Bekanntlich müssen nicht nur die Überbringer schlechter Nachrichten mit drakonischen und sogar: meist vernichtenden, Strafen rechnen. Oft genug werden schon die von eins und eins zusammenzählen könnenden Mahnern öffentlich geäußerten Gedanken, welche unsere Gesellschaft betreffende Bedenken in sich spüren, zum Anlaß genommen, um auf diese wohlmeinenden Kritiker einzuprügeln und sie so wenigstens verbal der Vernichtung zuzuführen. Eben erst betätigte sich Alexander Dobrindt darin. Was, den kennen Sie gar nicht, verehrte Leserinnen und Leser? Unverzeihlich, wirklich! Alexander Dobrindt ist derjenige, welcher letztens Christine Haderthauer im Amte des CSU-Generalsekretärs ablöste. Was, die kannten Sie auch nicht? Macht nichts. Aber die CSU werden Sie doch hoffentlich kennen?! Die CSU ist auf regionaler Ebene die Partei in der bundesdeutschen Politik, welche gemäß ihrem Motto “näher am Menschen” ist. Noch näher? Als wer? Erich Mielke? Will was heißen. Schließlich war der und seine Tschekisten samt der “Kundschafter des Friedens” schon verdammt nahe am Menschen!
Dobrindt entlarvt die Spalter unserer Gesellschaft
Kundschafter Dobrindt hielt sein Ohr an die Masse und erlauschte: DGB-Vorsitzende Michael Sommer und nach ihm auch SPD-Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan (“Die Stimmung könnte explosiv werden”) warnten, wenn die Auswirkungen der derzeitig grassierenden Weltwirtschaftskrise in Deutschland nicht vernünftig und vorallem: rechtzeitig erkannt und ihnen dementsprechend entgegen gewirkt werden würde, könnten auch hierzulande “soziale Unruhen” (Sommer) ausbrechen. Dass diese Feststellung in der Sache nicht verkehrt sein muss, hätte auch der konfessionell als römisch-katholisch verortete Alexander Dobrindt, ein diplomierter Soziologe, durchaus unterschreiben und als CSU-Politiker entsprechende Schritte einleiten bzw. unterstützen können. Stattdessen packte Dobrindt aber den verbalen Knüppel aus und schalt Gesine Schwans mahnende Äußerungen besonders hart. Mit ihrem “saudummen Dahergerede”, so der diplomierte Soziologe, werde Schwan zu einer “Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden”! Geht’s vielleicht auch eine Nummer kleiner, Herr Dobrindt? Damit nicht genug: Mit ihrem “saudummen Dahergerede” von sozialen Unruhen, so setzte der Herr Diplomsoziologe im “Münchner Merkur” noch eins drauf, provoziere Schwan die Spaltung unserer Gesellschaft. Da schau her! Frau Schwan ist also diejenige welche? Zusammen – versteht sich: mit ihrem Kumpan Sommer! Dobrindt sei’s gedankt: nun wissen wir endlich Bescheid über die wahren Schuldigen am derzeitigen Schlamassel!
Schon Lenin gab früh Entwarnung
Aber warum regt sich Alexander Dobrindt eigentlich so auf? Sieht der CSU-Mann vielleicht gar das Gespenst des Kommunismus schon wieder durch unsere deutschen Straßen schleichen? Kennt der einstige Student der Münchner Universität denn “seinen” LENIN nicht? Immerhin wohnte Wladimir Iljitsch Uljanow sogar für eine bestimmte Zeit in Schwabing! Allerdings unter dem Decknamen Iordan K. Iordamow. Entwarnung, lieber Herr Dobrindt: Kein anderer als Lenin war es, der einst spottete, in Deutschland könne keine Revolution stattfinden, weil die Leute immer erst eine Bahnsteigkarte lösen, bevor sie den Bahnhof stürmen. Und schlimmer noch (Entwarnung für ängstlich gewordene Raubtierkapitalisten): bis in unsere Tage hinein haben die Deutschen noch nicht einmal bemerkt, dass man auf unseren Bahnhöfen längst gar keine Bahnsteigkarten mehr benötigt. Auch “Prellbock” Mehdorn ist unterdessen weg, der noch einen “Bedienzuschlag” ins Auge gefasst hatte.
Müntefering: “Deutschland ist stark…”
Inzwischen stellt sich wieder einmal heraus, dass nichts so heiß gegessen werden muss, wie es gekocht wurde. Auch der große sauerländische Philosoph Müntefering widersprach nun Gesine Schwan im Kölner Stadtanzeiger: “Deutschland ist stark. Es gibt Vertrauen in die die politisch handeln, in Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände.” Und weiter: “Ich denke, dass wir gut aufgestellt sind, auch weil wir ein Sozialsstaat sind, der den Menschen sagt, wir geben euch Sicherheit.” Selten so gelacht! Den Schröder-Reformen sei Dank! Der Online-Ausgabe der Zeitung “ksta.de” sagte Müntefering weiter, Die Krise muss ein Wahlkampfthema sein. Die Parteien müssten “die Antworten auf die Krise und für die Zeit danach” geben. “Genauso wie wir jetzt im Regieren die Antworten auf die Krise geben, dürfen wir die Menschen nicht im Unklaren lassen darüber, wohin die Reise gehen soll.” Noch Fragen? Warten wir es ab. Die nächste Bundesregierung, war dieser Tage erst auf freitag.de zu lesen, könnte ein Himmelfahrtskommando sein…
Warum eigentlich soll man gerade auf denjenigen vertrauen, der die Losung kreiert hat : Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser ?
Bernd Stichler