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Wirtschaft + Internetkultur

Medienlese folgt Zoomer: Das nächste Prestigeobjekt macht dicht

Freitag, den 24. April 2009 um 16:21 Uhr von nicole oppelt
Aller Wahrscheinlichkeit nach bald Geschichte - medienlese.com. Photo: Screenshot

Was für die einen der schönste der Tag der Woche, ist für andere ein rabenschwarzer Freitag. Erst vor gut acht Wochen hat sich die Internetgemeinde schweren Herzens von Zoomer.de verabschiedet. Am 28. Februar dieses Jahres ging das unter Herausgeber Ulrich Wickert agierende Nachrichtenportal für junge Leute offline (wir berichteten). Das ambitionierte Projekt ging ob der derzeitigen Medienkrise in die Knie. Nun folgt ihm medienlese.com nach.

Exakt um 14.28 Uhr am heutigen Nachmittag verkündet Blogwerk-Gründer, Dr. Peter Hogenkamp die traurige Nachricht. Blogwerk, wozu unter anderem auch netzwertig.com gehört, stellt den bekannten Medienblog, dessen Leseempfehlungen “6 vor 9” sich großer Beliebtheit erfreuen, ein. Am 30. April, also schon in der kommenden Woche, gehen auch hier die Lichter aus. Grund sei die wirtschaftliche Entwicklung, die dem Unternehmen “kaum eine andere Wahl” gelassen habe.

Ein Prestigeobjekt - doch zu verdienen gab es hier wenig

Nicht einmal drei Jahre ist die Medienlese damit online gewesen. Seit ihrem erscheinen am 2. August 2006, so berichtet Hogenkamp weiter, seien rund 2200 Artikel veröffentlicht worden, und auch in den Blogcharts hielte man sich aktuell sehr gut - immerhin auf Rang 20. “Wir haben immer gewusst, dass medienlese.com zu einem guten Teil ein Prestigeobjekt ist, und dass man mit einem Medienblog, das kein Branchendienst sein konnte und wollte, nicht viel Geld verdienen konnte. Wir haben es uns trotzdem gern geleistet. Leider geht das nun nicht mehr”, erklärt er im Folgenden die Entscheidung, statt an mehreren Ecken lieber nur hier einen “drastischen” Schritt durchzuführen.

Besonders pikant, das gibt der Autor auch gerne zu: “Ich finde es natürlich besonders unangenehm, dass medienlese.com oft die Entlassungswellen der grossen Verlage kommentiert hat, und wir nun selbst eine solche vornehmen müssen.” Die Hoffnung stirbt allerdings auch hier zuletzt. Verhandlungen mit Interessenten würden bereits laufen. Das Ende der Seite muss bis dato jedoch als die “wahrscheinlichste Option” betrachtet werden.

Die Grenzen des Bloggings

Bereits wenige Minuten nach dem Erscheinen des Eintrags wurden die ersten Kommentatoren aktiv. Zum größten Teil drücken sie natürlich ihr Bedauern zu diesem Entschluss aus. Doch auch Enttäuschung macht sich breit. Für einige sei dies sogar ein Hinweis auf “Möglichkeiten, wie Grenzen des Bloggings die sich jedem Blogger derzeit wohl offenbaren”. “Lasst uns beweisen, dass es nicht nur Social Media gibt sondern wir auch social denken, um Media zu retten”, appelliert dagegen massenpublikum.de an seine Leser und fordert diese zum Spenden auf. Doreen, Kommentatorin auf basicthinking.de kann der ganzen Sache dennoch etwas Positives abgewinnen. Sie meint: “Naja, aber so kommt wenigstens frischer Wind in die deutsche Blogosphäre. Wenn alle Blogger so weitermachen, wie bisher, wird es doch auf dauer auch irgendwann langweilig mit dem Lesen der Artikel. Mit einem neuen Betreiber kommen dann wenigstens neue Ideen und Vorangehensweisen in den Blog hinein! Blogübernahmen müssen ja nicht immer schlecht sein :)”

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Eine Reaktion zu “Medienlese folgt Zoomer: Das nächste Prestigeobjekt macht dicht”

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  1. Jan van Winried

    am 24. April 2009 um 16:42 Uhr | Link | Kommentar melden

    Hier findet eine stille Marktbereinigung statt. Gewinner sollen die etablierten Verlage sein, denen langsam das Geld ausgeht.

    Die Auflagen für Webseitenbetreiber werden immer vielfältiger und damit auch immer undurchschaubarer. Immer mehr Gesetze greifen ineinander über, um das Netzgeschehen zu regulieren. Es geht um die Meinungsführerschaft der Leitmedien, deren postulierte Erkenntnisse häufig im krassen Widerspruch zu den Recherchen und Kommentaren freier Internetmedien stehen. Der Staat sieht sein Meinungsmonopol gefährdet und stellt überall Haftungsfallen auf. Von der inhaltlichen Prüfpflicht über das Urheberrecht, bis hin zum Telemediengesetz und dem UWG. Das “Aus” für Webseitenbetreiber lauert an jeder Ecke.

    Mit der verdeckten Internetzensur unter dem Aufhänger Kinderpornografie kann es sich eigentlich kein Surfer mehr leisten, ein bis dato unbekanntes Internetangebot anzuklicken. Irgendwo könnte das Stoppschild lauern und damit ein Eintrag in die BKA-Logdatei. Als Gewinner können nur die großen kapitalstarken Unternehmen hervorgehen, die über große Medienkampagnen die Unbedenklichkeit ihrer Inhalte kommunizieren können.

    Schöne alte Welt - in drei bis fünf Jahren wird das Internetangebot etwa genau so spannend sein, wie das nicht-virtuelle Treiben der Unternehmen. Dafür brauche ich dann allerdings keinen Netzzugang mehr …

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