Readers Edition führt sie bezeichnender Weise gleich im Titel: Den (die) Leser. Sie sind aus gutem Grunde auch als solche angesprochen, darüberhinaus aber gleichermaßen aufgerufen – so dass interessante Konzept – als Autoren ihre Meinung zu diesem oder jenem, die Welt oder sie selbst Bewegendem aufzuschreiben, zu veröffentlichen. Wie erfreulich fleißig sie dies tun, dabei eine große Themen-Bandbreite nicht selten in beeindruckender Qualität abdeckend, daß wird hier an dieser Stelle tagtäglich, stündlich – ja: mitunter im Minutentakt – unter Beweis gestellt. Immer neue Beitrage erscheinen und machen Lust darauf, sich mit ihnen zu beschäftigen. Die Artikel gestatten Einblicke in unterschiedlichen Lebenswelten, tun Meinungen kund und erweitern auf die eine oder andere Weise den Horizont der Rezipienten, oder rufen zuweilen durchaus erheblichen Widerspruch oder lobende Zustimmung – wie auch immer – hervor, die sich in Kommentaren zu den Texten der Autorrinnen und Autoren ausdrücken. Und sind so möglicherweise wiederum Anlaß gebend zu neuen Beiträgen auf Readers Edition, bzw. regen Leserinnen und Leser immerhin dazu an, sich mit dem einen oder anderen Thema einmal etwas näher zu beschäftigen.
23. April: Welttag des Buches
Dabei kann dem modernen Internetmedium RE nicht hoch genug angerechnet werden, dass es ein vergleichsweise altes Medium, wie das Buch, nicht etwa links liegen und somit außen vor läßt. Immer wieder erscheinen bekanntlich an dieser Stelle Leseinteresse wecken sollende Buch-Rezensionen, spielt Literatur in ihren so verschiedenen Facetten und Genres eine nicht geringe Rolle, auf welche in RE-Beiträgen hingewiesen wird. Heute sind die Leserinnen und Leser, die Freunde einer Welt der Bücher wieder einmal in ganz besonderer Weise angesprochen. Am heutigen 23. April – wie jedes Jahr zu diesem Datum - steht der “Welttag des Buches” auf der Tagesordnung. In Katalonien wird genau dann, am Namenstag des Volksheiligen St. Georg, einem schönen Brauch gehuldigt: Man verschenkt Rosen und Bücher. Zu dem fallen zwei literarische Jubiläen auf den den 23. April: Die Todestage von William Shakespeare wie von Cervantes. Es war die UNESCO, die sich davon inspiriert fühlte und in Folge dessen zum ersten Mal am 23. April 1995 einen “Welttag des Buches” (World Book and Copyright Day) ausrief.
Lesen hilft uns Erkennen
Heute finden weltweit Veranstaltungen statt, bei denen es um Bücher und Literatur geht. Auch hier bei uns in Deutschland gibt es 2009 wieder eine Vielzahl davon. Allein in über 3500 Buchhandlungen, Verlagen und Schulen Deutschlands waren Bücherparties, literarische Schnitzeljagden, Lesungen und Märchenstunden geplant. Natürlich möchte die UNESCO so zum Lesen anregen und Werbung für das Medium Buch machen. Literaturinteressierte von Kindesbeinen an müssen diesbezüglich gewiß nicht animiert werden. Wer in dieser Hinsicht einmal Feuer gefangen hat, wird mit Sicherheit ein Leben lang immer wieder aufs Neue mit großer Begierde und Neugier in die Welt der Bücher eintauchen wollen. Das Universum der Literatur ist es, welches nachgerade wundersam vor unserem geistigen Auge Stück für Stück, Buch für Buch, eine Welt für sich zu enthüllen, herbei zu zaubern, vermag, welche uns von Mal zu Mal abermals erneut die vertrackten aber auch schönen Seiten unseres Erdendaseins vor Augen führt. Nie genügend und keinesfalls erschöpfend-endgültig freilich: Immer wieder müssen wir jedoch erkennen, dass wir im Grunde nichts wissen und ewig Suchende bleiben. Nichtsdestotrotz: Angesichts unseres In-die-Welt-Geworfenseins können wir gar nicht anders, als mehr über uns er erfahren zu wollen. Elementare Fragen treiben uns: Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Lesen bringt uns diesen Fragen ein Stückchen näher. Immer wieder.
Zeit zum Lesen
“Welttag des Buches” – Schön, dass es so etwas gibt! Wem Lesen ein Bedürfnis geworden ist, der benötigt Animationen dieser Art kaum. Wenn ich doch nur könnte, wie ich wollte und die Zeit dafür hätte! Über fünf Bücher liegen allein bei mir zuhause, sozusagen auf Halde, warten darauf gelesen zu werden. Um nur einige zu nennen: “Rummelplatz” von Werner Bräunig, “Terrorist” von John Updike, und zwei “Sloterdijks” (“Kritik der zynischen Vernunft”, “Gottes Eifer”), Bücher eines deutschen Philosophen, der m. E. einen Draht zu unserer Zeit hat und dass in seinen Werken auch verständlich vermitteln kann, weshalb er seinen Lesern auch einen Weg durch den Dschungel unserer Zeit weisen kann, so sie sie bereit sind, sich ihm ein Stück weit anzuvertrauen. Dazwischen verschnaufe ich ein wenig bei John le Carré (“Single&Single”). Daneben steht Satire pur auf der Agenda: der neue “Eulenspiegel” kam dieser Tage herein. Allein – ich erwähnte es schon: mir fehlt es an Zeit. Zum Lesen.
Jeder Vierte in unserem Land liest keine Bücher!
Doch Licht ist nicht ohne Schatten denkbar: Jeder Vierte in Deutschland – so informiert eine neue Studie der Stiftung Lesen – liest keine Bücher! Diese düstere Realität wird allerdings nun keineswegs wesentlich dadurch aufgehellt, dass die Zahl der Vielleser – 16 Prozent der Befragten gaben an, täglich zu lesen – erfreulich angestiegen ist und sich 24 Prozent der deutschen Bevölkerung als Freunde des Lesens outen. Erschreckende 45 Prozent der 14- bis 19-Jährigen, so die Studie, gaben nämlich an, als Kind nie ein Buch geschenkt bekommen zu haben! Hier sind die Erwachsenen, in erster Linie die Eltern gefragt, ja: sogar dringend aufgefordert, diese Zahl nach unten zu drücken! Was sicher leichter gesagt als getan ist. Schließlich dürften bei den Kindern und Jugendlichen (hauptsächlich bei Jungen) einerseits Videospiele, die Playstation, der Computer und andere elektronische Medien um ein Vielfaches höher im Kurs als Bücher stehen. Sie gelten wohl kaum als sonderlich cool. Andererseits fallen auch immer weniger Eltern als besonders passionierte Leser auf. Es steht zu befürchten, dass es hierzulande mehr bücherlose Haushalte gibt, als man gemeinhin ahnt. Wer aber wenig oder gar nicht liest, weiß man, schreibt auch entsprechend schlechter. Man werfe nur einmal ein Blick in Internetforen oder auch so manches Schreibheft: da finden sich Wortgebilde – da bekommt das Grauen ein Gesicht!
Werben für die Welt der Bücher. Heute ist Gelegenheit und reichlich Anlaß dazu. Der 23. April ist der “Welttag des Buches”. Auch die 3sat-Kulturzeit beschäftigt sich in ihrer heutigen TV-Sendung um 19.20 Uhr mit dem Thema Buch. Unter anderem geht es um die Frage “Wem gehört das Buch?”. Geplant ist auch ein Hörfunktipp: Stefan Georg Troller.
Photo/Quelle: wuestenfux via Pixelio.de
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