Zisch, bruzel, bang, Abfahrt. Rauschen und Röhren. Ein Rucksack neben mir. Mein Rucksack neben mir. Größer als ich es bin.
Ich sitze zwischen James Joyce Lesern und weißen Nietengürtelträgerinnen. Alle auf dem Weg. Vielleicht nach Hause. Vielleicht in die Ferne. Urlaub, Arbeit.
Und ich? Ich bin auf dem Weg ins Nirgendwo. Deutschland mit dem Dauer-Spezial. Dauernd speziell. Bin nicht vielmehr als eine Nummer auf meiner Bahn-Card.
“Darf ich die behalten? – Natürlich nur wegen dem Foto….”
Auf dem Foto sehe ich aus wie der billige Abklatsch von Bill. Schwarze Haare, schwarze Augen, ich böses Mädchen, ich. Mein einziger Trost: Als ich so böse war, waren Tokio Hotel und Konsorten noch im Sandkasten, Sandburgen bauen.
“Gib mir die Hand, ich bau dir ein Schloss aus Sand. Irgendwie, irgendwo, irgendwann….”
Irgendwo, vielleicht irgendwann.
Wo ist irgendwo?
Ich auf dem Weg ins Nirgendwo.
Ohne Plan, ohne Sand, ohne Sinn, ohne Hand. Und während die Landschaft an mir vorbei rauscht, vorbei zieht, ziehe auch ich an mir vorbei.
Werde älter und erwachsener mit jedem Kilometer. Alleine. Nur der Rucksack als Gefährte.
Ich Frodo. Er Sam.
Wir auf dem Weg nach Mordor.
Mit dem beschissenen -ring. Der schwersten Last der Welt.
“Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden. Ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden.”
Mit Alltagslasten, Leichen im Keller. Gewölbekellern, mit Leichen, die mich unter sich begraben.
Als einziger Ausweg die Deutsche Bahn.
Mehdorn als Messias.
Deutschland mit dem Dauer-Spezial, dauernd speziell. Auf der Suche nach irgendwo.
Irgendeiner Seele, “ach in meiner Brust”.
Irgendwas Besonderen.
Ich als Teil der “Liga der außergewöhnlichen Gentlemen” Mehr Eier in der Hose als ihr alle zusammen. Ich bin speziell!
Ich sitze in speziellen Zügen, mit unspeziellen Menschen, die alle ein spezielles Ziel verfolgen. Mich verfolgen. Mich und meine spezielle Leere im Kopf.
Meine Bahn-Card, mein Anker. Als Erinnerung. Den Sinn, den Sand und Hände finden.
Die mich halten.
Mehr von mir gibt es auf meinem Myspace-Blog.
Photo/Quelle/Copyright: BirgitH, via pixelio.de
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