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Heilbare Homosexualität? Ein Kommentar

Freitag, den 10. April 2009 um 15:08 Uhr von Martin Böcker

Der “6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge” soll vom 20. bis zum 24. Mai in Marburg stattfinden. Die hessischen Grünen und der Verband der Schwulen und Lesben üben heftige Kritik und bezeichnen die Veranstaltung als “Umpolungsseminar“. “Queere Gruppen” und andere möchten an einem Strang ziehen und sich mit “geeigneten Maßnahmen zur Wehr setzen”.

Die Veranstalter des Kongresses wenden sich mit christlich-seelsorgerlichen Motiven an Menschen, die unter ihrer Homosexualität leiden und diese Neigung verändern möchten. Ihnen wird vorgeworfen, wissenschaftlichen Anspruch lediglich vorzutäuschen, und solche “Probanden”, die ihre Homosexualität nicht aufgeben, fallen zu lassen. Dies habe in Einzelfällen zu Suizidgefährdung geführt.

Die Gegner des Kongresses sind bereits in der Vergangenheit gegen ähnliche Veranstaltungen vorgegangen. Neben öffentlichem Protest gegen die Veranstaltungen kam es auch zu gewalttätigen Ausschreitungen, beispielsweise gegen das Bremer “Christival” im Frühjahr 2008.

Kommentar

Inwiefern Homosexualität naturgegeben oder krankhaft, gut oder schlecht ist, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Es soll vielmehr um den Absolutheit bestimmter Meinungen gehen, die sowohl die eine, als auch die andere Streitpartei für sich beansprucht. Man sollte sich in diesem Streit an einer normativen Orientierung namens “Grundgesetz” richten, die die Meinungs- und Glaubensfreiheit garantiert.

Aus christlicher Sicht ist praktizierte Homosexualität eine Sünde. Man kann es sich schön reden, letztlich führt aber kein Weg an dieser Erkenntnis vorbei. Wenn nun ein praktizierender Christ homosexuell empfindet, dann ist es für einen anderen Christen im Sinne der Nächstenliebe einfach nur konsequent, ihm oder ihr Hilfe anzubieten. Es bedarf nur eines geringen Einfühlungsvermögens, diese einfache Logik nachzuvollziehen. Eindeutig schwieriger ist es jedoch aus nichtchristlicher Sicht, diese Logik für sich anzunehmen. Doch da sei wieder auf die garantierte Meinungs- und Glaubensfreiheit verwiesen.

Und in der Tat erscheint es widersprüchlich, wie die Vertreter des Kongresses betonen, dass gemäß der Gender-Wissenschaft Geschlecht und sexuelle Orientierung frei wählbar sein sollen, die Veränderung von Homo- zu Heterosexualität jedoch besorgniserregend sei. Viel schwerwiegender ist es jedoch, wenn von “queeren Gruppen” aus Marburg von “geeigneten Maßnahmen” und von “zur Wehr setzen” die Rede ist. Welche Signalwirkungen derartige Aufrufe haben, mussten “Christival”-Teilnehmer im Frühjahr 2008 am eigenen Leib erfahren. Indirekt zu Gewalt aufzurufen ist sicherlich kein Mittel, das der subjektiv empfundenen moralischen Überlegenheit gerecht wird. Ganz im Gegenteil.

Doch mit der moralischen Überlegenheit der Kongressveranstalter ist es auch nicht viel weiter her. In einem Schreiben zu den Diskussionen rund um den Kongress in Marburg ist von “Homoverbänden” die Rede. Eine Begriffskombination die in ihrem Wortlaut sicher nicht als respektvolle Bezeichnung dienen soll. Zudem ist die Aussage, Homosexualität berge gesundheitliche und psychische Risiken wie “AIDS, Geschlechtskrankheiten, Depression, Angst, Alkoholismus, Substanzsucht und Suizidgefährdung” und reduziere die Lebenserwartung um “zehn bis zwanzig Jahre” in etwa so ideologiefrei wie das Kommunistische Manifest. Von verständigungsorientiertem Diskurs kann hier weder auf der einen, noch auf der anderen Seite die Rede sein.

Aufruf

Wer darunter leidet, schwul oder lesbisch zu sein, soll sich die Therapiemöglichkeiten aussuchen, die seinem Weltbild am ehesten entsprechen. Dazu ist der Mensch als Person rational, moralisch und transzendent genug. Wer gegen eine Veranstaltung ist, weil diese einer anderen Ideologie folgt, der kann ruhig laut dagegen protestieren. Aber am besten wäre doch ein herrschaftsfreier Diskurs, oder?

Dieser Kommentar erscheint auch auf www.dasgespraech.de

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3 Reaktionen zu “Heilbare Homosexualität? Ein Kommentar”

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  1. Homo-Atheist

    am 12. April 2009 um 19:09 Uhr | Link | Kommentar melden

    Die Einleitung deines Kommentares lässt aber nichts anderes zu, als eben über den Unsinn von Therapien gegen Homosexualität zu sprechen. Dieser wissenschaftliche Vorwand ist untragbar für eine moderne Gesellschaft.

    Warum haben den Homosexuelle Probleme wegen ihres Schwulseins! Bestimmt nicht weil Sie vielleicht doch mal gerne mit Frauen…? Nein, Sie haben Probleme mit ihrer Sexualität, weil Sie gesellschaftliche Ächtung erfahren haben und somit negativ beeinflusst wurden. Gäbe es da nicht religiöse und andere Denkbarrieren, wäre das Schwulsein bestimmt nicht als therapierbar in einigen christlich-obstrusen Kreisen angesehen, sondern völlig normal!

    Also, Schluss mit der Diskriminierung von Homosexuellen. Es ist das normalste auf der Welt, wenn ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau liebt!

  2. Homo-Atheist

    am 12. April 2009 um 19:15 Uhr | Link | Kommentar melden

    ..und er Aufruf zum Schluss hat es wohl in sich! Es gibt keine Therapiemöglichkeiten - wer dennoch solche Anbietet, ist mit Scientology auf eine Stufe zu stellen!

    Therapie gegen Homosexualität - das ist mit Verlaub gesagt, der größte Blödsinn, den ich in diesem Jahr gelesen habe! Solche Artikel sollten entfernt werden, denn er trieft nur so vor Diskriminierung. Wer das nicht herausliest, dem ist nicht mehr zu helfen!

  3. Das Schwulenheilen muss man doch wenigstens versuchen dürfen! « Steven Milverton

    am 13. April 2009 um 12:05 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Das Schwulenheilen muss man doch wenigstens versuchen dürfen! Auf den ersten Blick scheint es ein versöhnlicher, einen Ausweg aufzeigender Kommentar zu sein, den Martin Böcker da auf ReadersEdition zu dem Schwulerheiler-Kongress in Marburg verfertigt hat und mit den Worten Aber am besten wäre doch ein herrschaftsfreier Diskurs, oder? […]

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