Letzter Freitag: Da hat man mal einen freien Tag bzw. ein verlängertes Wochenende, gönnt sich ein Frühstück mit frischen Brötchen und bekommt dazu Werbung des Bundesfinanzministeriums. Werbung auf Brötchentüten ist nicht ganz neu; letztes Jahr gab es Werbung für Agrarrohstoff-Fonds:
“Freuen Sie sich über steigende Preise? Alle Welt spricht über Rohstoffe – mit dem Agriculture Euro Fonds haben Sie die Möglichkeit an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren.”Â
Das Frühstück war bereits beendet, als ich genau bemerkte, wie die Brötchentüte bedruckt ist, sonst wäre mir wahrscheinlich vor Schreck das Messer aus der Hand gefallen und / oder das Brötchen im Hals stecken geblieben.Vorderseite: Sie fragen: Was tut der Staat gegen die Krise? Warum müssen Banken gerettet werden? Wie hilft der Staat Familien in der Krise?
Rückseite: Wir antworten: Das Bundesfinanzministerium gibt Ihnen Antwort.
Hintergrund: Mein Küchentisch.
Fuer-alle-da.de www.fuer-alle-da.de
Ja, immerhin: Drei berechtigte Fragen sind in drei verschiedenen Schrifttypen auf die Brötchentüte aufgedruckt. Das ist bestimmt ein lukratives Konjunkturprogramm für PR-Spezialisten, Grafiker und Druckereien – auf Kosten der Steuerzahlerin / des Steuerzahlers (auf Kosten der nächsten Generation würde es in anderem Zusammenhang wohl auch heißen). Danke, Herr Minister.
Da schaue ich doch gleich mal rein. Und dort stoße ich auf der Startseite auf ein Video mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (Hintergrund: ein mittelalterlicher Folterkeller unter dem Regierungsviertel ?). Mit dem uns allen bekannten besorgten Gesicht macht sich der Minister kurz Gedanken darüber, wie es mit der Finanzkrise weitergehen wird:
“Die ehrliche – wenn auch nicht befriedigende – Antwort lautet: Ich weiß es nicht. Und ich kenne auch niemanden, der es genau beantworten kann. Wenn Sie jemanden kennen – der könnte einen Beratervertrag in meinem Ministerium bekommen.”
Was der Minister weiß und was er nicht weiß und was in seinen Kräften steht, möchte ich gar nicht im Detail beurteilen. Wenn die erste Politikergenation nach dem Zweiten Weltkrieg aus Politikerinnen und Politikern mit seinem Wissen und seinem Nichtwissen und seinen Kräften bestanden hätte, und diese hätten ein zerstörtes, ruiniertes und besetztes Land wieder aufbauen müssen … Darüber möchte ich gar nicht im Detail nachdenken.
Wie kommt die Bäckerin zu den Brötchentüten? Samstag, Sonntag, und Montag: Verschiedene Angestellte wissen es nicht. Dienstag: Die Inhaberin seiß es nicht. Die Brötchentüten kommen einfach so. Hoffentlich bekommt sie dann Preisnachlass auf die Brötchentüten – nein, die Brötchentüten kosten sowieso nichts. Und wenn die Ministeriumstüten alle sind, kommen als nächstes Tüten, die mit Werbung eines Mobilfunkanbieters bedruckt sind – sagt sie, ja, wirklich.
Also das mit der Werbung auf Brötchentüten scheint in Frankfurt ja nun die ultimative Werbeidee zu sein.
Da hat der gute Herr Steinbrück doch glatt die tolle Idee von Ackermann übernommen auf Brötchentüten zu werben.
Wie antwortete Sahra Wagenknecht einmal auf die Frage mit wem sie lieber über die Finanzkrise reden wolle, mit Herrn Steinbrück oder Herrn Ackermann ? Anwort: Natürlich mit Herrn Ackermann, und nicht mit seinem Handlanger.
Sorry, da bleibt mir mein Brötchen im Hals stecken !