Funktionale Medizin, die Rettung des Gesundheitswesens (II)

Dr. Klaus-Dietrich Runow, der Vorreiter der neuen funktionalen Medizin im deutschsprachigen Raum, einer Medizin, die für uns alle die Hoffnung auf ein langes Leben ohne Krankheit und Siechtum mit sich bringt sowie für das Gesundheitswesen endlich wieder die Bezahlbarkeit, nennt sein famoses Buch “Wenn Gifte auf die Nerven gehen” einen

harrym1.jpgDr. Klaus-Dietrich Runow, der Vorreiter der neuen funktionalen Medizin im deutschsprachigen Raum, einer Medizin, die für uns alle die Hoffnung auf ein langes Leben ohne Krankheit und Siechtum mit sich bringt sowie für das Gesundheitswesen endlich wieder die Bezahlbarkeit, nennt sein famoses Buch “Wenn Gifte auf die Nerven gehen” einen bloßen Ideen-Ratgeber. Er berichtet, dass jeden Tag weltweit in den Naturwissenschaften und der Medizin rund 6.000 neue Publikationen erscheinen, weshalb er hier nur eine begrenzte Zahl von Aspekten aus dieser gewaltigen Informationsflut herausgreifen kann.
Ich kann unter den allesamt spannenden Themen seines Buches nur einige wenige anreißen, die indes von besonderem theoretischen und praktischen Wert für die meisten am Erhalt ihrer Gesundheit interessierten Leser sein sollten.

Das persönliche Risikoprofil

Der Einstieg in die richtige funktionalmedizinische Befassung mit dem Menschen geschieht in der Regel nicht erst, wenn er bereits an den Folgen von Krankheiten leidet. So früh wie irgend möglich erstellt der funktional orientierte Mediziner dem Ratsuchenden sein persönliches Risikoprofil. Wir Menschen sind zwar in vielfacher Hinsicht gleich, haben einen Kopf, zwei Arme und Beine, einen allen andern Menschen gleichen Weg der Verstoffwechslung unserer Nahrung und nutzen im Wesentlichen denselben Satz an Nähr- und Vitalstoffen, um unsere körperlichen und mentalen Funktionen in Gang zu setzen. Als Produkte der Evolution unterscheiden wir uns aber alle voneinander in vielen Belangen. Letztlich ist jeder historische Mensch ein Unikat. Grund dafür sind die unterschiedlichen Gene. Diese schreiben in unserem Erbgut nicht nur unsere Talente fest, die wir im Leben ausbauen können. Sie legen auch fest, welche Krankheiten im Erbgut als Möglichkeiten angelegt sind. Funktionalmediziner haben festgestellt, dass Menschen offenbar genetisch auf eine bestimmte Entgiftungsrate festgelegt sind. Die bei jedem Menschen genau zu ermitteln ist – eine wichtige Vorbedingung, ihn optimal einstellen zu können. Denn was ein Mensch mit persönlich hohem Entgiftungsquotienten an exogenen Belastungen problemlos ertragen kann, bringt einen Menschen mit schlechter Entgiftungsleistung schon um.

Nach Runow kann man erst dann von echter Präventivmedizin, also echter krankheitsvorbeugender Medizin reden, wenn man neben der Berücksichtigung der allgemeinen Krankheitsrisiken für jedermann für jeden Menschen gesondert sein persönliches Risikoprofil berücksichtigt. Denken Sie nur an den Fall anlagebedingter larvierter oder bereits zutage getretener Nahrungsmittelunverträglichkeit. Der Arzt, der sie nicht ermittelt und berücksichtigt, wird seinen Patienten zwangsläufig fehlbehandeln – im Ernstfall bis hin zur Abschiebung in die Psychiatrie, die damit natürlich auch nicht Richtiges anfangen kann.

Wichtiges Ziel der funktionalen Medizin ist es, der genetischen Expression von Krankheiten entgegenzuwirken. Eine umfassende funktionsmedizinische Beratung arbeitet ohne dogmatische Scheuklappen zuvorderst mit der auf den Patienten persönlich zugeschnittenen Ernährungsumstellung und mit der Verabreichung natürlicher – also orthomolekularer – Vitalstoffe, bei Bedarf aber auch gezielt mit der Verabreichung ergänzender natürlicher Wirkstoffe wie, z.B. Alpha-Liponsäure, Glutathion, Coenzym Q 10, Melatonin, Vitamin D2, Curcumin, Omega-3-und Omega-6-Fettsäuren, Glykonährstoffe (essenzielle Zucker) und natürliches Progesteron. All diese natürlichen Substanzen kennt der Körper und kann sie problemlos verstoffwechseln (S.20). Sie sind aber sämtlich nicht patentierbar, weshalb ihr Einsatz der Industrie keine großen Gewinne verspricht. Wen wundert‘s, dass sie in der Mainstream-Medizin noch keine entscheidende Rolle spielen?

Nährstoffmängel stören Genfunktionen

Runow berichtet von Untersuchungen aus dem Jahre 2006, wonach der Nachwuchs suboptimal ernährter Katzen Asthma hatte. Drei Generationen danach mit guter Nährstoffversorgung erst verschwand die Störung der Lungenfunktion (S. 33f.). Dies hat offensichtlich mit der Feststellung von Dr. Johann Georg Schnitzer zu tun, dass Fehlernährung bei nahen menschlichen Voreltern zu schrecklichen Zahnfehlstellungen dar nachfolgenden Generationen führen, die bei der Rückkehr zu guter Ernährung über mehr als eine Generation wieder zur Ausbildung eines geordneten Zahnaufbaus führten (s. Dr. Johann Georg Schnitzer, Bluthochdruck heilen, Eigenverlag 2005, S. 55). Man kann davon ausgehen, dass erst die richtige Vitalstoffversorgung über mehr als eine Generation zum erfolgreichen Einsatz von Steuerproteinen an den Genen führt. Gut zu wissen, dass man mit der Einhaltung funktionsgerechter Ernährung des eigenen Körpers auch wesentlich zum guten Gesundheitszustand seiner Nachkommen beitragen kann!  Solche “epigenetischen” Phänomene gibt es dem Grundsatz wohl noch mehr, die genauen Steuervorgänge dabei sind indessen nicht im Detail erforscht.

Gifte stören Genfunktionen

Schwermetalle wie Cadmium; Blei und Quecksilber (Amalgam!), Aluminium (Deo’s), chemische Weichmacher (PAK) und sehr häufig auch Arzneimittel stören gleichfalls die natürliche genetische Expression. Bei Arzneimitteln, die oft genug sogar Quecksilber enthalten, haben wir die missliche Situation, dass die geheime patentierte Formel für die Wirksubstanzen nicht mitgeteilt wird, sodass selbst der Arzt nicht weiß, was an Gefahren in den Produkten enthalten ist, die er seinen Patienten verschreibt.

Auch Nahrungsmittel können krank machen

Zöliakie (Sprue)

Runow schildert aus der Kenntnis amerikanischer Fallstudien die Annahme, dass die Nahrungsmittelunverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten (Gliadin), die Zöliakie, in den meisten herkömmlichen Getreiden in enger Verbindung steht mit leichten bis schweren psychosomatischen Darmstörungen und Störungen von der Depression bis zu Demenz und Schizophrenie (S. 82 ff.) – für mein Verständnis überraschend die Summe der Störungen, die auf dem Papier mit der Unterversorgung mit dem zerebralen Schlüsselhormon Serotonin stehen. Interessant ist Runows Feststellung, dass bei 35 Prozent der gliadinantikörperpositiven Patienten durch eine Gewebeprobe aus dem Zwölffingerdarm eine aktive Zöliakie nachgewiesen wurde, das aber die typischen Darmprobleme bei den meisten nicht auftraten und sie sich den Gefahren für die Entstehung neurologischer und psychosomatischer Störungen gar nicht bewusst waren. An dieser gefährlichen latenten Zöliakie, wie ich sie nennen würde, muss die ärztliche Praxis vorbeigehen, die das persönliche funktionale Risikoprofil der Patienten nicht ermittelt.

Dass das Klebereiweiß im Getreide, bzw. sein Bestandteil Gliadin möglicherweise auch außerhalb der Zöliakie viel kritischer als bisher gesehen wurde und wir vielleicht viel mehr zu einer glutenfreien Ernährung mit Amaranth, Quinoa, Hafer, Hirse und Reis kommen sollten, folgert aus den von Runow zitierten Erkenntnissen, dass dieser Stoff sowohl bei Zöliakiepatienen als auch bei Gesunden zu einer Erhöhung der Darmdurchlässigkeit (Leaky-Gut-Syndrom) und der Belastung des Körpers mit nicht metabolisierten Stoffen führt (s. auch S. 89).

2. Rohes Getreide: Phytinsäureunverträglichkeit

Unabhängig von den Problemen mit Klebereiweiß können die meisten Menschen nämlich nur eine sehr kleine Menge an rohen Pflanzensamen in einer Mahlzeit vertragen. Der Grund dafür liegt in der Wirkung der in jeder rohen Pflanzennahrung enthaltenen Phytinsäure, von der gerade die vielen Menschen mit gestörter Darmfunktion nur eine sehr geringe Dosis absorbieren können.

Aus der Phytinsäure entwickelt sich im Verdauungsvorgang der Stoff Phytat, der für jedermann nur in kleinen Mengen unbedenklich ist. Phytat ist das Gift, das die Pflanzen benutzen, um Fressfeinde fern zu halten. Es bindet auf unlösliche Weise wichtige Mineralstoffe aus der Nahrung, insbesondere das u.a. für den Aufbau des Hormons Serotonin unverzichtbaren Mineral Zink.

3. Fruchtzuckerunverträglichkeit

Der allgemein bekannte gute Rat der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V., fünf Mal am Tag Obst und Gemüse zu essen, bedarf m.E. dringend einer Präzisierung. Obst hat, außer beispielsweise Bananen, wenig an Eiweißen, die aber in Kräutern, Salaten und Gemüsen wieder reichlich enthalten sind. Schon deshalb sollte der Schwerpunkt solcher roher Kost nicht beim Obst liegen.

Runow macht nach seinen Recherchen nunmehr ganz eindeutig klar, dass fünfmal Obst am Tag nachgerade kontraproduktiv ist (S.86 f.). 50 Prozent (!) aller Erwachsenen haben große Probleme mit der Verdauung des Fruchtzuckers (Fruktose), was den meisten nicht bekannt ist. Als Maximum können sie täglich 25 Gramm Fruktose absorbieren. Wird der Wert überstiegen, entwickeln sie wegen des übermäßigen Genusses von Fruchtzucker das weit verbreitete Reizdarmsyndrom mit Schmerzen im Unterbauch, Blähungen und Bauchkrämpfen und wechselnden Durchfällen und Verstopfung, ohne auch nur zu ahnen, dass sie sich den Schaden durch ihre Liebe zum “gesunden” Obst selber antun. Runow zitiert aus einem Bericht der renommierten Fachzeitung “Medical Tribune” aus 1/2008 mit dem eindeutigen Titel: “Reizdarmsymptome durch gesundes Essen. Beim dritten Apfel rebelliert der Bauch.” Ein einziger Apfel bringt mit durchschnittlich 11,5 Gramm Fruktose nämlich schon knapp die Hälfte der Fruktosemenge in den Körper, die auf keinen Fall überschritten werden darf. Es ist übrigens davon auszugehen, dass eine Erhitzung des Fruchtzuckers wesentlich zu einer Entschärfung des Problems beiträgt, weil die Fruktose beim Erhitzen eine rote Färbung annimmt (Seliwanowsche Reaktion), was die Oxidation nachweist, die in einer Umwandlung in die harmlose Glukose begründet ist (vgl. hierzu http://www.tgs-chemie.de/kohlenhydrate.htm und http://www.guidobauersachs.de/oc/zucker.html).
Wer also sein persönliches Risikoprofil noch nicht kennt, soll besser nicht wahllos beim Obst zuschlagen! Wer hat nicht schon in seiner Kindheit die schmerzhaften Darmprobleme erlebt, wenn er beim Obstpflücken zu heftig selbst zugelangt hat!

Meine eigenen Forschungen über die Zurverfügungstellung des zerebralen Schlüsselhormons Serotonin durch die richtige Ernährung werden gestützt durch Grunows Erkenntnisse. Er schreibt wörtlich (S.86):

“Es wird berichtet, dass bei Störungen der Fruchtzuckeraufnahme im Darm – bedingt durch einen Mangel des Transportproteins GLUTS – auch die essenzielle Aminosäure L-Tryptophan schlechter aufgenommen wird und in der Folge die Bildung des Gehirnbotenstoffs [und Neurohormons] Serotonin sinkt. Hierdurch kann es zu Depressionen und ständigem Heißhunger auf Süßes kommen. Im Blut sinken die Folsäure und Zinkwerte. Auch der Vitamin-C-Spiegel sollte überprüft werden.”

Dazu kann ich nur ergänzen, dass alle genannten Substanzen zu den unverzichtbaren Bausteinen für den körpereigenen Aufbau von Serotonin gehören und dass zu den allgemein bekannten Störungen durch die Unterversorgung mit dem zentralen zerebralen Serotonin auch fehlende Stresskontrolle, Migräne, Zwangsstörungen, Ängste, Fibromyalgie, Impulscerhalten, Aggression, Kontrolle des Sexualverhaltens und der Suizidalitat zählen.

ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitätssyndrom)

Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder, die Eltern und Lehrer zur Weißglut bringen und dann vom Hausarzt – oft noch auf dringendes Anraten des Schule – Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin®, Medikinet®, Concerta® etc.) verschrieben bekommen, wächst von Jahr zu Jahr. Runow beschreibt die enormen schädlichen Auswirkungen dieser Gifte auf die körperliche und geistige Entwicklung (S. 94 ff.). Wie beim Autismus (S.25) schlägt er auch bei ADHS die Durchführung einer Nährstofftherapie vor und trifft sich damit mit der auf diesen Feldern höchst erfolgreichen Top-Expertin aus England, Dr. Natasha Campbell-McBride.

Substitution von natürlichem Progesteron

Breiten Raum gibt Runow – unbedingt zu Recht – der Bedeutung des bekanntlich die Schwangerschaft wesentlich bestimmenden Hormons Progesteron. Er weist darauf hin, dass dieses Hormon, das mit fortschreitenden Jahren bei Mann und Frau nicht mehr gebildet wird, endlose vorteilhafte Wirkungen im Körper auslöst. Wichtig ist sein Hinweis, dass das von der Pharmazie entwickelte Gestagen n i c h t  diese positiven Wirkungen hat. Leider berichtet Runow nicht von natürlichen Quellen von Progesteron, was heißen kann, dass er wie ich vergeblich danach gesucht hat und es sie möglicherweise gar nicht gibt. Auch das sehr wirksamen Coenzym Q 10 wird man, wenn man individuell einen Bedarf daran ermittelt hat, in reiner Form substituieren müssen, nicht dagegen die Glykonährstoffe, die sich in vielen Pflanzen reichlich finden, auch wenn es nicht gerade die sind, die wir in unseren Breiten ständig verzehren.

Das Hepar-Tox-Programm

Für Fachleute von großem Wert ist die Kenntnis des Kernstücks von Runows medizinischen Maßnahmen ist das von ihm entwickelte Hepar-Tox-Programm (S.118ff.). Für den Laien erfreulich ist, dass auch er nachvollziehen kann, dass und warum diese Maßnahmen aller Voraussicht nach die gewünschten Erfolge haben werden.

Es ist erkennbar, dass in der funktionalen Medizin wieder eine Partnertschaft zwischen Arzt und Patient entsteht, die in der “Fünf-Minuten-Medizin” heutiger Tage (s. Runows Beispiel S.18) weitgehend abhanden gekommen ist. Die Patienten werden nachhaltig davon profitieren wie auch das Bild der Medizin in der Öffentlichkeit.

Mehr zum Thema:

- Funktionale Medizin, die Rettung des Gesundheitswesens (I)

Photo Quelle/Copyright: Harry Hautumm, via pixelio.de

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