Africa Festival 09: “Die Familie ist wieder vereint”

Es begann mit einer Schrecksekunde und endete mit Tränen, die sich so manch Besucher des abendlichen Konzertes verstohlen von der Wange wischte. Am gestrigen Freitag, 29. Mai öffnete das 21. Africa Festival auf den Talavera-Mainwiesen in Würzburg seine Pforten. Rund 13.000 Menschen aus nah und fern strömten bereits am ersten

tribu1.jpgEs begann mit einer Schrecksekunde und endete mit Tränen, die sich so manch Besucher des abendlichen Konzertes verstohlen von der Wange wischte. Am gestrigen Freitag, 29. Mai öffnete das 21. Africa Festival auf den Talavera-Mainwiesen in Würzburg seine Pforten. Rund 13.000 Menschen aus nah und fern strömten bereits am ersten Tag das weitläufige Gelände. Ein Ergebnis, mit dem das Afro Project Team rund um Dr. Stefan Oschmann vollends zufrieden sein konnte.

“Wir müssen für die gesamte bayerische Bevölkerung herausstellen, was Sie hier leisten”, freute sich Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch während der offiziellen Eröffnungsfeier am frühen Freitagabend. Gemeinsam mit vielen weiteren hochrangigen Gästen, darunter zahlreiche Botschafter afrikanischer Länder, konnte er bei milden Temperaturen und viel Sonne erleben, wie friedlich und offen sich Menschen aus aller Herren Länder zu einer ganz besonderen Festgemeinde zusammenschlossen.

tribu2.jpg“Die Familie ist wieder vereint”, tönte es da auch aus den Reihen der über 100 Medienvertreter, die bis zum 1. Juni das bunte Treiben zwischen Offener Bühne, Basar, Wein- und Universitätszelt sowie Zirkuszelt verfolgen werden. Viele alte Bekannte und neue Freunde schüttelten sich die Hände, um mit vereinter Kraft die Botschaft von Europas größtem Africa Festival in die Welt hinaus zu tragen.

“Tribute to Miriam Makeba”  – ein Abend voller Emotionen

Doch was im Vorfeld so euphorisch erwartet wurde, begann mit einer Schrecksekunde. Mamady Keita, Djembe Meister aus Guinea, der bereits um 13.30 Uhr den fulminanten Auftakt auf der Offenen Bühne bilden sollte, musste sein Konzert schon nach wenigen Songs wegen Problemen mit dem Herzschrittmacher unterbrechen und seine Band in der Folge allein weitermachen. “Er befindet sich auf dem Weg der Besserung” gab Pressesprecher Christian Raith jedoch am Abend zur Erleichterung aller Entwarnung.

Nahezu sorglos konnte sodann dem Höhepunkt des ersten Tages entgegen gesehen werden. Und vorweg, der als “Tribute to Miriam Makeba” konzipierte Abend konnte in seiner Strahlkraft und Emotionalität durchaus mit dem bewegenden Abschluss des letzten Jahres, zu dem Reggae Star No. 1, Alpha Blondy von der Elfenbeinküste aufspielte, mithalten. Zur großen Freude der vielen Fans, die die vor wenigen Monate verstorbene “Mama Afrika” auch hier in Deutschland hat, hatte sich kurzfristig auch die Miriam-Makeba-Band angesagt, die mit Suthukazi Arosi als stimmgewaltige und charismatische Frontfrau, den beeindruckenden Einstieg in ein bewegendes Konzert lieferte. Mit tosendem Applaus wurden sie von einem zum Bersten gefüllten Zirkuszelt empfangen – noch nicht ahnend, dass sich im Laufe des Konzerts so mancher verstohlen eine Träne von der Wange wischen würde.

tribu3.jpg“Music for the Soul”, hieß es dann auch bei der zweiten Akteurin des Abends. Die junge Camagwini aus Südafrika wirbelte in elfenhaftem Weiß gekleidet über die Bühne. “Es ist Zeit, die Ahnen aufzuwecken”, rief sie ihrem Publikum zu, um in der darauffolgenden Stunde nahezu jedwede Stimmungslage von kraftvoll bis zart aufzubieten. Spätestens mit ihrem Song “African Woman” hatte sie sämtliche Herzen auf ihrer Seite. Ihre bewegende Erinnerung an Miriam Makeba ließ so wohl keinen unberührt.

tribu4.jpgÄhnlich erging es den Zuhörern sicherlich auch bei Thandiswa Mazwai, die mit “urbanen Sounds” aus Johannesburg überzeugte. Den krönende Abschluss bildete jedoch die Zusammenkunft aller Künstler. Gemeinsam zelebrierten sie Makebas Hits wie zum Beispiel “Pata Pata” und riefen auf diese Weise Erinnerungen an das Jahr 2006 wach, als die Grande Dame während des Africa Festivals ihr letztes Konzert hierzulande gab.

Musikalische Erinnerung lässt Menschen zusammenkommen.

Und so wurde er abgeschlossen, der erste von insgesamt vier Festivaltagen. In einer beeindruckenden Show bewiesen die anwesenden Künstler, dass solch ein “Tribute” nicht nur von Trauer, sondern vor allem von Lebensfreude geprägt sein kann. “Mama Africa loves You”, riefen die Sängerinnen zum Trost in die Runde. Diese antwortete mit tosendem Applaus und lautstarken Chören. Dennoch, der Schmerz über den Verlust einer solchen Persönlichkeit konnte nicht gänzlich unterdrückt werden. Mit dem A-Capella-Stück  “Mnogma” wurde es noch einmal ganz still. Menschen lagen sich in den Armen. “Es war nicht nur eine Feier, sondern auch eine Ehrerweisung und musikalische Erinnerung”, fasste Raith nach dem Konzert zusammen. Schöner hätte sie wohl kaum ausfallen können.

Mehr zum Thema:

- Africa Festival 2009: “Einblicke in die kulturelle Vielfalt”
- Die weißen Schwarzen Afrikas
- Africa Festival 2009: Off- und Online-Überraschungen
- Africa Festival 2009: Ein Augen- und Ohrenschmaus
- Africa Festival 2009: Kinder gehen auf Entdeckungsreise
- Africa Festival 2009: Eine Zusammenkunft starker Frauen
- Africa Festival 2009: Bayerische Staatsmedaille für Dr. Stefan Oschmann
- Africa Festival 2009: Zwischen Musik, Charity und Wissenschaft
- Africa Festival 2009: Begegnungen zweier Weinkulturen

Erste Bilderserien gibt es bei:

- kitziblog.de
- mainpost.de

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*