Erst am vergangenen Freitag war es raus: Medienlese.com soll zum 30. April offline gehen. Dr. Peter Hogenkamp, Gründer der Blogwerk AG verkündete die betrübliche “Nachricht in eigener Sache” persönlich an die Lesergemeinde, die sich im Folgenden nicht nur traurig, sondern auch äußerst kämpferisch gebärdete. Nein, das darf nicht sein, waren sich einige User schnell sicher: “Lasst uns beweisen, dass es nicht nur Social Media gibt sondern wir auch social denken, um Media zu retten”, lautete bereits kurz nach Erscheinen des Postings eine der ersten Reaktionen von massenpublikum.de.
“6 vor 9″ kann erst einmal weiter gehen
Das Aufbäumen scheint sich nun auszuzahlen. Der Spendenaufruf unter dem Titel “Ein Herz für Blogs: Wir können medienlese retten” hat gefruchtet. Dr. Peter Hogenkamp reagierte noch am gleichen Tag und namm den Ball gerne auf: “Wenn wirklich 2000 Euro zusammen kommen, egal von wieviel Personen gespendet, legen wir den Rest drauf und stellen den Weiterbetrieb von ’6 vor 9′ durch Ronnie Grob für ein halbes Jahr sicher, also bis Ende Oktober 2009″, warf er in die Runde. Wie medienrauschen.de nun berichtet, hat das wohl geklappt. Ganze 62 Spender haben es in nur drei Tagen geschafft, die anvisierten 2000 Euro zusammen zu tragen.
In trockenen Tüchern ist die Angelegenheit damit allerdings noch lange nicht. Der internette Support verschafft lediglich ein bisschen Luft. Autor Thomas Gigold sieht die Unterstützung, die nicht vom Unternehmen, sondern eigenständig initiiert wurde, skeptisch. “(…) es schiebt das Vermarktungsproblem, das die Blogwerk AG mit dem eigenen Blog hat, nur auf, beseitigt nicht das eigentliche Finanzierungsproblem”, mahnt er vor zu viel Euphorie. Und dennoch: Bis kommenden Oktober habe der Herausgeber nun – dank der Leser – Zeit einen Investor oder eine entsprechende Lösung zu finden. “Dass es an treuen Fans für das Medienblog nicht mangelt, hat die Aktion gezeigt – im Schnitt haben die Spender 30,26 Euro gespendet für ein halbes Jahr Links”, stellt er abschließend fest.
Kleine Leute, die im Internet etwas bewirken
“Für mich war keineswegs klar, dass das zustande kommt, ehrlich gesagt habe ich eher nicht daran geglaubt”, ist auch der “Betroffene”, Ronnie Grob am heutigen Dienstag sichtlich erfreut über das Ergebnis. Wie sich das Ganze nun weiterentwickeln werde, wird sich zeigen. Die Initiatoren der Spendenaktion geben sich derweil weiterhin optimistisch. In einem eigenen Beitrag “Warum wir nicht scheitern können” wird erklärt, warum es alles andere als ein Zufall war, dass medienlese “bereitwillige Spender” fand.
“Heute nacht werde ich sehr zufrieden einschlafen”, schreibt Sachar, der Kopf der Aktion am Ende dieses Artikels. “Nicht aus Genugtuung, sondern mit dem Wissen, dass wir, die kleinen Leute im Internet, etwas bewirken können. Wir haben die Welt nicht verändert, aber wir haben für etwas gekämpft, das uns wichtig ist. Vor ein paar Jahren wäre das so nicht möglich gewesen.”
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