“Zu hülf!” – die Schweinegrippe und die Blogosphäre

“Die Schweinegrippe erreicht immer weitere Teile der Welt”, schreibt um Punkt 13.00 Uhr die Deutsche Welle. Mit unglaublicher Geschwindigkeit breite sie sich aus. Erste Verdachtsfälle gibt es mittlerweile auch in Deutschland. Die Lage ist ernst, die Menschen verunsichert und doch treibt sie immer neue Blüten. Denn die “Schweinegrippe infiziert Twitter”,

sshirt.jpg“Die Schweinegrippe erreicht immer weitere Teile der Welt”, schreibt um Punkt 13.00 Uhr die Deutsche Welle. Mit unglaublicher Geschwindigkeit breite sie sich aus. Erste Verdachtsfälle gibt es mittlerweile auch in Deutschland. Die Lage ist ernst, die Menschen verunsichert und doch treibt sie immer neue Blüten. Denn die “Schweinegrippe infiziert Twitter”, berichtet unterdessen Zeit online. 2,5 Prozent aller Beiträge innerhalb des Microblogging-Dienstes hätten sich demnach am vergangenen Montagabend mit diesem Thema befasst. “Schlechte Nachrichten reisen schnell”, ist sich Autor Kai Biermann sicher. Dass diese jedoch auch kuriose Dinge zu Tage fördern können, das zeigt uns die Blogosphäre in diesen Tagen auf ein Neues.

Kurios ist das Eine, grenzwertig das Andere: So gibt es seit gut einer Stunde auch “Das Spiel zur Schweinegrippe” bei sportswire.de im Angebot. “Spielerische Krankheitsbekämpfung kann ziemlich eklig sein. Und schwierig”, meint Autorin Elke Wittich zu Beginn des besagten Beitrags. Was folgt ist eine – gelinde gesagt – fragwürdige Beschäftigung mit den eigenen Körperflüssigkeiten, die mit dem triumphalen Satz “Ha! Nimm dies, Schweinegrippe!” ein schnelles Ende findet.

Benjamin Weiss dagegen verfolgt auf engadget.com lieber den Verlauf der Krankheit – und zwar auf Google Maps. Ein Angebot, bei dem man “schon mal paranoid werden” kann, wie er meint. “rosa markiert sind Verdachtsfälle, violett sind bestätigte oder vermutete Fälle, gelb sind Verdachtsfälle, die sich nicht bestätigt haben und Todesfällen fehlt der Punkt im Fähnchen”, beschreibt er die bunte Einteilung und findet dafür nur ein Wort: “Gruselig.”

“T-Shirts zur aktuellen Lage!”

Ob das für nachfolgendes Modell auch gilt? Immerhin heißt es ebenfalls seit heute “T-Shirts zur aktuellen Lage!” auf guru-20.info. “Ruhe bewahren und nicht niesen!”, mahnt das dezent in Weiß gehaltene Textil für Männlein und Weiblein, das selbstverständlich mit einem rosa Schweinchen verziert und aus 100 Prozent Baumwolle hergestellt wurde. Für knapp 25 Euro ist es nun im angrenzenden Shop zu erstehen. Entsprechende Verkaufszahlen wären hier sicherlich interessant zu erfahren…

Aufklärung über eine “wirksame pflanzliche Alternative bei Schweinegrippe” erhalten wir hingegen bei p2news.com. Die Seite zitiert den Virologen Prof. Dr. Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der meint, dass der Pflanzenextrakt Cystus052 ein Naturprodukt der Stunde sei.

“Zu Hülf, zu hülf, wir werden alle störben!”, heißt es derweil auf nerdcore.de. Unter dem Titel “Schweinegrippe 1976″ wird den Lesern hier ein bisschen Stoff für “mehr Panik für die anstehende Schweinegrippeapokalypse” geboten. “Das ist nicht lustig! Doch, irgendwie schon”, kann sich Kommentator Matthias nicht so recht entscheiden. Doch sehen Sie selbst:

“Schweinegrippe in Wahrheit Biowaffe?”

Andernorts wird das Thema von einer ganz anderen Seite beleuchtet. “Schweinegrippe in Wahrheit Biowaffe?”, fragt sich zumindest videogold.de und legt ebenfalls ein entsprechendes Veranschaulichungs-Video bei. Von einer “Militarisierung des Gesunheitssystems” ist dann ebenso die Rede wie von “neuen Internierungslagern” oder der Ähnlichkeit des Virus mit eben einer biologischen Waffe. Paul Joseph Watson, ein Verschwörungstheoretiker par excellence?

Das Ende der Fahnenstange scheint jedoch noch nicht erreicht. Während sich die Basler Zeitung zur Wurzel allen Übels aufmacht, der Tagesanzeiger uns belehrt, dass “Schweinegrippe” eigentlich der falsche Name wäre und das Frankfurter Magazin uns über die Zusammenhänge zwischen Klinsmann und Schweinegrippe aufklärt, sind die Blogger dieser Welt sicherlich schon fleißig weiter am Basteln. Wahrscheinlich nehmen sie’s  ganz frei mit dem deutschen Schriftsteller Ernst Penzoldt, der da sagt: “Die Fähigkeit, heiter zu bleiben, wenn es ernst wird”, das sei wahrer Humor.

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  1. Schon gehört, dass in Mexika die Todesfälle drastisch von 159 auf 26 (!) reduziert wurden, von denen nur 7 als gesichert gelten?

    Selten so eine Panikmache erlebt. Und Roche verkauft das Oseltamivir wie geschnitten Brot…