Der Most Valuable Player Award (MVP) ist eine feste Institution in den amerikanischen Profi-Sportligen. Alle großen Legenden des US-Sports haben diese Ehre in ihrer Sportart während ihrer Karriere mindestens einmal erhalten, sei es Michael Jordan in der National Basketball Association (NBA), Wayne Gretzky in der National Hockey League (NHL) oder Brett Favre in der National Football League (NFL). In diesem Jahr darf nun ein Weiterer in einem Satz mit diesen Größen des Sports erwähnt werden: Lebron James.
Der 24-jährige wurde am 5.Mai mit dem MVP-Award der diesjährigen NBA-Saison ausgezeichnet und schickt sich nun an, sein Team, die Cleveland Cavaliers, in die NBA Finals zu führen. Aber wer ist dieser Mann, der schon früh als bester High School Spieler aller Zeiten bezeichnet wurde?
Er ist nicht so schnell wie Dwayne Wade. Er ist kein Supermann wie Dwight Howard. Er ist nicht Mr. Big Shot wie Chauncey Billups. Er hat keinen wunderschönen Fade-Away-Jumper wie das German Wunderkind Dirk Nowitzki. Nein, er ist einfach königlich, Lebron “King” James. Seine Statistiken in dieser Saison sprechen für sich: im Schnitt 28,4 Punkte, 7,6 Rebounds und 7,2 Assists pro Spiel. Kein Wunder also, dass die Cavs neben den Lakers aus L.A. als die Topfavoriten auf den NBA-Titel angesehen werden, denn im Moment ist es nahezu unmöglich, sich vorzustellen, Cleveland mit einem King James in dieser Form verlieren zu sehen.
Eine Legende “in the making”?
Dass der Weg von James ihn in naher Zukunft zum MVP-Award führen würde, war den meisten Experten schon vor seinem ersten NBA-Spiel klar. Trotzdem musste er sich in den ersten Monaten erstmal an die Situation gewöhnen, schon in diesem frühen Stadium seiner Karriere in einem Zug mit Magic Johnson, Larry Bird und Michael Jordan genannt zu werden. Trotz des Rookie of the Year-Award im Jahr 2004 wurden einige Zweifel laut, ob er wirklich das Erbe von Jordan antreten könne und dem NBA-Comissioner David Stern zu einem neuen Quotenhoch verhelfen würde. Unvergessen dabei auch sein Airball bei einem Freiwurf gegen Indiana, was ungefähr so war, als würde man im Fußball bei einem Elfmeter das Tor weit verfehlen. Wer jedoch gedacht hatte, dass der Stern des Lebron James genauso schnell sinken würde, wie er emporgeschossen war, wurde in den nächsten Jahren eines Besseren belehrt:
Die Playoff-Einzüge in den letzten vier Jahren für die Cavs sprechen eine eindeutige Sprache, dabei unter anderem der Finals-Autritt 2007, wo man allerdings gegen die routinierten San Antonio Spurs nicht den Hauch einer Chance hatte. Letztes Jahr war man wiederum kurz vor dem Einzug in die Finals, bevor man sich in Spiel 7 der Eastern Conference Finals den Boston Celtics geschlagen geben musste. Die positive Entwicklung des vor einigen Jahren als Kanonenfutter verspotteten NBA-Vereins ist untrennbar mit der Entwicklung von Lebron James verbunden. Nachdem seine Scorer-Qualitäten schon allgemein bekannt und gefürchtet waren, hat er in den letzten beiden Jahren vor allem an seinem Pass-Spiel sowie an seinem Verteidigungsstil gearbeitet. Beim verbesserten Passspiel lassen sich eindeutige Ähnlichkeiten mit dem großen Michael Jordan erkennen. MJ erkannte Anfang der 90iger Jahre, dass er zwar Scorer- nach Scorer-Titel einfahren konnte, den Chicago Bulls mit dieser Spielweise allerdings nicht zu einem NBA-Titel verhelfen konnte. Erst dank Phil Jackson, dem aktuellen General Manager der Los Angeles Lakers, und seiner Taktik konnte Jordan seinen Mitspielern helfen, besser zu werden, und formte die Bulls zu einem Champion. Man könnte fast meinen, James will auf dessen Spuren wandeln (abgesehen derselben Rückennummer), denn wer will schon als One-Man-Show in Erinnerung bleiben, der sein Team zu keinem Titel geführt hat. So lässt sich in dieser Saison deutlich erkennen, dass seine Mitspieler einen Schritt nach vorne gemacht haben, gut eingesetzt und angeführt von James. Neben seinen Leader- und Pass-Fähigkeiten ist auch seine Verteidigung zu einer weiteren Waffe geworden. Nicht ohne Grund wurde er in diesem Jahr auf Platz 2 bei der Wahl zum “Defensive Player of the year” gewählt, nur geschlagen von “Superman” Dwight Howard.
Olympia als wichtiger Knackpunkt in der Karriere
Vor dieser Saison gab es einen weiteren wichtigen Punkt in der Karriere des “Chosen One”, die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking. Als indirekter Nachfolger des legendären Dream Teams waren die Erwartungen groß, und da neben James auch die anderen Superstars wie Kobe Bryant und Dwayne Wade mit von der Partie waren, wollte man sich nicht mit weniger als der Goldmedaille zufrieden geben. Für die USA wurden die Spiele zu einem Siegeszug und man gewann nach einem hochklassigen und dramatischen Finale gegen Spanien Gold. Für Lebron persönlich war es der erste Titel als Profi-Sportler, und gepaart mit den einmaligen Erlebnissen in China sowie dem Training mit Kobe Bryant, einem der besten Verteidiger auf diesem Planeten, war sein Anreiz, seine Konzentration und sein Siegeswille vor dieser Saison so groß wie noch nie, immer mit dem Ziel vor Augen, einen Champion-Ring zu gewinnen.
Unheimliche Heimstärke als Schlüssel für den Erfolg
Angestachelt von einem famosen Lebron James haben sich die Cleveland Cavaliers in diesem Jahr langsam aber sicher zu dem Favoriten gemausert und lösten gegen Ende der regulären Saison sogar noch die Lakers als bestes Team der Liga ab, mit 66 Siegen bei nur 16 Niederlagen Noch bemerkenswerter als diese Quote ist die Heimspielstatisik: In 41 Spielen in der heimischen Quicken Loans Arena (“The Q”), verlor man nur zwei Spiele, ansonsten war man zu Hause eine Macht, an der sich die ein oder andere Topmannschaft die Zähne ausgebissen hat.
Traditionell ist die reguläre Saison für die besten Mannschaften nur eine Art Warm-Up für die Playoffs. Denn erst dann zeigt sich, wie nervenstark eine Mannschaft wirklich ist, wovon nicht nur Dirk Nowitzki seit zwei Jahren ein Lied singen kann, als Dallas als beste Mannschaft in der ersten Playoff-Runde an den Golden State Warriors scheiterte.
James und die Cavs wollten dieses Schicksal natürlich vermeiden, und der “King” enttäuschte seine Fans nicht. In Runde 1 mussten die Detroit Pistons, immerhin Meister der Saison 03/04, erkennen, dass ohne Topleistungen am laufenden Band kein Kraut gegen die Cavs gewachsen ist. Und auch die Hawks aus Atlanta blieben in den ersten drei Spielen gegen Cleveland nahezu ohne Chance, und es wäre nicht verwunderlich, wenn der nächste Sweep aus Sicht von James und seinen Männern anstehen würde. Und danach? Im Moment lässt sich noch nicht sagen, wer im Duell Boston gegen Orlando siegreich sein wird, allerdings wird bezweifelt, ob der amtierende Meister ohne Kevin Garnett die Cavs besiegen kann oder ob Superman Howard, Rashard Lewis und Hedo Turkoglu wirklich Lebron James aufhalten können. Damit würde dem erwarteten Traumfinale Cleveland gegen Los Angeles und dem Duell der beiden größten Superstars der NBA James gegen Bryant, dem MVP von 2009 gegen den MVP von 2008, nichts im Wege stehen, wobei die Lakers erstmal Houston besiegen und dann vermutlich gegen die Bad Boys der Denver Nuggets um den Finals-Einzug spielen müssen, es sei denn die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki schaffen noch ein Comeback.
Egal gegen wen die Cavaliers auf ihrem Weg zum Titel antreten müssen, die Entwicklung des diesjährigen MVP ist noch lange nicht zu Ende, und man darf gespannt sein, ob King James am Ende seiner Karriere wirklich in einem Atemzug mit Magic, Jordan und Bird genannt wird, oder ob nur sein Airball-Freiwurf in Erinnerung bleibt.
Photo Quelle/Copyright: Keith Allison, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
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