In den letzten Wochen war die internationale Wirtschaftspresse voll von Meldungen über Green Shoots, gemeint sind erste Anzeichen einer Belebung der Weltkonjunktur. Die Banken legten Quartalszahlen vor mit ordentlichen Gewinnen. Auch internationale Organisationen wie die OECD, die Fed in den USA oder Politiker< griffen gerne diese Hoffungen auf. Neben der Schweinegrippe scheint eine Wahrnehmungsstörung über den Ernst der Lage die Öffentlichkeit zu plagen. Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus ...
Frühjahraufschwung bleibt weitgehend aus
Es gehört zum üblichen Jahreszyklus, dass mit Beginn des Frühjahrs die Wirtschaftstätigkeit sich belebt. Der Bau, der durch eine Winterpause, wieder in Schwung kommt, der Beginn neuer Investitionsprojekte, eine Welle von Auslandsaufträgen im Rahmen großer internationaler Messen wie die CeBit oder die Hannover Messe wirken sich positiv auf den Auftragseingang aus. Dies führt normalerweise auch zu einer Belebung des Arbeitsmarktes.
Leider sind in diesem Jahr die Anzeichen alles andere als rosig ausgefallen. Man mag die aktuellen Monatszahlen drehen und wenden wie man will, von einem Frühjahrsaufschwung ist weltweit wenig zu erkennen.
In den USA verschärft sich weiterhin die Rezession
Auch in den USA steigt die Arbeitslosigkeit deutlich weiter an. Wenn der Rückgang im April insgesamt mit etwas über 500.000 dort weniger drastisch als im Monat März mit zuvor rund 650.000 ausfiel, dann liegt dies an einem Anstieg der Beschäftigung im öffentlichen Sektor im Rahmen der Konjunkturprogramme. Im Privaten Sektor (private business sector) lag der Anstieg noch bei rund 600.000 neuen Arbeitslosen. Hinzu kommt, dass die derzeitige Wirtschaftskrise am Arbeitsmarkt in den USA ein atypischen Verlauf nimmt. Anstelle eines jetzt normalerweise einsetzenden forcierten Strukturwandels, der durch einen Anstieg der Arbeitslosen einerseits aber zugleich einem wachsenden Zugang an Beschäftigungswilligen zum Arbeitsmarkt gekennzeichnet wäre, bleibt dieser Zugangseffekt aus. Offenbar nimmt die Zahl der Personen, die sich ganz vom Arbeitsmarkt zurückziehen parallel mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu. Dies senkt den Anstieg der Arbeitslosenquote gegenüber einem normalen Konjunkturzyklus, aber ist nicht weniger bedrohlich, da damit das Arbeitskräftepotential insgesamt schrumpft, das aber irgendwie versorgt werden muss. Das mag teilweise auch demographische Gründe haben, da jetzt die Zeit beginnt in der die Baby-Boomer in den USA sowieso aus dem Arbeitsprozess ausscheiden würden. Wenn aber zahlreiche Baby-Boomer jetzt vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden, weil sie sich keine Chance mehr ausrechnen für ein paar Jahre vor der Rente noch in den Arbeitsprozess zurückzukehren, dann werden sie zukünftig auch nicht mehr bei einem potentiellen Aufschwung als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.
Baby-Boomer gehen vorzeitig in den Ruhestand
Diese Erfahrungen einer vorzeitigen Frühverrentung bzw. dauerhaftes Absinken auf Hartz-IV-Empfängerniveau ist in Deutschland ja hinlänglich bekannt. Der erneute Rückgang der Konsumausgaben um 0,4 Prozent statt des erwarteten Anstiegs um 0,1 Prozent in den USA im April zeigt ebenfalls, dass die Leute aufgrund der Kreditklemme bei Konsumentenkrediten, hohen Kreditzinsen, schlechten Perspektiven wieder am Arbeitsmarkt eine Chance zu bekommen zwangsläufig den Gürtel noch enger schnallen als zuvor. Die im Zuge der Rezession freigesetzten Arbeitskräfte im privaten Sektor können auch nicht ansatzweise durch die derzeit wirksam werdenden Effekte der Konjunkturprogramme aufgefangen werden. Dazu sind die in diesem Jahr vorgesehenen Mittel auch viel zu gering. Sie liegen nach Angaben des CBO bei rund 150 Mrd. US-Dollar im Jahr 2009 und werden erst im Jahr 2010 mit rund 500 Mrd. US-Dollar einer größere Wirkung entfalten können. Davon ist der überwiegende Teil auch für sozialpolitische Aufgaben vorgesehen und führt keineswegs zu öffentlichen Investitionen. Von daher sollte niemand mit einem deutlichen Aufschwung der US-Wirtschaft rechnen können. Green shoots hin oder her.
Ist der US-Finanzsektor bereits stabilisiert?
Der Stresstest hat zumindest trotz aller Versuche die Ergebnisse schönzufärben in den USA gezeigt, dass die größten US-Banken weiterhin den Herausforderungen der Wirtschaftskrise mit ihrer derzeitigen Kapitalausstattung kaum gewachsen sind und voraussichtlich auf weitere staatliche Hilfe und Unterstützung durch die Zentralbank angewiesen sein werden. Die US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae weisen immer noch je Quartal Verluste in zweistelliger Milliarden Höhe aus. AIG der bereits verstaatliche Versicherer stolpert von einem Defizit zum nächsten. Der Geithner Plan zum Abbau der Toxic assets kommt ebenfalls nicht recht voran.
Die US-Automobilindustrie steht vor einer drastischen Schrumpfkur
Chrysler befindet sich in der Insolvenz. Ob Fiat ein rettender Engel für Chrysler sein kann erscheint mehr als zweifelhaft. GM steht kurz vor der Insolvenz. Damit bricht ein wichtiges Rückgrad der US-Wirtschaft zusammen. Die Arbeitslosenzahlen allein durch diese zwei Firmeninsolvenzen dürften in den kommenden Monaten drastisch ansteigen, da sie auch eine ganze Reihe von Zulieferern mit in den Abgrund reißen werden. Selbst eine Verstaatlichung von GM würde hier wenig ändern können. Will die US-Regierung nicht fortlaufend Milliardenbeträge in das marode Unternehmen stecken, dann sind umfangreiche Werksschließungen und ein drastischer Kapazitätsabbau kaum zu vermeiden. Die einzigen green shoots, die es voraussichtlich dann geben wird, sind das Unkraut, dass sich auf den Fabrikgelände der stillgelegten Werke breit macht. Das Ende der Wirtschaftskrise in den USA ist derzeit nicht abzusehen mit all seinen negativen Folgen für die übrige Weltwirtschaft.
Bloomberg
Zahl der Arbeitslosen in den USA unerwartet stark angestiegen. Als Ursache werden Entlassungen bei Chrysler und dessen Zulieferern angesehen
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=a5aNqahBpCaA&refer=home#