Wörter wie “abgespaced”, “geflashed” oder “dissen” kennen wohl die meisten von uns. Wir verstehen deren Bedeutung und haben sie teils in unser eigenes Lexikon aufgenommen – und das auch ohne sich selbst noch im zarten Teeniealter zu befinden. Jugendsprache, das ist ein weites Feld, geprägt von Vielfalt statt Homogenität. Ihre unzähligen Varietäten sind ständig im Wandel, ständig in Bewegung, wie die jungen Menschen eben.
Definitionsversuche gibt es zuhauf, doch wirklich befriedigend sind wohl die wenigsten. Auf einen Nenner zu bringen, was die heranwachsende Generation hervorbringt, ist eben nicht ganz so einfach. Kein Wunder, dass sich Versuche ihren äußerst kreativen Sprachschatz zu konservieren und zu deuten nicht nur in einschlägigen Werken wie “Jugendsprache unplugged” wiederfinden, sondern auch so manch Blüte im Internet treibt. Denn bei Bezeichnungen wie “Ritzenflitzer”, “Mafiatorte” oder “Heuchlerbesen” wird die Sache mit dem Verständnis naturgemäß um einiges schwieriger.
Für Wortakrobaten und solche, die es werden wollen
In solchen Fällen könnte zum Beispiel “mundmische.de” weiterhelfen. Sprache zum Selberbasteln lautet hier das Credo. Denn das Online-Wörterbuch für Gossenslang, Umgangssprache, Weisheiten und Sprichwörter entsteht durch die Nutzer selbst. Wer braucht schon einen offiziellen Duden, wenn es doch ganz von alleine gehen und die “Weisheit der Vielen” einmal mehr genutzt werden kann. “Jeder kann hier seinen Wortschatz verbreiten und erweitern”, preisen nämlich, getreu diesem Gedanken, auch die Macher des privaten Projekts Tobias Miesel, Karsten Gallinowski und Sebastian Kriese schon auf ihrer Startseite an und laden alle “Wortakrobaten” und solche, die es werden wollen, zur kreativen Sprachschlacht samt dazugehöriger Aufklärung ein.
Mehr als 28.000 Einträge, fast 700 Bilder und knapp 17.000 Stichwörter finden sich mittlerweile auf der übersichtlich gestalteten Plattform. Um die 5000 Benutzer haben sich seit 2006 dem Projekt verschrieben und geben in über 9000 Kommentaren, an die 100.000 Bewertungen und mit Hilfe zahlreicher Statistiken ihre ganz persönlichen Trends zum Besten. Neben dem klassischen Lexikon gibt es allerdings noch mehr zu entdecken. Die hauseigenen Charts geben schnell Aufschluss über die Top-Begriffe der letzten Monate. Eine Liga zeigt die aktivsten und besten Einträge der einzelnen “Mundmischer” auf und unter “Brandneu” gibt es die aktuellsten Ideen frisch von deutschen Schreibtischen.
Also, alles Döneria, oder was? Sicher nicht. Immerhin gäbe es da ja noch die Sache mit dem “Gesichtskino”, dem “Noppenkostüm”, den “Spaßbremsstreifen” oder der “alternativen Bezahnung”. In diesem Sinne: dort werden Sie geholfen…
Das Lustige an der Geschichte ist, dass die meisten der dort genannten wörter lediglich von Pseudojugendlichen kreiert wurden. lediglich eine Ansamlung von möchtegern-jugendkultur. Ich kannte und kenne keinen Jugendlichen, der auch nur ansatzweise irgendwas davon verwendet. Meistens ist man mit dem urban dictionary besser beraten, auch wenn dort ebenfalls viel Unsinn steht.