Berliner Sommer 1945
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Hielt ein kleines Kind im Arm,
Sang so schön und schlug die Augen
Und mit seiner hellen Stimme
Lenkte es mein Herz zum Himmel.
Vögel flogen überm See
Als ich es zu Mittag wiegte
Und die Sonne hielt die Wacht,
Gab auf meinen Kleinen Acht
Ging hinweg und kam nicht wieder,
In der Hand die gelbe Blume
Und ich seh` noch wie er winkt
Lächelnd in die Erde sinkt.
Klaus Grunenberg
Kritik
Die Lyrik versucht ja meist etwas zu zeigen, Wirkliches oder Erdachtes. Das Gedicht scheint mir der Wirklichkeit ziemlich nahe zu kommen, sind doch Gebilde dieser Art, also Texte oftmals einer Therapie unterzogen. Der Autor möchte uns etwas aus seinem Leben mitteilen.
Es war im Sommer 1945 in Berlin (nicht in Schöneberg, im Monat Mai) und es roch auch nicht nach Flieder oder irgendwie nach Sommer, sondern über der ganzen Stadt lag ein leichter Rauchgeruch. Wir können es ahnen, woher der Geruch kam, denn die Stadt hatte manches erlebt in dieser Zeit, was dem Ende eines mörderischen Krieges zuzuschreiben ist. Und inmitten dieser Not passiert etwas, das besonders fokussiert wird, der Tod eines kleinen Kindes. Starb es wegen einer Krankheit, aus Hungersnot heraus, aus Erkältung, wir wissen es nicht, nur der Dichter wahrscheinlich.
Und die Geschichte hat bestimmt noch eine Vorgeschichte, die ebenfalls erzählenswert wäre, wollen es hoffen.
Ja, so etwas kann man zu Papier bringen.
Ed Moercke
Ich meine, etwas ähnliches schon einmal gelesen oder gehört zu haben, bei Friederike Mayröcker vielleicht, werde noch mal nachschlagen müssen. Auf jeden Fall sollte man nicht zu sehr die Tränendrüsen bemühen, obwohl, das kann man auch mitunter tun, es ist legitim sozusagen.
Es muss ja nicht immer nur das ganz Moderne in der Lyrik erscheinen, jede Gedichtform ist annehmbar, wenn sie nur ehrlich gemeint ist. Dass die ersten Zeilenpaare jeweils ungereimt sind, die beiden letzten je gereimt oder zumindest angehend gereimt, ist nicht ganz ohne Charme, meine ich.
Mark Beil-Ritzi
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