Best of Readers Edition – Eine Wochenbilanz

In tiefem Blau strahlt der fränkische Himmel. Die Sonne schickt uns wohlige Wärme. Fast scheint es, als hätte der Wettergott nach Tagen mit Schauern und Böen nun ein Einsehen. Pünktlich zum Start des 21. Africa Festivals in Würzburg fährt er – von einem lauen Lüftchen mal abgesehen – alles auf,

spotl.jpgIn tiefem Blau strahlt der fränkische Himmel. Die Sonne schickt uns wohlige Wärme. Fast scheint es, als hätte der Wettergott nach Tagen mit Schauern und Böen nun ein Einsehen. Pünktlich zum Start des 21. Africa Festivals in Würzburg fährt er – von einem lauen Lüftchen mal abgesehen – alles auf, was er zu bieten hat. Freudig sehen die internationalen Gäste in diesen Stunden der offiziellen Eröffnungsfeier am späten Nachmittag entgegen. Doch bis es soweit ist, wollen wir hier auf der Readers Edition unseren Fokus kurz in die Vergangenheit legen. Hier sind sie, unsere Lesetipps der letzten Woche.

Wahlen im Blickpunkt

Den “Europawahlkampf im Blick” haben derzeit so einige Blogger. Auch unser Autor Andreas Grieß beschäftigte sich in einer insgesamt sechsteiligen Serie mit den Gebaren der Parteien. “Mit welchen Mitteln wird versucht zu überzeugen? Welche Aussagen werden übermittelt?”, lauteten seine Fragen, die er dezidiert auf die einzelnen Kampagnen anwendete. Anschauungsmaterial gab es immerhin genug: Denn bereits Monate vor der Bundestagswahl werben CDU, Die Grünen und Co. allerorten mit Plakaten und TV-Werbespots um die Gunst ihrer potentiellen Wähler. Ob das allerdings in jedem Fall glückt, das sei an dieser Stelle dahingestellt. Die FDP jedenfalls bleibt in seinen Augen “gewöhnlich und (…) blass”.

Auch unserem Schreiberling Helmut Rohe ist dieser Tage wenig nach Freudentaumel. Im vergangenen Oktober fragte er: “Wer wird der nächste Bundespräsident?” Vorschläge konnten eingereicht, Stimmen gesammelt werden. Doch in seinen Augen hat sich zu wenig getan. “Die Umfrage zur Bundespräsidentenwahl: (war) ein Flop“. Am vergangenen Samstag war es dann soweit. Horst Köhler wurde wiedergewählt. Für Rohe Anlass genug, den Lesern folgende Überschrift mit auf den Weg zu geben: “Was wir verdient haben“. “Einen lieben Menschen, einen netten Menschen, einen verbindlichen Menschen, einen beliebten Menschen, einen bequemen Menschen”, hätte das Volk nun wieder. Allerdings ist er sich sicher: “Was wir nicht bekommen haben, weil auch gar nicht gewünscht: einen Bundespräsidenten, der sein Amt einsetzt, um Deutschland weiter zu bringen, der darauf drängt, dass die wirklichen Probleme des Landes endlich nicht nur diskutiert sondern auch gelöst werden.” Hat er Recht?

Politik zum Zweiten – von Plakaten bis Internetzwitscherei

Nicht nur Andreas Grieß macht sich in seinem Beitrag Gedanken über die politischen Marketingstrategien. Auch Marius Baumann kann angesichts dessen, was ihm in seinem Alltag begegnet, nicht an sich halten. Und so titelt er am letzten Montag: “Vom Sieg des Blöden: über die Plakatkampagne der Parteien im EU-Wahlkampf“. Seine Einleitung spricht bereits Bände, denn Folgendes nimmt der Autor vorweg: “Die gute Nachricht zuerst: Die Wahlwerbung der deutschen Parteien zur Europawahl spricht 2009 gezielt Personen aus bildungsfernen Schichten, mit Pennäler-Humor, mit intellektueller Leistungsminderung, Legastheniker und Bürger, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind, an, ist nicht mit Sachbotschaften überfrachtet und überbetont den europäischen Gedanken nicht… Die schlechte Nachricht dürfte sein, dass diese besondere Rücksichtnahme auf sehr spezielle Nutzergruppen offenkundig nicht beabsichtigt, sondern das Ergebnis einer ebenso gedanken- wie lustlosen Werbestrategie sein dürfte.” Was danach kommt, ist eine knallharte Abrechnung mit dem, was eben nicht diese “speziellen Nutzergruppen” anspricht.

Angesprochen gefühlt haben dürften sich dagegen am vergangenen Wochenende nicht nur ein paar Bürger von der Twitter-Zwitscherei anlässlich der erneuten Wahl von Horst Köhler zum Bundespräsidenten. Schon vor der offiziellen Bekanntgabe des Ergebnisses rauschte dieses nämlich über den bekannten Microblogging-Dienst. Patrick Brauckmann nahm sich in “Das Handy im demokratischen Prozess: die Bundespräsidentenwahl und twitter” diesem Ereignis auf hervorragende Weise an. “Das Handy erlaubt es heute jedermann, von überall her im Internet zu publizieren: UMTS sei Dank. Doch wird dies teilweise auch zum Problem”, läutet er seinen Artikel rund um die Zwitschrei aus Berlin ein. Doch bei aller Kritik, die Julia Klöckner und Co. derzeit angetragen wird, für den Autor ist klar: “Egal, ob die Auszählung vor Bekanntgabe verraten wurde oder nicht, eines zeigt der Fall auf: die Angst davor, dass die modernen Medien die Prozesse unserer liebgewonnenen Demokratie sprengen könnten.” Die Mächte scheinen jedenfalls neu verteilt zu werden, inwieweit sich das auch auf unser politisches System auswirken wird, könne bisher nur erahnt werden.

Die GM-Story und das Ende der Berliner Illusionen

Unser Experte zum Thema “Finanzkrise”, Georg Erber wagt zwar von Zeit zu Zeit ebenfalls einen Blick nach Berlin. Am gestrigen Donnerstag richtet sich sein Augenmerk jedoch auf die jüngsten Geschehnisse in den USA. “General Motors geht in die Insolvenz” meldet er noch am späten Abend, nachdem er schon früher am selben Tag von “Opel-Rettern, die im Regen stehen” schrieb. Sechs Monate habe es gedauert bis man sich über die Form der Insolvenz in der US-Regierung einigen konnte, fasst er die vergangenen Turbulenzen zusammen. Jetzt ist es raus: ” Die US-Regierung wird (…) zum größten Eigentümer des Autokonzerns (…)” Was das genau bedeutet, erklärt Erber gewohnt fachkundig und doch für Jedermann verständlich. Allerdings gibt er zu bedenken: “Das dicke Ende kommt erst noch.” Und auch, wenn es vielleicht danach aussehen möge, der Fall GM sei noch lange nicht abgeschlossen.

Mit diesen mahnenden Worten schließen wir nun unsere Wochenrückschau. Mittlerweile dürfte auf den Talavera-Mainwiesen Leben eingezogen sein. Der Basar- und Handwerkermarkt ist geöffnet und Mamady Keita, der Djembe-Meister aus Guinea hat die Offene Bühne des Festivals betreten. Der 58-jährige Meistertrommel bildet den fulminanten Auftakt für vier Tage afrikanische Musik und Kultur inmitten einer kleinen Universitätsstadt. Auch die Readers Edition wird nun vor Ort sein und die dort gesammelten Eindrücke in die Welt hinaus senden.

Photo Quelle/Copyright: Markus Bollinqmo, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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