Von Obama lernen, heißt siegen lernen: So oder so ähnlich könnte für viele Deutsche das derzeitige Motto lauten. Der 44. US-Präsident hat vorgemacht wie Politik und Web 2.0 zusammengehen können. Auch hierzulande finden sich immer mehr Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens auf Facebook, Twitter und Co. Doch wie steht’s um die Bedeutung derartiger Kanäle im guten alten Europa? Sind sie auch hier für einen Wahlkampf geeigent? Auf dem PolitCamp09, das ich am vergangenen Wochenende in Berlin besuchte, stand unter anderem diese Frage im Zentrum der Diskussion. Wie Hauptorganisator Valentin Tomaschek die Sache einschätzt und worauf es seiner Meinung nach in Zukunft ankommt, das verrät er im Kurzinterview.
Hallo Valentin, wie lautet dein Fazit des PolitCamp09 in einem Satz?
Valentin Tomaschek: Ich bin begeistert vom Interesse und fande es einfach großartig und sehr inspirierend! 600 Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Was waren für dich die Highlights der Veranstaltung?
Valentin Tomaschek: Das sich so viele Leute zusammengefunden haben und überparteilich und konstruktiv diskutiert haben. Egal von welcher Partei, Fachrichtung, Alter oder beruflicher und lokaler Herkunft. Es gab fast 40 Sessions und die erste auf dem Sonnendeck/Dachterasse waren Dank dem super Wetter und der gut 120 Teilnehmer einfach fantastisch. Aber auch die vielen kleinen Runden waren gut.
Hat das Politcamp09 aus deiner Sicht etwas bewirkt?
Valentin Tomaschek: Ja, auf jeden Fall. Das zeigt das fast ausschließlich positive Feedback von den Teilnehmern. Natürlich gab es am Rande auch ein paar sarkastische und parteipolitische Frotzeleien, aber insgesamt stand der Wahlkampf selbst im Hintergrund und wir haben überparteilich über die politische Kommunikation im Internet diskutiert. Das kann und hat was bewirkt.
“Die klassischen Medien haben oft Angst vor dem Web 2.0″
Wie schätzt du die Reaktionen der klassischen Medien ein – Hattest du das Gefühl, dass die Veranstaltung genügend ernst genommen wird?
Valentin Tomaschek: Die klassischen Medien haben oft noch, unberechtigt übrigens, Angst vor dem Web 2.0. Das liegt oft einfach an mangelnder Bereitschaft sich mit diesem auseinanderzusetzen und Erfahrungen zu sammeln. Wir hatten aber beispielsweise auch die Session vom Journalisten Dirk Baranek und dort wurde deutlich, dass es auch miteinander gehen kann.
Wie gehst du mit dem Vorwurf um, die Veranstaltung sei zu “twitter-lastig” gewesen?
Valentin Tomaschek: Twitter ist momentan einfach das Thema im Web und den klassischen Medien. Es richtig und effektiv zu nutzen ist gar nicht so einfach wie man denkt. Das merke ich an vielen Beispielen momentan und da ist es klar, dass die Teilnehmer viel darüber sprechen möchten. Ich glaube am zweiten Tag war Twitter auch gar nicht mehr so präsent.
“Wir müssen unseren eigenen Weg gehen”
Hat sich mit der Veranstaltung etwas in deinem Denken verändert, welche Rolle Internet und Web2.0 zur Bundestagswahl 2009 spielen?
Valentin Tomaschek: Wir werden keinen Obama-Wahlkampf erleben. Das war aber auch schon vor dem PolitCamp klar und wurde nur noch deutlicher. Ich bin der Meinung, dass wir da eh unseren eigenen Weg gehen müssen. Nicht nur weil wir keine ähnliche Figur wie Obama haben, sondern weil wir auch eine ganz andere Mentalität und ein anderes Wahlsystem in Deutschland haben.
Inwiefern verändert das Internet die politische Kultur?
Valentin Tomaschek: Ich finde es ehrlich gesagt sehr schön, dass ich mich mit Mitgliedern anderen Parteien offen und direkt übers Web austauschen kann. Dabei geht es nicht um gegenseitige Angriffe und Denunzierungen, sondern zu erleben, wie auch manche Diskussionen öffentlich stattfinden. Das ist bspw. bei Twitter mit 140 Zeichen gar nicht so einfach, aber auch in verschiedenen Foren und bei Facebook bekommt man einiges mit.
Wird es ein PolitCamp10 geben? Willst oder kannst du schon konkreteres dazu sagen, bzw. was nächstes mal besser oder anders laufen sollte?
Valentin Tomaschek: Das Feedback von den Teilnehmern war dazu eindeutig. Es soll und es wird ein PolitCamp10 geben. Wir denken an Ende Januar/Anfang Februar in NRW, denn dort steht eine wichtige Landtagswahl an. Ich wünsche mir, dass das Verhältnis von den Parteimitglieder noch ausgeglichener wird. Sprich, es dürfen gerne mehr Mitglieder von CDU, FDP, Grüne und DIE LINKE kommen, denn meiner Meinung nach sollten wir beim nächsten PolitCamp nicht nur über den Online-Wahlkampf reden, sondern auch wie wir das Verständnis der Politik dem Web gegenüber verbessern können. Da ist eindeutig Diskussionsbedarf.
Interessante Links zum Thema:
- Das PolitCamp09 auf make.tv
- PolitCamp09 – Wahlkampf als Katalysator für den Wandel!?!
- Das Fazit des PolitCamps09
- Große Träume, komplexe Realität: PolitCamp09
- Wenn Politiker twittern… Interview mit Christian Clawien von parteigefluester.de
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