25.4.09: Ohne große Umschweife startet die siebte Mottoshow der aktuellen Staffel – und so auch dieses Protokoll – mit dem ersten Kandidaten: “Großes Kino” lautet das Thema der ersten Sangesrunde, in der die verbliebenen Vier heute liefern müssen. Und Dominik Büchele muss als Erster ran.
Er wagt sich an eine Pathos-Ballade von Elton John, “Can You Feel The Love Tonight” (aus “The Lion King”). Der arme Dominik hat es nicht leicht, denn er wird von der Jury nicht unterstützt. Noch jedes Mal machen sie ihn fertig, da singt es sich nicht direkt befreit auf. Doch man gewinnt den Eindruck, er wächst mit dem Widerstand, den er bekommt. Sein Gesang ist nicht so schlecht, wie die Jury ihn hinterher wieder machen wird. Das Problem ist eher, dass Büchele allzu tiefernst und hüftsteif auf der Bühne herum läuft bei seinem Auftritt, wahrscheinlich bedenkend, dass er gerade eine weitere Kritik-Vorlage liefert. Nach seinem Auftritt ist er entspannter, die Kritik wirft ihn nicht mehr um, und auf die Fragen des Moderators kann er meist Vernünftigeres antworten als seine Mit-Kandidaten, so auch diesmal.
Sarah Kreuz singt Whitney Houstons “I will always love you” (aus Kevin Costners “Bodyguard”). Dieser geschmetterte 80er-Schmalz, der zu Recht im 80ies Revival gewöhnlich ausgelassen wird, ist starker Tobak. Sarah singt es toll, aber das macht den Song nicht besser. Immerhin sehen wir: stimmlich bekommt sie keine Probleme, sobald sie nicht zu tief singen muss (wie letzte Woche, als ihr Anfang von “It’s Raining Men” aufgrund dieses Problems nicht wirklich statt fand).
Die Jury lobt sie in den höchsten Tönen. Auch Dieter Bohlen, der sie letzte Woche ungewohnt scharf angriff, stimmt mit ein und toppt noch die lobpreisenden Kommentare seiner Mit-Juroren, indem er Sarah bescheinigt, sie habe den Titel besser gesungen als er Whitney damit live gehört habe. Sarah bleibt verständlicherweise der Mund offen stehen. Durch diese Heiß- und Kalt-Duschen in Sachen Feedback erzeugt man wahrscheinlich emotionale Abhängigkeit. Ob das Bohlen bewusst ist, sei dahingestellt, er macht es aus Instinkt richtig, um den maximalen medialen Effekt zu erreichen. Aber mit etwas mehr Nüchternheit betrachtet, muss der geneigte Zuschauer fest stellen, dass die Leistungen so sehr in Wirklichkeit nicht von Titel zu Titel und Woche zu Woche auseinander fallen, um dieses Wechselbad an Feedback zu rechtfertigen.
Mäkeln an der Titelauswahl
Jetzt kommt Daniel Schuhmacher. Es scheint der Tag der 80ies-und frühen 90ies-Filmschnulzen zu sein. Er singt “Take my Breath Away” von Emma Bunton, ein One-Hit-Wonder aus dem Tom Cruise-Film “Top Gun”, immerhin geschrieben von Giorgio Moroder. Schön: die 80ies Synthesizer dazu im Hintergrund, letzte Woche hatte Daniel schon gepunktet mit einem nicht unähnlichen Eurythmics-Song.
Um das Urteil der Jury vorweg zu nehmen: Sie mäkeln an der Titelauswahl herum, bis auf die gelungenen Strophen – im Gegensatz zum Refrain – habe Daniel hier nicht zeigen können, was er drauf habe. Dem mag man sich nicht anschließen. Der Song hat noch nie so gut geklungen wie in dieser Version. Besonders interessant ist, dass Daniel diese Frauen-Titel (letzte Woche Annie Lennox) wirklich heiß interpretieren kann. Er hat keine Mühe mit den höheren Lagen, die Stimme klingt interessant, sicher und sexy. Wird der Ton tiefer, wird gleich deutlich, dass er das genauso bravourös performen kann. Der Song in seiner Interpretation ist nicht der schwächste, sondern der stärkste der ersten Runde.
Die Ossi-Quotenfrau bei DSDS
Bevor Annemarie singt, sehen wir im Einspieler, dass der Druck, der sich seit Wochen über ihr aufbaut, so langsam zu viel für sie ist. Familie Eilfeld weint, besonders Annemarie selbst, und bricht vor einem Lokalauftritt in Dessau mehr oder minder zusammen. Glücklicherweise ist eine Kamera dabei, sonst könnten wir’s gar nicht mit erleben. Die Ossi-Quotenfrau bei DSDS, die ähnlich wie Dominik trotz aller verheerender Jury-Kritiken ein festes Fan-Publikum hat – sie vielleicht eher im Osten, er im Südwesten – macht natürlich trotzdem weiter. Sie sei es ihren Fans schuldig – “einige Leute wären sonst sehr enttäuscht” – bemüht sie ein Klischee zur Erklärung.
“Der Titel ist so öde, dass plötzlich auch Whitney Houston nicht mehr so übel erscheint.”
Derart eingestimmt, wünscht man ihr das Beste, nämlich keine weitere Aufregung durch schlechte Kritiken. Aber ähnlich wie letzte Woche greift Annemarie wieder zu den schlimmsten Liedern von allen für ihre beiden Auftritte. Sie singt zuerst irgendetwas aus dem Film “Pearl Harbor”, das nicht sehr bekannt ist, den Film muss man wohl auch nicht gesehen haben. Der Titel ist so öde, dass plötzlich auch Whitney Houston nicht mehr so übel erscheint.
Annemaries gesangliche Fähigkeiten bewegen sich etwa im Abstand zu denen von Konkurrentin Sarah Kreuz wie die von Dominik zu Daniel, da lässt sich nichts dran machen. Dessen (Daniels) Talent, auch aus mittelmäßigen Titeln was Tolles zu machen, hat sie nicht, weshalb die Frage offen bleibt, weshalb sie nicht von vorne herein gute Lieder wählt. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich schlecht streiten. Außerdem liegt sie mit der Schnulze im Erwartungshorizont der Jury für heute Abend, die allenthalben “irre viel Gefühl” in den Darbietungen hört, und das zahlt sich für sie aus: Die Jury ist ungewohnt lieb zu ihr.
Volker sagt ihr, sie sähe toll aus, obwohl das Kleid genauso kurz ist wie immer und die Frisur diesmal wie aus den 60ies aussieht, was eher das Markenzeichen der bereits ausgeschiedenen Vanessa Neigert war (der das auch besser stand). Jedoch bei RTL muss allen klar sein, wie sehr gerade Annemarie dabei hilft, dass die Show allwöchentlich Quotensieger wird, und würde es Annemarie nicht geben, müsste RTL sie erfinden.
Deshalb beansprucht Dieter Bohlen plötzlich und zur allgemeinen Verwirrung seinen Anteil an ihrem Erfolg, weil er sie mit seinen Verrissen erst (via schlechter Presse) in die Arme ihrer Fans getrieben haben will. So kann man’s auch sehen. Sie wird diesmal gelobt für ihren Auftritt; der im Grunde nicht besser oder schlechter ist als so mancher davor von ihr auch. Aber zu den Wechselbädern mit starker Willkür-Note siehe bereits weiter oben.
Zweite Runde: Dominik steigt mit Simon & Garfunkels “Sound of Silence” ein. Ein Motto scheint es diesmal nicht zu geben, außer, dass es etwas Balladeskes sein soll. Nette Song-Auswahl von Dominik, aber man muss Bohlen zustimmen, dass er den Song ziemlich verhunzt. Der Vorteil: es wird klar, wie gut Simon & Garfunkel wirklich waren, wie schwer dieser Songwriting-Klassiker zu singen ist. Nina und Volker gefällt aber, dass Dominik den Saal zum Mitklatschen bringen kann. Was den Geist des Originals auch endgültig zerstört.
Sarah entscheidet sich für Duffys “Warwick Avenue”, was die Jury später quittiert mit Respektsbekundungen, da dieser Titel so oft in den Radiostationen gelaufen sei, dass ihn eigentlich niemand mehr hören könne, nun aber doch wieder. Sie wird hoch gelobt für ihre Interpretation. Natürlich macht Sarah es besser als Dominik, aber doch klingt es eher erneut nach Whitney und nicht nach Duffy. Zwar kann sie laut und mit Power singen, aber dieser an sich zauberhafte Song kommt bei ihr ohne Soul daher (den Daniel in der Vorwoche mit “Ain’t no Sunshine in my Life” bewies wie zuvor zwei Jahre vorher nur Mark Medlock im Rahmen von DSDS).
Daniel – die nächste Schnulze im Reigen
Daniel singt den u. a. von Billy Preston (der auch mal für die Beatles am Piano saß) geschriebenen Joe Cocker-Song “You are so Beautiful”, den Cocker bereits 1974 erstmals aufnahm. Es ist die nächste Schnulze im Reigen (und nicht die letzte), aber die Jury liegt ihm dafür förmlich zu Füßen.
Es schließt ab Annemarie mit Kelly Clarksons “Because of You”. Der Vortrag bringt nichts rüber, und so fällt am meisten auf, dass wieder irgendetwas mit den Haaren anders ist. Was auch Volker gleich als erstes – und wieder positiv – erwähnt, während Bohlen findet, sie sei nicht Kelly Clarkson. Aha. Doch er bleibt im Trend der ersten Runde und urteilt alles in allem milde, ebenso die Kollegen.
Geschafft, es ging wirklich Schlag auf Schlag mit den zwei Runden. Jetzt darf Mark Medlock, der arme Kerl, den neuesten der gefürchteten “Sommerhits” aus der Feder von Dieter singen, und so beginnt die Wartezeit bis zur “Entscheidung”. In der wird dann Marco Schreyl wieder gewohnt furchtbar auf Kosten der Kandidaten und Kandidatinnen die Spannung so geschmacklos, wie er kann, auf den Höhepunkt treiben, anstatt einfach nur zu sagen, wer gehen muss. Und in dem Rest der Sendezeit könnte RTL einen der Kandidaten noch einmal singen lassen, diesmal ganz entspannt und ohne Druck. Wie wäre das? Bohlen sagt noch, dass er Sarah diesmal ausscheiden sieht, während die beiden anderen Dominik draußen sähen. Seltsam, und Annemarie? Am Ende wird sie vielleicht wirklich noch Superstar.
P.S.: Tatsächlich müssen Dominik und Sarah später in die engere Ausscheidungsrunde, schließlich trifft es den Schwaben Dominik. Daniel weint da schon längst (vor Glück), jetzt auch Sarah, nur Annemarie, die zu ihren Eltern geht, bleibt cool, und Dominik, der wie gewohnt enorm gefasst ist. In der Hinsicht ist er Profi.
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Photo: fisheye.at via flickr (cc Lizenz, some rights reserved)
Lieber Autor,
ich bin von der fehlenden Objektivität dieses Artikels enttäuscht. Aber vielleicht ist es auch “nur” Voreingenommenheit zu sagen, dass “Mark Medlock, der arme Kerl, den neuesten der gefürchteten “Sommerhits” aus der Feder von Dieter singen” darf.
Zum Einen WILL er dies und zum Anderen felt hier jegliche Objektivität und Information, wie es ein halbwegs seriöser und guter Artikel eigentlich haben sollte.
Das fängt schon damit an, dass sie – wahrscheinlich absichtlich – den Namen der Single (“Mamacita”, VÖ 24.04.) nicht genannt haben und auch – vermutlich nicht unabsichtlich – vergessen haben, dass das dazugehörige Album “Club Tropicana” am 22.05. erscheint.
Schade, schade, schade.