Africa Festival 09: Zwischen Vergangenheit und Gegenwart – Schadebergs Südafrika

Nach der Weltpremiere des Kinderstücks “Kongobongo – Ein Abenteuer im Herzen Africas“, das in Kooperation mit dem Theater am Neunerplatz enstanden ist, hatte das 21. Africa Festival zu Würzburg bereits einen Tag später eine weitere Premiere zu bieten. Am vergangenen Sonntag konnten die Besucher des Filmzelts eine Reise zwischen Vergangenheit

schadb.JPGNach der Weltpremiere des KinderstücksKongobongo – Ein Abenteuer im Herzen Africas“, das in Kooperation mit dem Theater am Neunerplatz enstanden ist, hatte das 21. Africa Festival zu Würzburg bereits einen Tag später eine weitere Premiere zu bieten. Am vergangenen Sonntag konnten die Besucher des Filmzelts eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart erleben. Gezeigt wurde “Schadeberg: Schwarz-Weiss. Ein Fotograf in Südafrika”, eine knapp einstündige Dokumentation von Peter Heller im Auftrag von ARTE/NDR.

Eigentlich hatte er andere Dreharbeiten zu erledigen. Doch die Geschichte des international angesehenen Fotografen Jürgen Schadeberg, hatte ihm imponiert. Dem bekannten Dokumentarfilmer Peter Heller, der selbst bei der Vorpremiere am 31. Mai auf den Talavera-Mainwiesen zugegen war, ist noch immer die Faszination, die der “Chronist der Zeitgeschichte Südafrikas” bei ihm ausgelöst hat, anzumerken. Seit den 70er Jahren ist er in Afrika unterwegs, Südafrika blieb jedoch lange Zeit ein weißer Fleck auf seiner persönlichen Landkarte. Mit dem bewegenden Leben eines gerade einmal 19-jährigen Mannes, der nach seiner Ausbildung zum Fotografen bei der Agentur dpa in Hamburg 1950 nach Südafrika geht, um dort für das aufstrebende Magazin “Drum“, übrigens der ersten Illustrierten für die schwarze Bevölkerung, zu arbeiten, sollte das nun geändert werden.

Kurzerhand begleitet er den Ehrenpreisträger des Africa Festivals 2008 bei seiner Arbeit in Südafrika, Deutschland und Frankreich. Taucht mit ihm ein in ein bewegendes und nicht immer gefahrloses Leben zwischen Unterdrückung und Befreiungskampf während der Apartheid. Er folgt ihm zu Motiven, die er teils nach fast fünf Jahrzehnten erneut mit seiner kleinen Leica ablichtet, ist dabei, wenn er auf ehemalige Wegbegleiter trifft und ist ihm dicht auf den Fersen, wenn sich der mittlerweile in Le Perche sesshaft gewordene Schadeberg in so bedrückende Gegenden wie zum Beispiel Kliptown wagt.

Dank eines spannungsvollen Wechsels aus aktuellen Szenen und O-Tönen, historischen Fotografien und Filmmaterial aus einer Zeit, die für uns Europäer nur allzu weit weg scheint, reisst er den Zuschauer mit in eine faszinierende und auch sehr private Welt. Und schnell wird klar, was Jürgen Schadeberg meint, wenn er von seinen “Geschichten mit Fotos” spricht.

“Ich war das schwarze Schaf für die Weißen”

NelsonM.JPG“Die Leute waren glücklich, dass man sie überhaupt fotografiert”, berichtet Schadeberg über seine Zeit auf dem Schwarzen Kontinent, den er 1964 in Richtung London verließ, um erst Mitte der Achtziger Jahre wieder dorthin zurück zu kehren. Oft bewegte er sich am Rande der Legalität und noch öfter überschritt er die Grenzen, die die damalige Regierung zog. “Ich war das schwarze Schaf für die Weißen”, berichtet er schmunzelnd über seinen Status als Grenzgänger. Doch gelohnt hat sich dieser auf jeden Fall. “Die Stärke der Fotografie ist, dass man zurück gehen kann”, gibt er zu verstehen. Jeder Moment sei für ihn denkwürdig. Und so entstanden Aufnahmen von unschätzbarem Wert – angefangen bei Nelson Mandela, den er im Abstand von 40 Jahren ablichtete, bis hin zur jungen Miriam Makeba, die später ein Weltstar werden sollte.

Ein ums andere Mal wird der Zuschauer mit harten Szenenbrüchen konfrontiert. Erst befindet er sich in einer behaglichen südafrikanischen Bar im Jahr 2008, dann geht es zurück in die Slums vor 50 Jahren, um schließlich wieder zum “Dreh- und Angelpunkt” Africa Festival Würzburg zu gelangen. Stets dabei die kleine Kamera, welche immer griffbereit in der Hand zu liegen scheint. “Mich interessiert das Tägliche, das Gewöhnliche, das Langweilige, das wir nicht mehr sehen”, erklärt der Fotograf seinen Interessenschwerpunkt. Unaufgeregt und doch voller Leben wirken seine Bilder, die mehr sind als pure Schnappschüsse. Er nimmt sich Zeit, spricht lange mit seinem Gegenüber – Konzentration und “Sehen”, wie er es nennt, beherrschen die Atmosphäre bis er letzendlich auf den Auslöser drückt, um ihr Wesen, aber auch ihr Schicksal, das er zum Teil seit Jahren begleitet, vollends einzufangen.

Doch nicht nur Not, Armut, Gewalt und soziale Ungerechtigkeit beherrschen die Szenerie. In geschickten Bewegungen zwischen der schwarzen und weißen Welt, gelingt es ihm damals wie heute auch die fröhlichen Seiten des Lebens einzufangen. Sei es die aufstrebende Jazz-Szene der 50er Jahre oder aber die aktuelle afrikanische Musik zum Beispiel von Mpho, die er nicht nur zu Hause besucht, sondern auch in Würzburg wiedertrifft.

Zwischen tiefem Ernst und ausgelassenem Humor

Peter Heller macht deutlich: Jürgen Schadeberg ist eine vielschichtige Persönlichkeit. Mit Ernst und persönlicher Anteilnahme bannt er das Leben einzelner Menschen für die Ewigkeit. Gleichzeitig blitzt jedoch der “Schelm”, der noch heute in dem 78-jährigen “Vater der südafrikanischen Fotografie” steckt, mehr als nur einmal auf.

Der Film, der während der Premiere in Südafrika vor knapp drei Wochen wegen Schadebergs endgültigem Weggang aus diesem  gebeutelten Land, für ordentlich “Sprengstoff” sorgte, ist am Donnerstag, 2. Juli um 22.55 Uhr bei ARTE zu sehen.

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