Manch StudiVZ-Nutzer wird sich heute Vormittag wohl zweimal die Augen gerieben haben. Kaum eingeloggt und einen Blick auf die eigene Startseite geworfen, wird er eines kleinen rechteckigen Kästchens gewahr. “Buschfunk” prangt stolz über diesem. “Noch 140 Zeichen” und schon kann der ganzen Community mitgeteilt werden, welche Stimmungen sich am heimischen Schreibtisch abspielen.
Doch Moment mal! Kennen wir das nicht längst?! Sind das nicht die berühmten “140″, die bereits einen einschlägigen Hype, der sogar bis in Politkreise vorgedrungen ist, begründet haben? “Das Tool für Statusmeldungen der Nutzer erinnert mächtig an Twitter”, meint da nicht nur turi-2.blog.de völlig zu Recht. Die nicht zum ersten Mal des Kopierens beschuldigte Plattform erweckt mit seinem neuen Dienst nun erneut den Anschein als wären eigene Ideen Mangelware. Mit Facebook liegt das Freundesnetzwerk schon seit längerem im Clinch. Will sich das Portal nun auch noch den Unmut von Twitter einhandeln?
Immerhin, so gibt Martin Weigert von netzwertig.com, zu bedenken:
“Die studiVZ-Startseite war schon seit langem die Achillesferse der Plattform. Während viele andere Social Networks auf dynamische Newsfeeds setzen, präsentierte studiVZ seinen Mitglieder nach dem Einloggen bisher im Prinzip nichts außer Werbung. Mit dem Buschfunk ändert sich dies, weshalb zu erwarten ist, dass die neue Funktion bei den Mitgliedern schnell Anklang finden wird.”
Dass StudiZV anscheinend unter Zugzwang steht, zeigt ein Blick auf deutsche-startups.de. Unter dem Titel “Soziale Netzwerke und ihre Nutzer” vom vergangenen Montag heißt es dort: “Die sozialen Netzwerke des Landes ziehen weiter immer mehr Nutzer an.” Sieger in Sachen Marktbeschleunigung im vierten Quartal 2008 sei hier, laut der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung, “Wer-kennt-wen” gewesen. Bei der Konkurrenz von StudiZV sähe das jedoch anders aus. “In der aktuellen AGOF-Erhebung erreichte das Studenten-Netzwerk 5,29 Millionen Unique User – im Vergleich zum Vorquartal ein Minus von 2,2 % oder 120.000 Unique Usern.”
Wird aber ausgerechnet ein “Buschfunk” für mehr Popularität sorgen? Einige Blogger sehen das “Getrommele” jedenfalls mit gemischten Gefühlen. So zeigt sich zum Beispiel Heiko Schneider auf crossrange.de schon sehr verwundert darüber, dass “es sich StudiZV auch weiterhin so einfach macht” und dabei – im Gegensatz zu Facebook – völligst im “Kleinkindalter” stecken zu bleiben scheint. “Vehement wird eine Politik betrieben, die die heute übliche Kopplung an andere Social Web Dienste verhindert”, macht er seinem Ärger Luft. “Eine Integration der Twitter Accounts der User wäre hier wesentlich sinnvoller gewesen, als den ‘eigenen’ Buschfunk als großartige Weiterentwicklung zu preisen.” Auch Kommentator pots ist nicht sonderlich begeistert: “nicht einmal die zeichenbeschränkung haben sie überdacht. bei twitter heißt es 140+20 für’s reply. hier gibt es keins. also bitte ins sms affine deutsche jugendland dann doch auch direkt 160 zeichen servieren.”
“Eine Twitter-Kopie, die keine ist”
Hayo Lücke von basicthinkingblog.de sieht das allerdings ein bisschen anders. Er titelt “Eine Twitter-Kopie, die keine ist” und weist darauf hin, dass das Feature wohl doch nicht so neu ist, wie viele glauben. Denn “Die kleine ‘Status-Box’, die bisher nur auf dem eigenen Profil unterhalb des persönlichen Fotos zu finden war, ist auf Wanderschaft gegangen. Und einen neuen Namen hat sie auch bekommen.” Verbesserungsbedarf sei seiner Meinung nach dennoch gegeben. Auch Kommentator Nils schaltet sich in die derzeitige Diskussion ein und stellt gegenüber den Kritikern klar, dass es sich um “keine wirklich Kopie” handelt. Vielmehr stellt er den Nutzern folgendes in Aussicht: “Die Twitter-Integration ist in Arbeit, scheitert aber im Moment daran, das GNIP.com den Twitter-Stream im Moment nicht in Realtime anbieten kann. Wir kriegen nächste Woche eine alpha-Schnittstelle direkt von Twitter, mit der wir eine bidirektionalen Austausch mit Twitter bauen werden. Prinzipiell ist das auch schon fertig, nur wir kriegen die Tweets nicht.”
die ganzen netzwerke kopieren sich doch meistens gegenseitig, das ist wirklich nix neues…