Knallertechniken: Die Methoden moderner Psychotherapie

Das übliche Klischee von Psychotherapeuten beschränkt sich meist auf irgendwie grau wirkende, mit sparsamer Gestik und Mimik „Hm“ äußernde Figuren, die einen Schreibblock vor sich halten und oft wie Sigmund Freud eine Couch benutzen. Auf der muss der Patient dann liegen und über seine Kindheit und seine verkorksten Beziehungen sprechen,

Bunte_Murmeln.jpgDas übliche Klischee von Psychotherapeuten beschränkt sich meist auf irgendwie grau wirkende, mit sparsamer Gestik und Mimik „Hm“ äußernde Figuren, die einen Schreibblock vor sich halten und oft wie Sigmund Freud eine Couch benutzen. Auf der muss der Patient dann liegen und über seine Kindheit und seine verkorksten Beziehungen sprechen, was ihn – wie den frühen Woody Allen in seinen Filmen – nur noch neurotischer macht. Die Therapie dauert Jahre und benötigt mehrere fünfzigminütige Sitzungen pro Woche. Dass es inzwischen auch ganz anders hergehen kann, wenn man einen Therapeuten aufsucht, wissen demgegenüber nur wenige.  Ein aussagekräftiges Beispiel für moderne Methoden in der Psychotherapie sind beispielsweise die Impact-Techniken von Dani Beaulieu.

Lust und Spaß in der Therapie als Lernprinzip

Während einige ältere Ansätze in der Therapie und Beratung davon ausgehen, dass vor allem die Klärung der eigenen Kindheit und ihre Auswirkungen auf die aktuelle Beziehungs- und Lebensgestaltung wesentlich sind, betonen moderne Praktiker wie Danie Beaulieu den Lernprozess, der in einer Therapie stattfinden soll. Ausgehend von aktuellen Erkenntnissen der Neuropsychologie wird dabei vor allem das Lernen mit allen Sinnen angeregt, welche in den Therapieprozess miteinbezogen werden müssen, damit das Gehirn wirksam und effizient neue Erfahrungen und Erkenntnisse verankern kann. Weit über rein gesprächsbasierte Ansätze hinausgehend kommen deshalb verschiedenste Materialien und darstellerische Experimente zum Einsatz und ein besonderer Schwerpunkt ist deshalb auch Lust und Spaß am Therapieprozess. Denn positive Emotionen sorgen für eine bessere Einspeicherung von Informationen – ein Prinzip dass sich auch die Werbung zunutze macht, wie Beaulieu betont. Therapie soll kein trauriges Reden über drückende Probleme mehr sein, sondern humorvoll den Veränderungsprozess erleichtern.

Therapie mit Ziegelsteinen, Gummibändern – und benutzten Taschentüchern

Die Methoden die sich hieraus ergeben, setzen daher vor allem auf freudiges Experimentieren und die Symbolisierung von komplexen Problemen durch einfache Alltagsgegenstände. Dem kurz vorm Burnout stehenden Manager werden statt tiefschürfenden und komplizierten Hypothesen über Leistungsmotive hier lieber ein Zahnstocher und ein Ziegelstein gereicht. Der bei dem Versuch, den Ziegelstein zu stützen zerbrechende Zahnstocher symbolisiert wirksam und anschaulich die an die Grenzen gebrachte Belastungsfähigkeit. Auch Gummibänder können eingesetzt werden, beispielsweise um Paaren anschaulich aufzuzeigen, wie sie miteinander für Spannungen sorgen, wenn sie sich (symbolisch und tatsächlich) „in unterschiedliche Richtungen“ bewegen. Wundertüten und vor den Klienten benutzte (!) Taschentücher werden zur Auswahl angeboten um Jugendlichen klar zu machen, dass es in Sachen Konfliktlösung auch „auf die Verpackung ankommt“, dass man das, was man zu sagen hat, also nicht in ein benutztes Taschentuch (symbolisch für ein rotziges Verhalten) einwickeln sollte. Insgesamt setzen die mit einfachsten Mitteln umzusetzenden Methoden auf Anschaulichkeit, Überraschung, Spaß und die menschliche Freude am neugierigen Ausprobieren.

Integriert wird, was funktioniert

Die Impact-Techniken verstehen sich nicht im engeren Sinne als eine psychotherapeutische Schule und ordnen sich einer solchen sympathischerweise auch nicht zu. Während viele Therapieverfahren sorgfältig darauf bedacht sind, eine konsistente Theorie mit ganz spezifischen – eben schulentypischen – Praktiken zu verbinden, integrieren Impact-Techniken Interventionen aus verschiedensten wissenschaftlichen, therapeutischen und beraterischen Ansätzen wie zum Beispiel der Hypnose, der lösungsorientierten Therapie und Erkenntnissen der Lernforschung. Hauptaugenmerk gilt dabei der Frage, ob die eingesetzten Methoden für ein bestimmtes Problem Veränderungen produzieren können. Sofern ein Therapeut mit den Methoden Beaulieus arbeitet, braucht man also keine Angst vor einer Psychotherapie zu haben – im Gegenteil: man kann sich auf eine spielerische Entdeckung neuer Perspektiven und Lösungen freuen.

Bildquelle: pixelio.de (BirgitH)

Buchempfehlung:

Beaulieu, Danie (2005): Impact-Techniken für Psychotherapie. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag. ISBN (13): 978-3-89670-444-3

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  1. um ehrlich zu sein, wäre es für mich gar nicht so wesentlich, ob ich spaß und lust an der therapie hätte, wenn ich denn eine in anspruch nähme. denn in aller regel sind die menschen, die einen therapeuten in anspruch nehmen, schon an die grenzen ihrer belastbarkeit/ ihrer selbsthilfe angelangt. und da ist es dann, so glaube ich zumindest, viel eher angebracht, wenn der therapeut, den ich aufsuchte, mich in/ mit diesem notfalle ernstnähme und mir eine stütze ist, sich also auf mich einließe.

    und ich glaube, diese ganze spaßkultur, wenn die dann auch noch in die psychotherapie hinein gedoktort wird, das würde mich schon sehr nerven. dieser ewige zwang zum spaß – der ist schon allein ein streßfaktor.

    nein, ich habe im weitesten sinne im sozialbereich zu tun, praktisch so wie theoretisch, und bin damit auch oft in die nähe des “psycho-bereiches” gekommen. (ich möchte das hier anonymerweise nicht näher bezeichnen.) aber über die jahre hat sich mir ein bild von der psychotherapie gebildet, welches mich mit der zeit immer skeptischer werden ließ dieser gegenüber. und ich nehme einmal diese gelegenheit wahr, um diese aus der praxis gewonnenen (also empirischen) erfahrung hier vorzutragen. in der hoffnung, damit einen praktiker vor mir zu haben. was mich zunehmend stutzig macht und mich zweifeln läßt am psychotherapiekonzept, das ist die katagorisierung der menschen. also das diagnosesystem. die einteilung der psychischen krankheiten.
    ich hatte über die jahre meiner beruflichen praxis mit vielen, vielen menschen schon zu tun. viele davon in schwierigen lebenslagen, viele auch, von denen ich vermuten würde, daß sie psychisch auch angeschlagen waren oder sogar bereits krank. manche von diesen waren auch mit einer diagnose “etikettiert”, einige sogar mehrfach mit verschiedenen “etiketten” versehen. ich habe nicht psychologie studiert, bin nur weitläufig fachlich damit vertraut, aber nicht im engen sinne. aber ich habe etliche male feststellen müssen, daß die therapien keineswegs einen guten einfluß hatten, mitunter WEGEN der “etikettierungen”. die klienten von mir wurden so noch zusätzlich belastet, in einrichtungen wurden sie nicht einmal richtig betreut, sondern lediglich “verwahrt”, was oft genug einen drehtüreffekt nach sich zog. denn drinnen waren sie wenigstens “geschützt”, brauchten für nichts verantwortung übernehmen, außer für sich selbst, waren unter menschen, wenn auch unter ebenso kranken. etc.pp. alles zweifelhafte positiveffekte, die aber nicht zur bewältigung des lebens “draußen” beitrugen.
    viel wesentlicher zweifele ich aber an dem allgemeinen menschenbild von psychologen. einfach aus diesem grunde, weil das psychotherapie-system, wenn man es denn als system verstehen kann, ausschließlich in eine negative richtung zielt. negativ im sinne der einordnung des menschen, der sich in sie hineinbegibt. die erziehung/ bildung aber ist aber schon lange lange auf dem wege weg von der defizitausrichtung. mittlerweile kommt dies auch in der praxis an, nicht nur in der theorie. im kleinkindbereich ist dies überhaupt schon sehr lange der fall, aber mittlerweile ist auch die förderkultur auf dem wege in die oberstufen der bildungssysteme, selbst in den hauptschulen. aber weg vom exkurs. was ich meine: ich grüble schon ein weilchen, warum die psychotherapie noch immer an einem doch offensichtlich veralteten kategoriensystem festhält. wenn ich vergleiche mit anderen bereichen, erscheint mir der psychotherapiebereich ejdenfalls als hoffnungslos veraltet. es mag ja sein, daß einige menschen, darin einen halt finden. oft genug aber habe ich es erlebt, daß das gegenteil eintrat. schon angeschlagene menschen verfingen sich erst recht in den netzen der psychotherapeutischen terminologie und kategorien und fanden schließlich und endlich nicht mehr so recht in das normale leben zurück, richteten sich also darin ein, in den diagnosen, die amn ihnen stellte, nutzten sie bspw. als selbstrechtfertigung.

    aber ich will das gar nicht weiter ausführen, muß auch wieder an meine arbeit.

    es sind dies jedoch gedankengänge (nicht abgeschlossene), die ich ihnen, herr baumann, einmal ans herz legen würde. ich schätze ihre beiträge hier. nehme sie gerne zur kenntnis. sie tangieren oft genug auch meinen aufgabenbereich, bzw. bereichern ihn durch die argumente, die sie hier zur diskussion stellen.

    (falls flüchtigkeitsfehler im text enthalten sind, bitte ich, diese zu entschuldigen, da ich in eile schreibe)