Trotz schlechter Wirtschaftsdaten die Tag für Tag, Woche für Wocheaus allen Ecken der Welt gemeldet werden, glaubt die Politik weltweit ein rosa Bild der Wirklichkeit malen zu müssen. Lawrence Summers, der alte und neue Chefökonom der demokratischen US-Präsidenten, sieht das Ende des freien Falls der US-Wirtschaft zur Jahresmitte, d.h. Ende Juni 2009, voraus. Doch diese Form der “Öffentlichkeitsarbeit” kann auf Dauer nicht gut gehen. Weder ist die Hypothekenkrise in den USA ausgestanden, noch stabilisiert sich die globale Nachfrage.
Vertrauenskrise auf Finanzmärkten dauert an
Das Vertrauen ist auch nicht an den Finanzmärkten eingekehrt. Zwar wurde der Rückgang des Libor als Zeichen der Normalisierung der Finanzmärkte gewertet, aber es zeigt sich, dass dieser Indikator die Wirklichkeit nicht wiedergibt.Während der Libor gesunken ist, fordern die Banken untereinander sogar zunehmend immer noch höhere Zinssätze untereinander.
Schein und sein driften in der Finanzwirtschaft auch anderweitig immer stärker auseinander. JPMorgen vermeldet Milliarden an Buchgewinnen aus den toxic assets, da bilanztechnisch, die zukünftigen Einkommensströme dieser Papiere ohne ausreichende Risikokorrektur in der Bilanz ausgewiesen werden dürfen. Bilanzakrobatik unter Ausnutzung sämtlicher Bilanzierungstricks ist daher die Parole der Stunde. Da man eine Bewertung von Forderungen nicht anhand der aktuellen Marktwerte vornimmt, bzw. vornehmen muss, gelingt es den Banken eine schöne neue Welt der Stabilisierung der Ertragslage der Banken der Öffentlichkeit vorzugaukeln.
Deutsche Bank weiterhin in der Krise
So konnte nach den derzeit geltenden IFRS von der Deutschen Bank einfach mal so 900 Mill. Euro von toxic papers aus der Handelsbuch in das Bankbuch übertragen werden. Der Clou dieser Gesichte ist, dass man diese Papiere dann zum Nennwert dort weiterführen kann und keine Wertberichtigungen wie im Handelsbuch vornehmen muss. Wen wundert es, dass danach schöne Gewinne in der Bilanz der Deutschen Bank auftauchen, weil Verluste buchungstechnisch vermieden werden.
Da solche Bilanzkosmetik möglichst die Öffentlichkeit nicht beunruhigen soll, ist Verschwiegenheit der eigenen Mitarbeiter überlebenswichtig. Falls Informationen nach draußen gelangen, die die schöne Fassade eine Bank einstürzen ließen, ist eine Überwachung bis hin zu den Spitzenmanagern nicht verwunderlich. Die Datenaffäre der Deutschen Bank zeigt letztendlich zweierlei: Erstens, Ackermann misstraut seinen eigenen Vorstandskollegen nicht, und, zweitens, es gibt interne Machtkämpfe innerhalb des Vorstands bei dem jedem jedes Mittel recht ist.
Nach außen hin wird weiter das 25-Prozent-Renditeziel vertreten. Ackermann weiß nur zu genau, dass es hierzu Mittel und Wege gibt, die dieses bilanztechnisch ermöglichen, ohne dabei wirtschaftlich neue hohe Risiken einzugehen.
Denn eins gilt, Papier ist geduldig und Bilanzen kreativ gestaltbar. Am Ende steht dann das als Gewinn da, was man für situationsgerecht der Öffentlichkeit Glauben machen will. Leider klappt diese Art von Bilanzierung anderswo nicht. Schrumpfende Produktion und steigende Arbeitslosigkeit lassen sich nicht so einfach per Federstrich beseitigen.
Photo Quelle/Copyright: Thorsten Freyer, via pixelio.de
Japan schrumpft mit einer Jahresrate von 15.2% in ersten Quartal 2009
http://www.rgemonitor.com/globalmacro-monitor/256857/japans_economy_contracts_at_an_annualised_152_in_the_first_three_months_of_2009