Ertönt die Wahlkampfglocke, ist die Freiheit des umworbenen Wählers ungewiss. Letzte Woche stürzten sich diverse Politiker in puren Aktionismus, als sie verkündeten, Paintball- und Laserdomspiele verbieten zu wollen, da diese „das Töten simulieren“, wie Wolfgang Bosbach (CDU) erklärte. Vermutlich hatten die beteiligten Herrschaften nicht mit einer derart negativen Resonanz gerechnet: Im Internet wimmelt es nur so von Beiträgen von wütenden und entsetzten Paintball-Spielern und Personen, die sich mit ihnen solidarisieren.
Wie etwa die Kitesurfer-Community Spotspy, die sich mit einer Petition gegen das geplante Waffengesetz (zu dem das besagte Verbot fallen würde) richtet. In einigen TV-Interviews traten außerdem Betreiber von Paintball-Anlagen besorgt auf. Besorgt, um ihren Arbeitsplatz – denn sollte das Verbot tatsächlich in Kraft treten, verlieren sie ihren Job.
Doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer: Wegen dem massiven Druck der Öffentlichkeit rudert die große Koalition zurück – vorerst. Statt Paintball-Spieler mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro zu bestrafen und die Schießanlagen übereilt zu schließen, möchte sie nun einen Entschließungsantrag, der vorsieht, die Sportart genauer zu prüfen um dann entscheiden zu können, ob und welche Maßnahmen erforderlich sind. CDU-Innenpolitiker Reinhard Grindel begründete den plötzlichen Sinneswandel gegenüber SpiegelONLINE wie folgt: „Wir wissen momentan noch zu wenig darüber, wie gefährlich das Spiel ist.“
Politiker: Die ewig Ahnungslosen
Grindel hat mit seinem Satz die Grundeinstellung der derzeitigen Politik – vor allem nach dem Amoklauf in Winnenden (das verschärfte Waffengesetz wird als Konsequenz dessen betrachtet) – offenbart: Handlungszwang ohne Sinn und Verstand von einem Haufen offensichtlicher Dilettanten, die nicht die leiseste Ahnung haben, worüber sie urteilen, geschweige denn was sie zu verbieten versuchen. Da möchte man liebend gern den Kabarettisten Dieter Nuhr zitieren: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal die Fresse halten.“
Leider ist nicht auszuschließen, dass die Große Koalition nur des Wahlkampfes wegen von ihrem Vorhaben abgewichen ist. Schließlich möchten die Parteien sicherlich keine Stimmen wegen ihrer unüberlegten Handlungen verlieren. Bleibt zu hoffen, dass sie dennoch ein paar Kreuze weniger bekommen und künftig ihre Blödsinnsverbote in der Kneipe ausdiskutieren, statt sie ernsthaft durchbringen zu wollen.
Bild: (C) Warchant / stock.xchng
Absolut treffend dargestellt! Solch eine Riege von politischen Stümpern hatten wir noch nie. Schlimmer aber ist, dass die Politiker von menschlichem Format im Ruhestand sind und nur hier und da mal gehört werden.