Während Liebe im Internet für viele Online-Veteranen kein Schockpotenzial mehr besitzt, holen einige Bevölkerungsteile, die bisher nicht an der Online-Revolution teilgenommen haben, jetzt auf, wenn es darum geht, die Vor- und Nachteile der Cyber-Liebe auszuloten. Drei Musikvideos mit Liedern von peruanischen Folklore-Sängern zeigen deren Sicht aus den Anden auf die neue Art und Weise, einen Partner zu finden und sich zu binden.
Wir wurden durch Amazilia Alba vom Blog Botella al mar [es] und ihren Artikel Cyber-Liebe [es] auf diese Videos aufmerksam. In ihrem Artikel erzählt sie über den kulturellen Hintergrund zu diesem Phänomen. Aufgrund der Krise in der Landwirtschaft ziehen viele junge Menschen auf der Suchen nach Arbeit und besseren Chancen in größere Städte. Das und die steigende Anzahl Internetcafés in vielen Städten bringt regional unterschiedliche Ureinwohnergemeinden miteinander in Kontakt und führt zu einer Überwindung der Isolation, in der sich ländliche Gemeinden befanden. Sie fasst zusammen, wie diese Lieder zeigen, dass sich die Bevölkerung in den Anden der Vor- und Nachteile der “Internetliebe” wohl bewusst ist.
Als erstes Lied wählt sie das Huaylarsh, eine Art Huayño [en] (ein traditioneller und weit verbreiteter Tanz in der Anden-Region) mit dem Titel Internet-Liebe:
“Wir verdanken dieses Huaylarsh von Estrellita de Huayllar (Edith Mayta) aus Huayllar, Angaraes, Huancavelica einem Kommentar auf UTdeM. Es zeichnet sich durch eine positive und verspielte Vision über die Möglichkeiten des Online-Flirts aus.”
Der Text lautet in etwa:
“Wie geht’s dir, kleine Freundin, ich hätte gerne deine E-Mail-Adresse. Ach komm, meine hübsche Freundin, ich möchte dich näher kennenlernen.
Sieh, wie verliebt ich bin, nur durch die Internetliebe. Ich denke, dass ich sehr verliebt bin, erwidere meine Liebe über das Internet.”
Das nächste Video zeigt, was Amazilia als den Sommerhit bezeichnet, und sie wählt eine der vielen verschiedenen Versionen, die sie wegen des guten Tanzes darin für eine bessere hält. Aus dem Hochland von Cuzco, bringen uns Mariposita de Espinar (Vilma Chavez) und die Carnavaleros des Südens Cybernetic Love, eine weitaus abgebrühtere Sicht auf die Liebe in Zeiten des Internets:
Der Text lautet:
“Warum willst du meine Telefonnummer wissen? Warum willst du meine E-Mail-Adresse? Du bist sicherlich ein Player, aber gegen mich wirst du verlieren. Du wirst es nicht per Handy schaffen und auch nicht über das Internet.”
Eine männliche Stimme besteht dann darauf, dass er die Nummer haben und sich treffen will, außerdem will er die E-Mail-Adresse, um sich zu unterhalten und in Kontakt zu bleiben. Darauf antworten die Mädchen im Chor: Cyber-Liebe? Mit mir, niemals! Hau ab, hochnäsiger Cholito.
Das nächste Video ist eine seltsame Mischung: Nach einer langen Präsentation, die die zahlreichen Eigenschaften des Sängers, des Songwriters und der Band aufzählt, und neben Grüßen an Familienmitglieder, Grüße an das Publikum und an Orte überall in Perú, singen The Sweet Party Girl of Espinar und die Rays of Love Jhony Milagros Lied “Internet Love”, in dem die Möglichkeit der Online-Romanze abgelehnt wird, da jemand, der sie wirklich liebte, nach ihr suchen würde, bis er sie in Fleisch und Blut gefunden hätte:
“Ich möchte mich nicht in einen Internet-Liebhaber verlieben. Sie sind Illusion, Fantasie, Launen: sie werden mich nur zum Weinen bringen.
Ich suche nach einem Geliebten, der mich so liebt, wie ich ihn. Wenn du mich aus tiefster Seele liebst, werde ich dich bis in den Tod lieben.
Wenn du mich erobern willst, wirst du es nicht über das Internet schaffen. Wenn du mich wirklich liebst, wirst du nach mir suchen, bis du mich gefunden hast.”
Die Liebe im Internet ist nicht das einzige moderne Thema, mit dem sich die Lieder beschäftigen. Amazilia hat außerdem einen anderen Artikel verfasst, indem sie zwei weitere Videos vorstellt, dieses Mal sind beide auf Quechua, über Handys in der Anden-Kultur.
Photo Quelle/Copyright. Huayno Peruano von Otra Vez me Hice Mujer
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Tina Seidenberger, Teil des “Project Lingua”. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.
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