Laut Bloomberg ist der Insolvenzantrag am 1. Juni beschlossene Sache. Damit bestätigen sich Einschätzungen, die seit Monaten einen solchen Schritt für unvermeidlich erachteten. Es hat sechs Monate gedauert bis man sich über die Form der Insolvenz in der US-Regierung einigen konnte. Die US-Regierung wird damit zum größten Eigentümer des Autokonzerns, da sie sich durch die Bürgschaften der letzten Monate große Teile des Vermögens bereits als Sicherheit hat überschreiben lassen. In Form eines Debt-Equity-Swapswerden alle Forderungen nun anstelle einer Kreditforderung als Aktienbeteiligungen weitergeführt. Die Pensionsforderungen der GM-Arbeiter werden ebenfalls als Anteile weitergeführt. Damit entschuldet sich zwar der Konzern, aber dies ändert nichts an der prekären Lage des Unternehmens, das weiterhin hohe Verluste verzeichnet.
Die Altaktionäre verlieren große Teile ihres Anteilsvermögens
Die bisherigen Eigener werden nur noch einen geringen Teil des Unternehmens halten. Das gestrige Angebot von zehn Prozent wurde gestern abgelehnt. Heute wurde versucht mit einem erneuten Angebot, diese Beteiligung auf 25 Prozent anzuheben und versucht langjährige Rechtsstreitigkeiten mit den Altaktionären doch noch zu verhindern. Ob dieser Versuch erfolgreicher als der gestrige endet bleibt anzuwarten. Da nicht absehbar ist, wann GM wieder aus den roten Zahlen kommen wird, bleiben alle Anteilseigner in der wenig beneidenswerten Lage auch nach der Insolvenz ihr Vermögen weiterhin dahin schmelzen zu sehen. Die Gewerkschaften als Vertreter der Belegschaft haben bereits angekündigt ihre unfreiwillige Beteiligung so schnell wie möglich abstoßen zu wollen. Mithin dürfte die US-Regierung sukzessive dazu gezwungen sein den eigenen Anteil auf Kosten des Steuerzahlers weiter anzuheben, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern.
Ende der Berliner Illusionen
Mit der quasi-öffentlichen Bekanntgabe der unmittelbar bevorstehenden GM-Insolvenz dürfte sich das Ultimatum der Bundesregierung bis morgen noch eine Entscheidung über Opel herbeizuführen, als Illusion erweisen. Die GM-Manager sind de facto kaum noch zu eigenständigen Entscheidungen befugt. Die US-Regierung insbesondere das Finanzministerium zeigt wenig Neigung und Interesse der Bundesregierung Zugeständnisse geschweige denn Geschenke zu machen. Letztendlich handelt es sich um Rückzugsgefechte, die das eigene Gesicht als Düpierte wahren sollen. Die verschmähte Braut ruft dem flüchtigen Bräutigam noch nach, dass sie ihm ein Ultimatum gestellt habe, und jetzt die Heirat mit ihm verweigert. Damit sichert man sich dann noch einen scheinbar respektablen Abgang von der Bühne.
Das dicke Ende kommt erst noch
Nach der Pokerrunde der letzten Monate um die Auffanglösung von General Motors müssen jetzt die harten Sanierungsschritte eingeleitet werden. Viele GM-Arbeiter werden vor der Sommerpause noch ihre Kündigung bekommen. Zulieferer werden ebenfalls in Insolvenz gehen und Arbeitskräfte entlassen müssen. Da dies nicht nur in den US-Werken der Fall sein wird, wird dieser Prozess auch zahllose Beschäftige rund um den Globus betreffen. Der tatsächliche Fallout ist derzeit kaum abschätzbar. Es könnte jedoch Millionen betreffen. Damit dürfte auch definitiv die Bear-Market-Ralley ein vorläufiges Ende finden. Wer ein wenig von der Stimmung der GM-Beschäftigten mitbekommen möchte, sollte sich auf deren Website klicken. Neben dem anstehenden drastischen Personalabbau dürfte auch ein so genanntes Asset Stripping einsetzen.
Letztendlich wäre die Ausgliederung von Opel nur ein Vorgriff auf diese Resteverwertung des Konzerns gewesen. Wegen der langjährigen Verflochtenheit dürfte dies eine Fülle von juristischen Problemen nach sich ziehen. Der Fall GM ist noch lange nicht abgeschlossen.
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Der starke Mann von Barack Obama bei der Sanierung der US-Autoindustrie:
http://www.time.com/time/nation/article/0,8599,1880228,00.html