Behinderte Kongolesen finden Wege zum Erfolg

Artikel von Katharine Ganly vom 19.05.2009, 14:16 Uhr im Ressort Wirtschaft, Internetkultur | No Comments

In der demokratischen Republik des Kongo ist das Leben für jemanden mit einer körperlichen Behinderung voller Schwierigkeiten. Ohne staatliche Unterstützung und Aussichten auf Arbeit, Individuen mit einer Behinderung sehen sich zahllosen Herausforderungen gegenüber.

Cédric Kalonji, kongolesischer Journalist und Manager des [1] Congoblog “Ba Leki” berichtet regelmäßig über die Situation der Behinderten und Benachteiligten in seinem Land und versucht hierbei nicht die Schwierigkeiten, die sie überwinden in den Vordergrund zu stellen, sondern konzentriert sich auf die Beharrlichkeit und den Unternehmensgeist solcher Individuen im Angesicht der Mühsal.

Congoblog berichtet von [2] Mariam Mapoyis Situation und beschreibt die behinderte Frau von Lubanga mit den Worten:

“Ich tue was ich kann um sicherzustellen, dass meine Kinder zumindest mit dem Minimum versorgt werden, aber es ist nicht leicht… Ich wache jeden Morgen um 6 Uhr auf und nehme die Piroge über den Flus (zu dem rechten Ufer) um von Handwerkern, Geschäftsleuten, oder andern politischen Autoritäten zu betteln. Meine Kinder kommen mit mir, da sie mein Fahrrad anschieben müssen und teilen mit mir was mir von den Leuten zu essen gegeben wird.”

Congoblog fügt zu ihrer Geschichte hinzu:

“Was diese Frau nicht sagt ist, dass keines ihrer drei Kinder zur Schule geht. Sie können weder lesen noch schreiben. Sie ist sich bewusst was für eine düstere Zukunft sie erwartet, aber sie weiß auch, dass sie keine Wahl hat in einem Land in dem die Eltern für die Ausbildung ihrer Kinder selbst zahlen müssen, der Staat hat sich von dieser Verantwortung vor Jahrzehnten zurückgezogen. Und dies obwohl in der Konstitution unserer geliebten Republik geschrieben steht, dass eine grundlegende Ausbildung beides Pflicht und kostenlos ist.”

Mariam hingegen und viele wie sie, sind nicht bereit die Hoffnung aufzugeben und unternehmen aktive Schritte um dem Teufelskreis des Bettelns zu entkommen und unabhängig zu werden. Mariam hat sich in einem Trainingzentrum in Kisangani eingeschrieben, wo sie jetzt lernt zu nähen. Während sie sich noch im Training befindet wird sie weiterhin betteln gehen müssen, aber sie hofft, nach dem sie ihren Unterricht abgeschlossen hat an eine Nähmaschine zu kommen um sich selbst versorgen zu können und genug zu verdienen um ihre Kinder in die Schule schicken zu können.

In einem Land, in dem die Chancen auf Arbeit im besten Fall beschränkt sind - und in dem die Zugänglichkeit von Gebäuden oder Regierungsdiensten, was die Möglichkeiten für Menschen wie Mariam weiter einschränkt – nähen zu lernen, und jede andere Form von Handwerk, ist eine Möglichkeit für behinderte Kongolesen an ein unabhängiges Einkommen zu kommen und ein Leben zu führen in dem sie sich nicht auf die Almosen anderer verlassen müssen.

Früher dieses Jahr beschrieb die [3] ITNewsAfrica im Detail den Erfolg einer Gruppe behinderter Frauen, die ein ertragreiches Kunst- und Handwerksgeschäft aufbauten, das sie Shona Crafts nannten.

Shona Crafts wurde in Goma mit der Hilfe der Amerikanerin Dawn Hurley gegründet, und ist seither zu einer stabilen und erfolgreichen Einkommensquelle für die Frauen geworden. Diese Frauen erschaffen und verkaufen eine Reihe von per Hand gefertigter Kleidungsstücke, Taschen und andere Dinge über ihre [4] Website. Ihre Produkte, deren Ertrag 100% direkt an die Frauen geht, waren ein sofortiger Erfolg in den USA, dort wurden mehr als 100 Produkte allein auf Ebay verkauft. Ihr Erfolg ist ein bemerkenswertes Beispiel, wie das Internet genutzt werden kann um, auf andere Kontinente übergreifend, einen positiven Effekt für alle Beteiligten zu erzielen.

In den letzten Jahren wurde stufenweise mehr Bemühungen in Trainings und Ausbildungszentren, Shona Craft’s ähnlich, investiert.

Im August 2008 wurde das erste Trainingszentrum für Taubstumme, Espoir des sourds ((Taube Hoffnung) in Kisangani gegründet. Dieses Zentrum hält Näh- und Schreinerkurse ab und bindet ein zusätzliches PC Trainingsprogramm in ihren Unterricht mit ein. Einrichtungen wie diese, statten Individuen mit den Fähigkeiten aus, die es ihnen erlauben für sich selbst zu sorgen und sich in die Gesellschaft einzufügen. Anstatt als Last angesehen zu werden, wie es laut Ernst Mukuli, von der Syfia-Grands-Lacs, so oft der Fall ist:

“Die Gesellschaft sieht (die Behinderten) mit anderen Augen, sobald sie ein Handwerk erlernt haben.”

Studenten der Espoir des sourds (Tauben Hoffnung), wurde berichtet, machen das Beste aus dem Internet, indem sie sich mit anderen Taubstummen, Organisationen und Fördergruppen für Taubstumme in Verbindung setzen, durch ihr Internetcafe in Kisangani.

Im März 2009 bewilligte Handicap International UK beinahe 500,000 Pfund für ein einschliessendes Ausbildungsprojekt in DCR. Dieses Geld wird auf ein 3-jähriges Projekt verwendet werden, das darauf abzielt behinderten Kindern eine Grundausbildung zugänglich zu machen. Dies wird erreicht werden, indem die Anmeldungen von behinderten Kindern in staatlichen Grundschulen erhöht wird, und auch durch das Ausbilden der Lehrer in neuen Lehrmethoden, die speziell auf die Bedürfnisse behinderter Kinder zugeschnitten sind. Handicap International UK zielt darauf ab dem Bildungsministerium drei neue Bildungsstrategien, die die Rechte behinderter Kinder zum Inhalt haben, vorzulegen.

Aber behinderte Kongolesen haben neben dem Verfolgen einer Ausbildung und Trainings noch andere Wege gefunden einen Lebensunterhalt zu verdienen ohne auf Almosen angewiesen zu sein.
Seit den 1970igern müssen behinderte Menschen in der DRC keine Steuern mehr zahlen. Dies hat dazu geführt, dass viele behinderte Entrepreneurs aus ihren Rädern kreativen Nutzen ziehen, Congoblo berichtet:

“Ihr Geschäft besteht daraus Waren (wie Mehl, Öl, Fische oder Fleisch) von einer Seite (der Grenze) auf die andere zu transportieren. Geschäftsleute bedienen sich (der Dienste) der Behinderten um ihre Waren zu transportieren, da die Behinderten keine Steuern zahlen müssen. Behinderte werden beim überqueren der Grenze nicht durchsucht und müssen keine Dokumente vorweisen.”

Die Geschäftsleute zahlen weniger als sie sonst für den Transport ausgeben müssten und die Entrepreneure können unabhängig arbeiten und bekommen ein anständiges Gehalt für ihre Arbeit.

Congoblog fügt hinzu:

“Ein Einkommensverlust für die Finanzkasse, aber eine Möglichkeit zu überleben für die Behinderten, da das Einkommen dieser Aktivität genug ist um ihre Bedürfnisse zu decken.

‘Es ist uns lieber hier zu arbeiten, als in der Stadt betteln zu gehen’, meint Patrick (einer der Entrepreneure stolz. Er und seine Gefährten sind sich im klaren, dass es besser ist selbst klar zu kommen als auf eine hypothetische politische und wirtschaftliche Neugliederung ihres Landes zu warten.”

Zwei der ältesten Mitglieder der [5] ‘Staff Benda Bilili’, einer Gruppe von querschnittsgelähmten Musikern aus Kinshasa, trafen sich während sie Handelsgüter zwischen Kinshasa und Brazzaville transportierten.

Ein Musikblog aus Marseille namens [6] ‘KoToNTeeJ’ beschreibt den Inhalt ihrer Lieder:

“Coco Ngambali, Hauptauthor der Gruppe und Champion im Armdrücken, sag durch ihre Lieder nehmen sie die Rolle von Journalisten ein und sprechen zu denen die in Schachteln auf der Strasse schlafen und leben.”

‘Staff Benda Bilili’ üben im Zoologischen Garten von Kinshasa und spielen in örtlichen Bars sowie ausländischen Clubs, sie sind eine wahre Erfolgsgeschichte. Sie haben alle Barrieren überwunden und führen im Moment die Welt Musik Charts in Europa an. ‘Staff Benda Balili’ haben beim Crammed Discs Label unterschrieben und bereiten sich auf eine Europatour vor.

Während solche Beispiele wie Shona Crafts und Staff Benda Balili, vom Erfolg harter Arbeit und Hingabe sprechen, spielte in ihrer Entstehung auch eine Priese Glück eine Rolle. Man darf nicht vergessen, dass die Mehrheit egal wie sehr sie sich anstrengen immer noch ein Leben voller Elend und Handicap erwartet.

Wie Congoblog es ausdrückt:

“Wenn das Leben hart für die körperlich Gesunden ist, braucht man nicht lange darüber nachdenken wie es wohl mit dem Schicksal derjenigen aussieht, die mit einer Behinderung leben. Und natürlich kann man sich nicht auf den Staat verlassen, der abwesend, unverantwortlich und resigniert ist.”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die [7] Übersetzung erfolgte durch Veronica Bauer, Teil des “[8] Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.


Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de

Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2009/05/19/behinderte-kongolesen-finden-wege-zum-erfolg/

Links im Artikel:
[1] Congoblog “Ba Leki”: http://www.congoblog.net/
[2] Mariam Mapoyis: http://www.congoblog.net/kisangani-mendicite-pauvrete-et-precarite-quotidien-dune-femme-handicape/
[3] ITNewsAfrica : http://www.itnewsafrica.com/?p=2334
[4] Website.: http://shonacongo.vstore.ca/index.php/cName/shirts
[5] ‘Staff Benda Bilili’: http://www.crammed.be/staffbendabilili/
[6] ‘KoToNTeeJ’: http://www.kotonteej.com/?p=1165
[7] Übersetzung : http://de.globalvoicesonline.org/2009/05/19/behinderte-kongolesen-finden-wege-zum-erfolg/
[8] Project Lingua: http://globalvoicesonline.org/lingua/

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