V. seine zweite winterliche Veranstaltungsreihe alles andere als still. Acht Bands an zwei Tagen: so lautet die geballte Quintessenz mit der die Verantwortlichen schon jetzt lieber auf das 14. Umsonst und Draußen am 26. und 27. Juni einstimmen wollen als wehmütig zurückzublicken.

Kurz vor dem Endspurt in Richtung Sommer-Event heißt es im Jugend- und Kulturzentrum noch einmal ordentlich zupacken. Sämtliche Kräfte werden am kommenden Wochenende erneut gebündelt, um den Gästen auf eine ganz besondere Art und Weise “Danke” für die vielen tollen Stunden in den vergangenen Monaten zu sagen. Denn die Musikfans der Region erhalten bereits jetzt eine kleine Vorschau auf das, was sie in wenigen Wochen auf drei Bühnen in bester Freiluft-Manier erleben können.

Mit den Bands “Path of Devastation” und “Jacked off shorts and loaded heads“, beide aus Bad Kissingen, “Rising Sunset” aus Bad Neustadt sowie “Yeah what the captain said” aus München geht es am Freitagabend in die erste Runde des “Musikmarathons”. Und der verspricht ausgesprochen hart daher zu kommen. Die Nüdlinger David, Wladimir Dan und Alex von “Path of Devastation” betreiben seit 2006 aggressiven Death-Metal “amerikanischer Prägung”. Dem in der Region gut bekannten Quartett um Sänger David, wird bereits in jungen Jahren attestiert, “Krach wie die Alten” zu machen. “Wir haben es hier mit tiefen Growls und Gitarren, feisten Screams, extrem groovigen Passagen, rhythmisch akzentuierten Riffs und allerhand Blastbeats zu tun”, lassen die routinierten Musiker wissen. Mit einer ordentlichen Portion “Brutalität und Durchschlagungskraft” hämmern sie sich in die Köpfe ihre Publikums, was ganz sicher bis zu ihrem Auftritt im kommenden Sommer anhalten wird. “Jacked off shorts and loaded heads”, die zweiten heimischen Gewächse im Bunde, stehen ihnen natürlich in nichts nach. Auch sie haben sich mit ihren düsteren Klangwelten über die Jahre eine feste Fangemeinde erspielt und überzeugen seit ihren Anfängen mit einer Musik “so wüst und verwirrend” wie eben auch ihr Name. “Chaos und Schönheit”, das scheinen ihre ambivalenten Pole, die sie schon in zwei Alben gekonnt zu vereinen suchten. Hopper, Nudel-Pete, Jacky, Whiteywhite und Mullu sind alles andere als bequem: “Rücksichtslos dreht sich die Spirale aus wirren Sounds und scheppernden Rhythmen durch die Hirnwindungen, droht dabei am lauten Schreien der Maschienen zu zerschellen.” Und dann ist sie plötzlich da: Stille. “Harter Stoff, für harte Leute”, das ist es, was sie am 17. April über die Bühne jagen werden.

“Wir sind geboren, um auf den großen Bühnen zu spielen!”

Vielleicht können Martin, Daniel, Simon und Julian von “Rising Sunset” diesen auffangen, sind sie doch mit obigen Akteuren bereits bestens bekannt. Seit 2007 treiben diese Jungs ihr Unwesen und versorgen ihre Fans auch an diesem Abend mit “melodischem Death Metal” und “allerlei Thrash- und Core-Bezügen”. Fehlen nur noch “Yeah what the captain said”. Diese “harten” Herren aus der bayerischen Landeshauptstadt bilden den Schlusspunkt des ersten Akts. Mit Songs wie “Hoist The Anchor” oder “Advertising Age” haben sie nicht nur in ihrer Heimat schon einen “unbeschreiblichen Hype” ausgelöst. Selbstbewusst sagen sie daher von sich selbst: “Wir sind geboren, um auf den großen Bühnen zu spielen!” Denn schon beim ersten Reinhören in ihre Debüt-EP “How do you sing when you drown?” wird klar: “Wenn du deinen Kopf in den Sand steckst, dann wird dir in den Arsch getreten, ohne dass du merkst wer es war.”

Derart durchgeschüttelt kann es dann auch schon in Runde zwei gehen. Ein teils weitgereistes Ensemble stellt sich am Samstagabend dem kritischen Hörer – und das ebenso brachial wie am Abend zuvor. Mit dabei sind die bekannte Band “Malm” aus Würzburg, “RMS” aus Hammelburg, “Kint” aus Berlin und letztlich “Kelebra” aus Bad Neustadt.

Boris, Holger, Jojo und Ali alias “Malm” können wohl getrost als die Größen der heimischen Szene bezeichnet werden. Ihr “Alt-Herren-Dampfwalzenrock” ist legendär und treibt die Fans in Scharen zu deren zahlreichen Auftritten. Dominiert von Alis “kehligem Schreigesang” entführen sie in eine Klangwelt der Extreme. Unbarmherzig peitschen sie auf ihr Publikum ein und verabreichen ihnen die “nötige Prise Wahnsinn”, die sie scheinbar zum Überleben brauchen. Zusammen mit “Kint” befinden sie sich gerade auf “Double Trouble Tour 2009″. Hier treffen sich dann nicht nur Black Sabbath, Queen und vielleicht auch Henry Rollins – nein, auch Slayer oder Karp kommen auf einen Abstecher vorbei. Seit etwa sieben Jahren ist das dreiköpfige Gespann aus der Hauptstadt schon unterwegs, um im Laufe der Zeit gemeinsam mit “High on fire“, “Made out of babies” oder auch “Mastodon” auf der Stage zu stehen. Ihr Noise Rock, den sie selbst als “Teenage Bollo Inferno” bezeichnen und bereits seit 2001 betreiben, ist eine Mischung aus “zähem, ranzigen Sludge, fiesem Grindcore, üblem Doom (…) und harter, stumpfer ‘Hinterher ist alles kaputt’-Klatsche”.

Eigenständige musikalische Süppchen

Ob es bei der nächsten Band etwas gnädiger zugeht? Wohl kaum: “Kelebra liefern uns ihre eigenen Interpretation von alternativem Rock/Metal a la System Of A Down, oder sleepingodslie (…) viele Einflüsse sind in den Songs zu finden, viele Stile werden ausprobiert. So kommt es auch, dass man oft nicht weiß, was uns im nächsten Song erwartet (..)”, urteilt etwa das EternityMagazin über sie. Doch der ein oder andere Überraschungseffekt hat schließlich noch keinem geschadet, wenn es darum geht ein so ganz eigenständiges musikalisches Süppchen zu kochen. Das Trio hat mit “Decay Inside” bereits ein “deftiges Debüt” vorzuweisen, das zwar mächtig hart ausfällt, aber dabei “niemals zu sehr aufs Gaspedal” tritt. Vielleicht helfen hier ja RMS ein wenig nach. Ismael, Raphael, David und Pascal, die sich in den Kellern der Musikinitiative Hammelburg e.V. niedergelassen haben, sind ebenfalls keine Unbekannten mehr. Seit nunmehr vier Jahren ziehen sie durch die Lande und lassen schon während ihrer ersten Klänge deutlich werden, worum es ihnen geht: Punkrock vom Feinsten. Für ihre im September 2008 erschienene Scheibe “Sounds of Resistance” haben sie bereits erstes großes Lob einfahren können. Und so schreien sie weiter “Ich habe einen Traum!” in die Welt hinaus.

Am Ende von zwei Tagen, an denen dem Publikum der Sound geradezu orkanartig um die Ohren fegen wird, bleibt festzuhalten. Die zweite U&D-Winterkonzertreihe, nimmt dieser Tage zwar wirklich ihren Hut. Doch der Abschied bis zum Sommer fällt alles andere als traurig aus. Los geht’s an beiden Tagen um 20.00 Uhr und das wird sich auch die Readers Edition nicht entgehen lassen…

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