Besseres Satzverhältnis verhindert den Abstieg

SG Eschenbacher Eltmann nur Zehnter – Etat wird halbiert – Bauer nach Friedrichshafen Am Ende dieser unglücksseligen sechsten Bundesliga-Saison waren die Verantwortlichen der SG Eschenbacher Eltmann einfach nur noch froh, dass es vorüber war. Doch nicht nur die Verantwortlichen, auch die Fans. Die blieben nämlich gleich scharenweise weg, zu Saisonende

voler1.JPGSG Eschenbacher Eltmann nur Zehnter – Etat wird halbiert – Bauer nach Friedrichshafen

Am Ende dieser unglücksseligen sechsten Bundesliga-Saison waren die Verantwortlichen der SG Eschenbacher Eltmann einfach nur noch froh, dass es vorüber war. Doch nicht nur die Verantwortlichen, auch die Fans. Die blieben nämlich gleich scharenweise weg, zu Saisonende kamen kaum noch 500, um die SGE verlieren zu sehen. Dass die Eltmänner nicht nur das angestrebte Saisonziel “Platz sechs” meilenweit (um zwölf Punkte) und auch das Minimalziel Play-offs (vier Punkte) verpasst hatten, interessierte im Grunde schon gar nicht mehr.

“Als Achter wäre der Hauptrunde wären in den Play-offs nur zwei weitere Klatschen gefolgt, was hätte uns das noch gebracht”, sagte sich der SGE-Vorsitzende und GmbH-Geschäftsführer Peter Knieling. “Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist, ohne, dass was schlimmes passiert ist”, gab auch Trainer Mark Lebedew zu.

Und das hätte ganz leicht passieren können.

Am Ende rettete bei mageren 14:34 Punkten das gerade einmal um sechs Sätze bessere Satzverhältnis gegenüber dem allerdings insolventen und ohnehin keine Lizenz mehr beantragenden VC Leipzig den Wallburgstädtern den Klassenerhalt. Die Sachsen versuchen nun einen Neuanfang, ebenso wie Mitabsteiger TSV Giesen/Hildesheim. Der VC Olympia Berlin, als die Junioren-Nationalmannschaft ist ohnehin nur alle zwei Jahre im Oberhaus vertreten. Der TV Bühl (Meister 2. Liga Süd, erstmals in der Bundesliga) und RWE Rhein-Ruhr Volley (Meister 2.Liga Nord, Dritter Aufstieg für Bottrop nach 1998 und 2001) rücken dafür nach.

bort.JPGDass es nicht zum Allerschlimmsten kam, hatten die Unterfranken einem Spieler zu verdanken, der lange Zeit abgeschrieben war und mit entsprechender Miene durch die Saison lief. Erst gegen Spielzeitende feierte Zuspieler Huib den Boer, der zuvor dem insgesamt zu selten überzeugenden Australier Brett Alderman weichen musste, ein Comeback und hatte Gelegenheit, seine Bundesliga-Tauglichkeit eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Der Niederländer war es auch, der der SGE fast im Alleingang den Klassenerhalt sicherte. Im fünften Satz am 14. Februar beim VCO Olympia Berlin lagen die Unterfranken bereits mit 8:12 fast aussichtslos zurück, als Lebedew den Boer für den Aufschlag einwechselte. Mit seinen Flatteraufschlägen schaffte den Boer das Unmögliche, machte aus einem 8:12 ein 15:12. Dieser Sieg, der einzige unter den neuen Trainer Lebedew reichte schließlich, um die Klasse zu halten.

Dabei hatte die Saison eigentlich wunderbar angefangen.

Die Euphorie war groß und Eltmann am dritten Spieltag nach dem 3:1 gegen den späteren Vierten, die Netzhoppers Königs Wusterhausen gar Tabellenführer. Doch dem Aufstieg folgte Stück für Stück der Fall und der Bruch lässt sich sogar exakt terminieren. Am 2. November im dritten Satz im Auswärtsspiel beim TV Rottenburg begann das Chaos. Nach einer 2:0-Führung rutsche Timo Wilhelm, laut Saisonstatistik Eltmanns bester Annahmespieler, im dritten Satz auf dem Schweiß-nassen Hallenboden aus und schied verletzt aus. Die SGE wurde dadurch durcheinander gewirbelt, verlor den Faden und das quasi schon gewonnenen Match 2:3.

Ein Knacks, von dem sich die SGE nie mehr erholen konnte, auch nicht in einem anschließenden gemeinsamen Trainingslager mit der Nationalmannschaft von Katar. Es war die erste von sieben Niederlagen in Folge (darunter auch das knappe 0:3 in der Bamberger JAKO-Arena vor 3550 Zuschauern gegen Friedrichshafen), die die Verantwortlichen schließlich zu der Meinung brachten, ein Trainerwechsel sei unausweichlich. Und während Milan Maric noch dank Neuzugang Michi Mayer die ersten beiden Partien der Rückrunde gegen Leipzig und in Hildesheim gewann, wurde hinter seinem Rücken bereits Nachfolger Mark Lebedew aus Polen an den Main gelotst. Am 19. Januar endete nach neun Jahren unrühmlich die Ära Maric (er wurde dann Trainer beim Zweitligisten SV Schwaig), einen Tag später wurde sein australischer Nachfolger der erstaunten Mannschaft und Öffentlichkeit vorgestellt.

Einige Tage zuvor hatte sich schon der zu Saisonanfang bärenstarke finnische Mittelblocker Henri Tuomi frustriert nach Lettland verabschiedet. Zudem machten Gerüchte von große finanziellen Problemen der Volleyball-GmbH die Runde.

“Vielleicht war der Zeitpunkt für den Wechsel unglücklich”, gibt inzwischen auch Knieling zu, “die Saison wäre aber auch mit Milan nicht besser gelaufen. Spätestens zum Saisonende hätten wir uns sowieso getrennt.” Nach so langer Zeit sei es nötig gewesen, frischen Wind nach Eltmann zu bringen. “Da hatte sich vieles eingeschliffen und die Motivation war auch nicht mehr so da”, glaubte Knieling. “Teile der Mannschaft hat Milan nicht mehr erreicht.” Lebedew sei für Eltmann der richtige Coach – trotz einer ernüchternden Bilanz von nur einem Sieg bei zehn Niederlagen. “Das war aber nicht Marks Schuld, sondern das lag an den viele Verletzungen.”

In der Tat hatte der 41-jährige Australier einen denkbar schlechten Start.

Die Zahl der Verletzungen und Erkrankungen machte es sogar nötig, dass Bayernliga-Spieler wie Oliver Bauer und Lutz Gerling ihr Erstliga-Debüt gaben. Teilweise fehlten vier Stammspieler gleichzeitig. “So eine Saison habe ich auch noch nicht erlebt”, schüttelte Lebedew nur noch den Kopf. Nachdem Wilhelm im Februar operiert wurde – noch ist nicht sicher, ob er nach der schweren Hüft-OP wieder Leistungssport betreiben kann – und auch Kapitän Andras Geiger, mit 239 Punkte dennoch bester Eltmanner Scorer, und damit der komplette Außenangriff wochenlang ausfielen, wurden die 19- und 20jährigen René Bahlburg und Florian Tafelmayer ins kalte Wasser geworfen. Dass die Jungen, die auch für die kommenden Saison noch einen Vertrag in Eltmann haben, viel Spielpraxis bekamen, fand der Coach immerhin noch einen positiven Aspekt an der Misere. Bahlburg und Tafelmayer überraschten zwar positiv, doch um in der wohl stärksten Bundesliga aller Zeiten Bäume auszureißen, reichte das eben noch nicht. “Wir hatten in allen Spielen die Möglichkeit zu gewinnen”, bilanzierte der SGE-Trainer, “aber in den entscheidenden Momenten fehlten uns die Qualität und die Konstanz.”

Nun haben also die Planungen für die kommende Spielzeit begonnen, die Lizenz wurde bereits beantragt. Und da werden Eltmänner von vorne herein kleiner Brötchen backen müssen. Auch wenn Hauptsponsor Eschenbacher an Bord bleibt, “wir müssen den Etat von 400.000 auf 200.000 Euro halbieren”, sagt Geschäftsführer Knieling. Drei Spieler werden den Klub mit Sicherheit verlassen: Nationalspieler Lukas Bauer wechselt zum deutschen Dauermeister VfB Friedrichshafen, Libero Phill deSalvo möchte ein Jahr pausieren und Mittelblocker Christian Nowak wird wohl aus beruflichen Gründen den Spitzensport aufgeben. Neben Bahlburg und Tafelmayer haben Diagonalangreifer Falko Steinke und Coach Lebedew einen weiter laufenden Vertrag. Mit allen anderen Spielern laufen die Gespräche noch.

“Klar ist, dass sich in der kommenden Saison einiges ändern muss”, sagt Knieling. Nicht nur, dass die Mannschaft ein anderes Gesicht haben wird. “Wir sprechen derzeit mit Spielern, die bereit sind zu unseren veränderten Konditionen nach Eltmann zu kommen.” Dabei wird die SGE von der Sportmaketing-Agentur Sports Living um Patrick Loos unterstützt. Loos soll aber noch mehr tun, als den Spielermarkt zu sichten und Sponsoren zu aquirieren. Er soll Eltmann eine funktionierende Struktur verpassen. “Zu viel Arbeit ist auf zu wenige Schultern verteilt”, weiß Knieling, “da ist auch in diesem Jahr zu viel schief gelaufen.” Zumal auch Nachwuchstrainer Tado Lehmann aus Solidarität zu Maric sein Engagement in Eltmann beendete, zudem traten Pressereferent, Hallensprecher und zu Saisonende noch Team-Manager Bernhard Wegmann zurück. Der am 30. Juni auslaufende Vertrag mit Berater Bernd Hummernbrum wird nicht verlängert, “obwohl Bernd gute Arbeit geleistet hat”, sagt Knieling.
Verabschiedet sich Eltmann damit auch von Hummernbrums beim Amtsantritt vollmundig gemachte Ankündigung Eltmann bis 2012 ins Endspiel der deutschen Meisterschaft zu bringen und die kleinste Volleyball-Stadt Deutschlands “zum kleinsten Volleyball-Standort Europas” zu machen? “Wir verschieben unsere Ziele erst mal um ein Jahr”, sagt Knieling, “nächste Saison heißt es in erster Linie die Klasse zu halten und wenn möglich die Play-offs zu erreichen.”

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