“Das macht Lust auf mehr!”

Mit einem “Nightmare over BK – Festival” wurde die zweite U&D-Winterkonzertreihe erfolgreich beschlossen Die Ankündigung ließ bereits erahnen, dass es am Wochenende des 17. und 18. April im Bad Kissinger Jugend- und Kulturzentrum nicht mit Samthandschuhen zugehen würde. Denn “Metal und Hardcore” ward als musikalisches Thema auserkoren. Acht Bands aus

malm.JPGMit einem “Nightmare over BK – Festival” wurde die zweite U&D-Winterkonzertreihe erfolgreich beschlossen

Die Ankündigung ließ bereits erahnen, dass es am Wochenende des 17. und 18. April im Bad Kissinger Jugend- und Kulturzentrum nicht mit Samthandschuhen zugehen würde. Denn “Metal und Hardcore” ward als musikalisches Thema auserkoren. Acht Bands aus der Region, samt einiger Gäste von München bis Berlin, hatten sich angesagt, um die zweite Winterkonzertreihe des Vereins zur Förderung von Jugendveranstaltungen e.V. mit mächtigen Soundwänden zu verabschieden.

Zugegeben, Freunde von Mozarts “Kleiner Nachtmusik” oder Eichendorffs “Marmorbild” kamen binnen der zweitägigen Veranstaltung weniger auf ihre Kosten. Zeitgenossen, die es allerdings weniger romantisch, aber mindestens genauso düster mögen, waren im Bad Kissinger JuKuz genau richtig. Das Publikum, das an diesen letzten beiden Abenden der U&D-Winterkonzertreihe den großen Saal bevölkerte, zeigte sich jedoch weder völlig in Schwarz gehüllt, noch konsequent einer Szene zugehörig. Schon auf den ersten Blick wurde offenbar: Hier ging es ausgesprochen bunt zu. Die Aufforderung, die David, Frontmann von “Path of Devastation“, in die Runde warf, wurde Programm: “Die Leute sind hier wegen der Musik, nicht um sich zu prügeln”, schrie er seinen Anhängern entgegen. Sie gehorchten ihm aufs Wort. Was folgte, war eine nahezu homogene Mischung aus regionalen und überregionalen Metal- und Hardcorebands, die durchsetzt mit einer Punk- sowie einer exotisch anmutenden Noise-Rock-Einlage, zu einer harten, aber ausgesprochen herzlichen Angelegenheit für alle Beteiligten wurde. Das Ergebnis: Rund 450 Zuschauer jeden Alters und nahezu jeglicher Couleur feierten zwei Tage lang eine große, aber vor allem friedliche Party.

“Confused with Style”

jacky1.JPGDen ersten Part des “U&D-Abschiedsgeschenks” übernahmen “Jacked off shorts and loaded heads” aus Bad Kissingen. Die “düsteren Klangwelten” des privat recht fröhlich daher kommenden Quintetts läuteten den Musikmarathon ein. Die Position als “Opener” meisterten Hopper, Nudel-Pete, Jacky, Whiteywhite und Mullu mit Bravour, boten sie doch “harten Stoff für harte Leute”, der die Erde schon zu Beginn des “Nightmares” zum Beben zu bringen vermochte. Die Gewinner des MainPop Junior Awards 2005 reisten, zwischen Death Metal und Progressive-Rock taumelnd, gemeinsam mit ihrem Publikum in eine völlig andere Welt. Die Gitarren flogen und ihrem Image “die wildesten Boys von Bad Kissingen zu sein” wurden sie mit Songs wie “Epileptic” oder “Level Neurotica” allemal gerecht. Schon jetzt lag Schweiß in der Luft und durch ihr Band-Motto “Confused with Style” inspiriert, betraten “Rising Sunset” aus Bad Neustadt die Stage.
rising.JPGMartin, Daniel, Simon und Julian überzeugten nicht nur mit Titeln wie “We don’t look back” oder “Move”, sondern erwiesen sich auch als wahrhafte Entertainer. Die Mär um ihre Herkunft, die mal in Berlin, dann wieder in Helsinki angesiedelt wurde, brachte die nun immer zahlreicher herein strömenden Gäste ein ums andere Mal zum Schmunzeln.

“Ich will Eure Energie”, forderte Sänger Martin auf, hüpfte ins Publikum und weiter ging der wilde Ritt, auf den “Path of Devastation” zunächst aufsprangen, um sich anschließend sofort tief unten auf dem Boden der Bühne zu wälzen.
path.JPGDas aggressive Death-Metal-Quartett aus Nüdlingen hämmerte sich mit ordentlich Durchschlagungskraft in die Köpfe seiner Zuhörer. Angetrieben durch Davids dämonisch anmutende Stimme, die mal von “The End Of Eradication”, dann wieder von “Life”, übrigens ein brandneues Stück, erzählte, lieferten sie eine beeindruckende Interaktion mit dem Publikum ab. Ihr Appell “Respektiert Euch einfach!” verbunden mit dem Befehl “Ich will alle in Bewegung sehen!” riss ebenso mit wie Special Guest Nico, Sänger von “Altarea“, der pünktlich zu “Rage of wire” dazu geholt wurde. “Yeah what the captain said” aus München bildeten zu später Stunde den Schlusspunkt des ersten Akts. “Wir machen fröhlichen Metal”, gaben diese harten Herren zu Protokoll und das obwohl ihre Botschaft “I love scream” lautete. Mit “Advertising Age”, “Explore the Ocean” oder “Son of Poseidon” boten diese Vier gut gemachten “Hardcore im Holzfällerhemd”.

Die geballte Energie setzt sich fort

yeah.JPGWer nun allerdings glaubt, diese vier Formationen hätten die Kissinger Musikfreunde geschafft, der irrt. Nach kurzer Erholungsphase stand Part II, der ganz zur Freude der Anwesenden mit dem legendären hausgemachten Chilli con Carne eingeläutet wurde, auf dem Programm. Derart gestärkt ging es sogleich mit “Ich habe einen Traum” und der Truppe “RMS” aus Hammelburg los. Ismael, Raphael, David und Pascal steuerten, aus den Kellern der Musikinitiative kommend, den Punkrock-Anteil zum Spektakel bei. Ausgestattet mit etwas älteren, aber auch brandneuen Songs ging es auf ein Neues hinein ins Vergnügen – und das teils hochakrobatisch.

RMS.JPGZwar kein mexikanisches, aber ein immerhin ebenso “eigenständiges Süppchen” boten “Kelebra” aus Mellrichstadt als zweiten Gang des Abends. Wirkten sie im Backstage-Bereich noch eher handzahm, wurde ihr Gebaren nun umso härter. Zu “Valley of the Dead”, “H8″ und “Don’t break my suicide” begannen die Köpfe der Gäste zu kreisen, um im Folgenden zwischen kurzen, ruhigen Momenten und den wilden Schreien des Sängers hin und her gerissen zu werden. Es stand fest: die geballte Energie des vergangenen Tags konnte sich fortsetzen. Die Akteure standen abermals im Schweiße. Die Bässe knallten, atemberaubende Drumläufe faszinierten und tiefergreifende Stimmen durchzogen den Raum. “Ohne Euch wäre die Welt scheisse!”, zeigte sich Sänger Chris überzeugt. Die Masse vor ihm dankte es mit lautstarker Begleitung.

keleb.JPGZeit, neue Perspektiven aufzuzeigen: So in etwa könnte die Mission des Berliner Trios “Kint” bezeichnet werden. Gemeinsam mit der Würzburger Truppe “Malm“, mit denen sie bereits 2008 “Split 7”” aufgenommen haben, beendeten sie im JuKuz ihre “Double Trouble Tour 2009″ und schafften es auf Anhieb viele fragende Blicke auf sich zu ziehen. Was passiert, wenn drei Typen die Bühne betreten, sich in blau-silberne Raumanzüge werfen und zwischen englischen und deutschen Texten wechselnd ihre so ganz eigene spielerisch-musikalische Auffassung zelebrieren, das konnte kurz vor Ende des Festivals live und in Farbe erlebt werden. Ihr Noise-Rock, den sie gerne auch mal als “Teenage Bollo Inferno” bezeichnen und derzeit die Krönung in ihrem neuen Album “Im Elvisschacht” erfährt, ließ die Münder offen stehen.
kint.JPGAngefangen bei “Kampfstern Klaus” zogen sie weiter zum “Krüppelsprung”, um letztlich festzustellen: “I will feel this pain for the rest of my life”. Ali, Frontmann von “Malm” ließ sich das allerdings auch nicht zweimal sagen. Der Höhepunkt des “Nightmare over BK – Festivals” nahm seinen Anfang. Wild und entschlossen trieb es ihn quer durch die Menge, um gemeinsam mit seinen Bandkollegen völlig unbarmherzig auf diese einzudreschen. Schreien, spucken, schwitzen – der Wahnsinn hielt Einzug und verpasste den tobenden Zuhörern sogleich den höchsten Spaßfaktor der vergangenen zwei Tage. Von der ersten Sekunde an zelebrierten sie die “Revolution” mit jeder Faser ihrer Körper – bis zur völligen Erschöpfung. “Niemals werden wir ganz still sein”, riefen sie am Ende in einen immer noch atemberaubend pulsierenden Raum.

“Es war laut, aber geil.”

Ob ihre Vorhersage zutrifft, wird sich weisen. Jung und Alt waren jedenfalls restlos begeistert. “Macht’s nochmal”, forderten sie die Verantwortlichen des Vereins auf. Begeistert zeigten sie sich von der dargebotenen Mischung, die nicht nur die Akteure auf, sondern auch vor der Bühne richtig fertig gemacht zu haben schien. Zu guter Letzt konnten auch die beiden Vorsitzenden Ralf Stierstorfer sowie Tobias Schneider ein durchwegs positives Resümee ziehen. “Wir sind mit dem Ablauf vollends zufrieden und freuen uns über einen so gelungenen Saisonabschluss”, erklärte Stierstorfer noch zu später Stunde. Das mache Lust auf mehr, ist er sich sicher und brachte das Festival mit “Es war laut, aber geil” auf den Punkt. Das gesamte Team sei hoch erfreut über den für diese Gästezahl absolut friedlichen Verlauf. Es war “harmonisch, trotz harter Musik”, betont der Vorsitzende nachdrücklich, was auch sein Kompagnon, Tobias Schneider vollends unterschreiben konnte.
fans.JPG“Die Konzertreihe war wiederholt ein voller Erfolg”, freute er sich über den guten Zuspruch, den die knapp 1700 Musikfreunde der Region ihnen in der gesamten zweiten Auflage entgegengebracht hätten. Mehr als 30 Bands aus völlig unterschiedlichen Genres konnten in insgesamt acht Konzerten präsentiert werden. Und so galt sein Dank nicht nur den engagierten Musikern, dem tollen Publikum und der städtischen Jugendarbeit, sondern vor allem auch den zahlreichen Helfern, die allesamt ehrenamtlich für einen reibungslosen Ablauf sorgten.

“Dieses jugendkulturelle Angebot ist sehr wichtig für unsere Stadt”, gab er zu verstehen, “und die Besucherzahlen bestätigen, dass dies auch gebraucht wird.” Erstmals sei es dem Team heuer gelungen, ein ausgesprochen breites Publikum von 16 bis 60, vom Jugendlichen bis hin zum Kurgast anzusprechen. Die Kissinger könnten sich deshalb schon jetzt auf die nächste Reihe, die im kommenden Oktober starten wird, freuen. Doch nun gebe es erst einmal ein Wiedersehen auf dem Umsonst und Draußen am 26. und 27. Juni.

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