Web 2.0 nur ein Siegeszug der Technik?

Gibt man den Begriff “Web 2.0″ in die Suchmaschine aller Suchmaschinen des Internets ein, so googelt es über 427.000.000 Treffer. Enorm. Damit wird schon klar: Web 2.0 ist kein Marketingbegriff. Es ist die heutige Internet-Welt. Dieser Beitrag veranschaulicht den Werdegang des Internets, den Weg von “Web 1.0 zu 2.0″. Alles

web201.jpgGibt man den Begriff “Web 2.0″ in die Suchmaschine aller Suchmaschinen des Internets ein, so googelt es über 427.000.000 Treffer. Enorm. Damit wird schon klar: Web 2.0 ist kein Marketingbegriff. Es ist die heutige Internet-Welt. Dieser Beitrag veranschaulicht den Werdegang des Internets, den Weg von “Web 1.0 zu 2.0″.

Alles hat einen Namen

Es war schon eine pfiffige Idee, die ein führender US-Verlag im Computer-Bereich hatte: Ziel war es eine Konferenz mit einem einprägsamen Begriff zu bewerben. Dale Dougherty des O’ Reilly Verlages hatte mit seinen Mitarbeitern einen naheliegenden Einfall: Kann man das World Wide Web wie eine kaufbare Software „versionieren“? Ihm war klar, dass sich gegenüber der Gründerzeit viel geändert hatte.

Seiner Definition nach fasst das Web 2.0 Prinzipien und Praktiken zusammen, die

  1. das Web als Plattform betrachten (d.h. die Anwendungen laufen im Web selbst, dem Server)
  2. auf sogenannte kollektive Intelligenz setzen
  3. die Nutzer als (kostenlose) Mitarbeiter einspannen
  4. Daten wichtiger betrachten als Design
  5. Software einsetzen, die die Grenzen einzelner Geräte überschreiten (Dateien können auf dem PC, dem iPod, einen mp3-Player etc. gehört/betrachtet werden)
  6. mittels Selbstbedienung auch aus dem sogenannten „Long Tail“ Gewinne ziehen (musicload.de z.B. verkauft auch uralt-Titel, die niemals einen Platz in einen Präsenzmusikladen haben… – aus Platzgründen)

Im Oktober 2004 war es soweit: die erste „Web 2.0 Konferenz“ fand statt. Doch erst ein Rückblick auf die Erfolgsparameter lassen die Versionierung des Internets verständlich werden: Die Geburtsstunde des Internets wird auf das Jahr 1969 datiert. Hervorgegangen aus einem reinen Universitäts- und Forschungsnetz, vom US-Verteidigungsministerium finanziert. Der Clou dabei: die Schaffung eines ausfallsicheren Kommunikationsnetzes – allerdings stand der militärische Einsatz nicht im Vordergrund.

Multimedial – Erfolgsgarant

Erst 1993 kam es zu einem Durchbruch des Internets – das sogenannte „World Wide Web“ (WWW) kam nun multimedial daher. Möglich geworden durch eine Webbrowser, der zudem plattformunabhängig eingesetzt wurde. D.h. es war egal, welches Betriebssystem auf dem Computer lief.
Dennoch war die Verwendung und insbesondere die Webseiten-Erstellung den Technikfreaks vorbehalten. Erst die Entwicklung von ausgereifter Software zur Erstellung von html-Seiten im „What you see is what you get“ – Modus (z.B. FrontPage98 von Microsoft) brachte einen Schub unzähliger Webseiten, die nun auch von privater Hand gestrickt werden konnten.

Erfolgsfaktor: Community

Neben den beeindruckenden multimedialen Website-Inhalten zeichnete sich schon früh, dass es eine sog. „Killerapplikation“ im „Mit-mach-Netz“ geben würde: die Schaffung interaktiver Inhalte, den Diskussionsforen. Der Community-Gedanke gilt als Triebfeder des Erfolges. Eine Gruppe von Menschen entwickelt gemeinsames Wissen, teilt Erfahrungen und wird durch ein WIR (gehören zusammen)-Gefühl verbunden. Die Mitglieder einer Community profitieren von den Beiträgen und dem Wissen anderer sowie von der kollektiven Intelligenz, die innerhalb einer Gruppe entsteht.

Wirtschaftsunternehmen nutzen diese Intelligenz – auch zum eigenen Vorteil. Beispielhaft sei hier Gold-Explorer genannt, die mithilfe von Geologen und Hobby-Schatzsammlern aus der ganzen Welt es geschafft haben, neue Bodenschätze zu erschließen.

Erfolgsfaktor: Technik

Die Verlagerung der html-Seiten-Erstellung in das Internet selbst, d.h. die Verlagerung auf den Webserver, ermöglichte nun sogar eine „Echtzeit-Kommunikation“ des Lesers und/oder Redakteurs miteinander. Es ist heute nicht mehr nötig auf seinem heimischen Rechner (den Client) Software zu installieren, um gelungene, professionell wirkende Webseiten zu erstellen. Innerhalb von Minuten gelingt es heute, ein Internettagebuch zu „programmieren“ und mit einem weltweit einmalig vergebenen Domainnamen zu versehen (beispielhaft. meinname.wordpress.com). Ohne Internet-Freak zu sein!

Die schnellere Anbindung des Internets (Stichwort: Breitbandnetz, DSL) tat ihr Übriges: Endlich konnte das multimediale Netz grössere Datenmengen verarbeiten. Videos anzusehen oder Audiodateien herunterzuladen, stellen nun keine Herausforderung an die Geduld der Empfänger mehr. Das World-Wide-Web ist erwachsen geworden und hält was es seit seiner Einführung versprach.

Mit der gezielten Erfindung (!) von Geräten, die Internetinhalte wie mp3-Audio-Dateien mittels Abonnement herunterladen, dem berühmten IPod, gelang es endlich, das Internet nicht nur als Teil eines Computers zu verstehen. Die „Hardware-Grenze“ eines “statischen Home Computers” wird überschritten – internetfähige Handys, PersonalDigitalAssistants (PDA) und kleine LapTops, die „NetTops“, fördern dieses Verständnis. Der Ausbau von Netzzugängen bei öffentlichen Plätzen, den HotSpots mit meist kostenlosem W-LAN-Zugriff unterstreichen die zunehmende „Mobilmachung“ des Internets. Der – nun doch militärische Ausdruck – Siegeszug des Internets geht weiter. Unaufhaltsam.

Photo: Gerd Altmann/PIXELIO.

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