Ein Blick gibt den anderen, verschmitzt wenden sich die Köpfe… Ok, wir sind unter uns… und schon bricht schallendes Gelächter los. Es wird geflachst, gestichelt und der kindliche Spieltrieb hemmungslos heraus gelassen. Sie jagen durch die Sommerwiese, schwingen sich auf Dächer schon fast historisch anmutender Reisebusse, machen den Zuschauerraum spontan zu einer einzigen großen Bühne und interviewen sich im Rahmen einer Pressekonferenz auch mal ganz einfach selbst…
Mellow Mark alias Mark Schumberger und Pyro Merz, im bürgerlichen Leben Marco Merz, sind ein ebenso sympathisches wie unberechenbares Duo. Wer die beiden kennt, der weiß: mit IHNEN ist definitiv zu spaßen. Szenen wie obige scheinen zum normalen Alltag der beiden Künstler zu gehören, sind aber ebenso Teil ihrer Bühnenperformance. Und was live schon lange erfolgreich funktioniert, hat sie nun endlich auch auf eine gemeinsame CD gebracht. Nach Mellow Marks “Metropolis” und Pyro Merz‘ “Pyro” ist jetzt der neueste Streich der beiden Schelme am Start. Seit wenigen Wochen bereichern sie die Freunde fröhlicher und tanzbarer Musik mit ihrem Album “Ratz Fatz Peng“, zu dem sie sich unter anderem die ebenfalls schon gut bekannten Ruffcats (Liveband von Martin Jondo) mit ins Boot geholt haben.
Bunt, kontrovers und echt
“Vorsicht! Auf diesem Album haben wir unsere Bühnenenergie gebündelt und zwar diesmal ohne große Plattenfirma oder Schubladen, dafür bunt, kontrovers und echt”, bringen die beiden schon auf dem Cover ihrer buntleuchtenden Scheibe den ersten nicht ganz so ernst gemeinten Warnhinweis an. “Die Zündschnur”, so erklären sie weiter, “liegt nun in Euren Händen.” Und diese wird prompt angesteckt. Mit ganzen 16 Tracks führt uns das “Brüderpaar im Geiste” gemeinsam mit Puppetmastaz, Paco Mendoza, Momo Djender und den schon genannten Ruffcats in ihre ganz persönliche Sicht der Dinge ein.
Ebenfalls mit dabei sind, wie nicht anders zu erwarten, Mellow Marks obligatorische Gitarre nebst Pyro Merz’s Plattenteller, die sich auch mal gekonnt mit Geigen, Tasten oder Flöten mischen. Hip Hop steht hier neben Reggae, Rock neben Rap und Soul, Funk-, Elektro- und Skaelemente neben traditionellen Klängen – zusammengerührt aber ergeben sie das, was diese Combo eben ausmacht: Ein ganz eigener, persönlicher Sound, eine “Stilfusion“, die den Zuhörern unweigerlich in die Beine, aber nicht minder ins Gehirn wandert. Titel wie “On and On IV”, “Yeah Yeah Yeah”, “Ratz Fatz Peng” oder “Cats kommen raus bei Nacht”, dem Live-Publikum allesamt schon bestens bekannt, stehen hier stellvertretend für viele weitere Tracks, die nicht nur durch eine schlüssige und spannungsreiche Komposition, sondern auch durch gehörigen Spaßfaktor überzeugen können.
Doch Rhythmus und Kurzweil ist bei Weitem nicht alles, was dieses Album zu bieten hat. Ganz so wie auf der Bühne, so können diese Herren – allen voran Mellow Mark – auch auf der Konserve mehr als nur gute Laune. Mit unbequemen und teils hochironischen Texten, die wachrütteln oder zum Nachdenken anregen sollen, gibt das “Dreamteam” seinen Zuhörern Themen mit auf den Weg, die nicht nur das in Berlin und Hamburg lebenden Duo bewegen. “Musik für die Seele und gegen den Polizeistaat… Musik für die Menschen und gegen Gedanken aus Stacheldraht” eben, die in Zeilen wie “Werf’ den Fernseher aus dem Fenster, schmeiß das Handy an die Wand” besonders hervortritt. Daneben changieren Gedanken über den “Treibhauseffekt” neben einem “Tanz im Regen”. “Komm aus dem Koma. Ich kann das Jammern nicht mehr hör’n!”, ruft uns der Echo-Preisträger Mellow Mark mit Unterstützung seines “Superlax” entgegen. Die Hörer greifen es hoffentlich aufmerksam auf.
Live-Entertainment für die Ewigkeit konserviert
Am Ende der 16 wunderschön abwechslungsreichen Stücke, die zwischen unbeschwerter Sommer-Sonne-Laune und kritischen Gedanken hin und her wandern, bleibt nur ein Fazit zu ziehen: Live sind diese Herrschaften unschlagbar. Sie wissen Jung und Alt, Groß und Klein sowohl mit ihrer Musik als auch einem unbschreiblichen Entertainmentfaktor zu begeistern. Zwischen dem Phlexton Studio, der Geräuschquelle, dem Probenraum, dem Tourbus oder auch sonstwo, ist es ihnen nun jedoch gelungen, dieses Gebaren, für das sie in der Szene so geliebt werden, für die Ewigkeit zu konservieren. “Ratz Fatz Peng” hält, was der Name verspricht und schafft es vom ersten bis zum letzten Ton den ohnehin schon positiven Eindruck, der sich auf unzähligen Gigs von ihnen gebildet wurde, fortzusetzen. Meine Herren, das ist echt, das ist bewegend und war vor allem eins: längst überfällig! In diesem Sinne: “Ratz Fatz Peng!”
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