Die Parallelwelt kennzeichnet eine Welt, die außerhalb unseres Universums existiert. Die Viele-Welten-Theorie geht davon aus, dass viele dieser Parallelwelten existieren.
Gäbe es viele parallele Welten, dann wäre mit hoher Sicherheit auch die Frage beantwortet, warum sich Wahrscheinlichkeiten von Messwerten in der Welt der Elementarteilchen zu jeder Zeit genau vorhersagen lassen, jedoch nicht das Ergebnis einer einzelnen Messung. Würde sich unsere “Mikrowelt” tatsächlich zu jedem Zeitpunkt in unendlich viele parallele Welten aufspalten, in denen jeweils ein mögliches Messergebnis realisiert wird, dann hätten wir nicht nur das Problem des Geistercharakters der klitzekleinen Teilchen gelöst, sondern dann wäre auch die Zukunft exakt vorhersehbar, die sich allerdings in eine Unzahl vieler parallel existierender Welten aufteilte. Da ständig beobachtet und gemessen wird, gäbe es eine große Menge gleichzeitig existierender Welten.
Wenn wir die “Makrowelt” des Hier und Jetzt, in der wir leben, mit dem “Viele-Welten-Geisterkosmos” vergleichen, dann stechen Parallelen deutlich ins Auge.
Auch unsere Welt verwandelt sich mehr und mehr in eine multiple Geisterwelt.
Der postmoderne Mensch hat sich bereits in eine multiple Persönlichkeit aufgespaltet und sich selbst in den vielen parallelen Welten verloren. Er ist sexgeiler Playboy bei “Second Life”, Todesritter in der “World of Warcraft”, Frauenversteher bei “Facebook”, Vorzeige-Manager bei “XING” und Ökofaschist bei “Readers Edition”. Auch wenn die “Viele-Welten-Theorie” in der Quantenmechanik nur eine Nebenrolle spielt – in unserer Alltagswelt ist sie längst zur Realität geworden, denn unser Geist realisiert sich ständig in einer Vielzahl virtueller Welten. Virtuelle Phantasiewelten scheinen problematische Ausmaße anzunehmen, vor allem dann, wenn diese Welten bedeutender werden als die eigentliche Realität.
Der Alltag vieler Menschen findet praktisch nur noch vor dem Computer statt: Einkaufen, Spielen, Chatten, Flirten, Eheanbahnung, Musik hören, Filme sehen, der Job – fast alles lässt sich heutzutage online erledigen. Manch einer kommt vom Bildschirm gar nicht mehr los. 25- bis 34-jährige Deutsche verbringen laut Studien im Schnitt etwa fünf Stunden am Tag vor dem Fernseher oder im Netz. Bertte Wildt, Mediziner der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hatte bereits vor drei Jahren 23 Internet-Süchtige ausführlich untersucht. 80 Prozent der Probanden litten unter Depressionen.
Auch Angsterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen entdeckte Wildt überdurchschnittlich häufig und er schloss, dass…
“… immer mehr erwachsene Menschen den depressiven Rückzug in eine zumeist infantile digitale Fantasiewelt suchen, um dort die Helden zu spielen, die sie im realen Leben nicht sein können.”
Mehr als eine Million Internetnutzer in Deutschland zeigten verschiedenen Studien zufolge Anzeichen einer Internetsucht, berichtete bereits 2007 die Caritas. Bei drei bis vier Prozent der etwa 32 Millionen deutschen Internetnutzer sei der Gebrauch des neuen Mediums zumindest problematisch. Tendenz steigend!
Neben dem Internet spielen auch Handy, BlackBerry, Spielkonsolen und Fernsehen bei der “Parallelweltsucht” eine wichtige Rolle.
Etwa zwei Millionen Menschen hierzulande sind mediensüchtig, Das Phänomen ist Experten seit zehn Jahren bekannt. Wer Mediensüchtige einmal beobachtet hat, weiß, dass sie ihnen völlig fremd vorkommen. Mit leerem Blick starren sie auf den Bildschirm. Der Realwelt völlig entrückt, sind sie in der parallelen “Welt am Draht” versunken. Sie gleichen den Zombies, die sie auf dem Bildschirm jagen – jenen, ihrer Seele und ihres Bewusstseins beraubten halbtoten und willenlosen Wesen.
“Sie sehen aus wie wandelnde Leichen!“, sagte bereits 2007 der Psychologe Andreas Koch von der Berliner Caritas. So bezeichnete er die Internet-Junkies, die täglich zehn bis 15 Stunden im Netz hängen – ohne Zeit für Nahrungsaufnahme und Körperpflege.
Beschreiben wir hier Ausnahmen oder hat sich unsere Alltagswelt bereits in die Matrix verwandelt? Wie sieht denn ein Tag im Leben des Ottonormalverbrauchers heute wirklich aus? Spätestens um sieben klingelt der Radio- oder Fernsehwecker. Nach der Toilette werden bei laufendem Frühstücksfernsehen schnell die Emails abgefragt. Danach kommen die “iPod-Stöpsel” ins Ohr und man hetzt zur Straßenbahn.
Wer ungestöpselt liest, der darf das Hintergrundrauschen des “Ipod-Symphonien-Mix” kostenlos genießen.
Im Büro angekommen, schalten wir zuerst den PC an, aktivieren Browser und “Skype-Account”. Dann tauchen wir acht Stunden ab. Vielleicht unterbrechen wir unser PC-Vergnügen für eine Video-Konferenz, doch in der Regel glotzen wir den ganzen Arbeitstag auf unseren Bildschirm. Den Feierabend verbringen wir dann entweder vor der TV-Glotze, vor der Playstation oder im Internet. Die Hälfte des Tages geht für “dumm in die Röhre glotzen” oder “verkabelt sein” drauf. Wir sind süchtig geworden und merken es nicht einmal.
Manch einer kann zwischen der Erstwelt und den vielen Parallelwelten nicht mehr unterscheiden. Dann werden die Schulen zum Kriegsschauplatz. Pickelige Teenager ahmen in Spielen wie “Counter-Strike” oder “World of Warcraft” ihre Traumtypen nach und knallen ihre Mitschüler und ihre Lehrer ab. Jugendliche Internet-Spiel-Junkies schaffen noch nicht einmal den Hauptschulabschluss. Und achtzehnjährige Bewerber für eine Lehrstelle können kaum mehr als ihren Namen schreiben. Wie denn auch, wenn sie noch nie ein Buch gelesen haben. Ältere Suchtopfer verlieren zuerst ihre Partner, dann ihre Jobs und zuletzt ihren Lebensmut. Und ein großer Teil der Hartz IV-Empfänger hängt von morgens bis abends vor der Glotze und zieht sich das Unterschichtenfernsehen rein.
Schöne neue “Welt am Draht”! Die Menschen sind längst in der Matrix angekommen! Gibt es einen Ausgang aus der Matrix?
Die Polit-Rock Band “Ton Steine Scherben” trällerte bereits im Jahre 1970, drei Jahre bevor R.W. Fassbinder seinen genialen Fernsehfilm “Welt am Draht” drehte: Macht kaputt, was euch kaputt macht!
Boykottiert das Unterschichtenfernsehen! Verzichtet auf alle “Deutschland sucht die Supertrottel” Shows. Schaltet ab, wenn euch Heidi Klum irgendwelche schwindsüchtigen Hungertücher als Models verkaufen möchte. Schaltet Handys und BlackBerrys aus und genießt die Ruhe! Regelt den Internetverkehr genauso wie den Geschlechtsverkehr: “In der Woche zwier, schadet weder deinem PC noch ihr!” Lasst euch von “Nintendo Wii Fit” nicht für dumm verkaufen, sondern nutzt die Natur für euer Fitnessprogramm. Die Zukunft unserer Alltagswelt ist nicht determiniert. Wir können unsere Parallelwelten verlassen – wir können den gefallenen postmodernen Menschen überwinden.
Der Ausgang aus der selbstverschuldeten Matrix liegt vor euch. Gehen müsst ihr selber! Carpe diem!
Photo Quelle/Copyright: Holger Meyer, via pixelio.de
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