Der Regierungshoax der Opel-Rettung

Opel sei gerettet.Magna übernimmt Opel.: So tönte es in der weltweiten Öffentlichkeit. Ein Hoax ist bekanntlich eine Falschmeldung, die in die Öffentlichkeit getragen wird. Nach einigen Tagen der Desinformation der Öffentlichkeit lichtet sich nun langsam der Nebel was wirklich geschehen ist. Opel wurde an eine Treuhandgesellschaft übertragen. Die Eigentumsrechte liegen

opelr.jpgOpel sei gerettet.Magna übernimmt Opel.: So tönte es in der weltweiten Öffentlichkeit. Ein Hoax ist bekanntlich eine Falschmeldung, die in die Öffentlichkeit getragen wird. Nach einigen Tagen der Desinformation der Öffentlichkeit lichtet sich nun langsam der Nebel was wirklich geschehen ist. Opel wurde an eine Treuhandgesellschaft übertragen. Die Eigentumsrechte liegen bei dieser Opel-Treuhandgesellschaft weiterhin zu 35 PRozent bei GM. Den Rest hält derzeit der deutsche Staat.

Memorandum of Understanding, sonst nichts

Nach dem “Memorandum of Understanding” sollen der Autozulieferer Magna und die Sberbank zu einem späteren Zeitpunkt Teile der Treuhand übernehmen. Interessanterweise wird Magna dann nur 20 Prozent übernehmen; die Sberbank soll mit 35 Prozent der größte neue private Miteigentümer werden, wobei GM auch dann weiter mit 35 Prozent beteiligt bleibt. Die restlichen zehn Prozent dürfen Opel-Händlern und Opel-Beschäftigte unter sich verteilen. Mithin wurden derzeit im “Memorandum of Understanding” nur vage recht unverbindliche Absichterklärungen abgegeben. Es wird mit rund sechs Monaten Verhandlungen gerechnet, wie an Ende die Lösung aussehen soll. Wie wenig geklärt die Übernahme durch Magna ist, macht die Tatsache deutlich, dass die anderen Bewerber für sich wieder eine Chance wittern. Fiat und der chinesische Automobilhersteller BAIVC wollen jetzt erneut in einen Biterwettstreit mit Magna einsteigen.

Die 300 Millionen Euro Überbrückungshilfe die angeblich Magna zahlen wollte, ist inzwischen von der Bundesregierung überwiesen worden. Damit ist die Bundesregierung offiziell eine Staatsbeteiligung eingegangen, die sie nach den Worten der Kanzlerin unbedingt vermeiden wollte. Um eine geordnete Insolvenz zu vermeiden, sitzen derzeit die US-Regierung und die Bundesregierung als quasi-Eigentümer von GM und Opel in der Treuhandgesellschaft an einem Tisch. Damit ist Opel mehr oder weniger zur Zeit ein Staatsbetrieb mit zwei Staaten als Anteilseigner. Sie tragen damit auch die volle wirtschaftliche Verantwortung für alles was in den kommenden Monaten geschieht.

Opel ist bis zum Bundestagswahltag vorerst gerettet

Conclusio: Am Pfingstwochenende wurde der weltweiten Öffentlichkeit ein riesiger Bär aufgebunden. Man behauptete, es sei zu einer abschließenden Einigung gekommen, dass Magna die GM Europa – sprich Opel – übernimmt. Angeblich sollte auch Magna die 300 Mill. Euro Überbrückungshilfe am Dienstag dieser Woche überweisen. Dazu kam es aber nicht, weil die Bundesregierung dies nun doch selbst mit eigenem Geld veranlasst hat. Man rechnet derzeit mit mehrmonatigen Verhandlungen. Ergebnis dieser Verhandlungen unbestimmt. Die zuvor abgewiesenen Bieter wollen nun erneut in den Ringsteigen und mit der Treuhand über eine Übernahme verhandeln. Wie die Entwicklung bei Opel in den kommenden Monaten weitergeht, bleibt völlig offen. GM wird auf jeden Fall weiterhin die Zügel bei Opel in der Hand halten. Auch nach einem Einstieg von Magna oder einem anderen Bieter. Die klare Trennung zwischen GM und Opel wird es nicht geben.

Die Beschäftigten werden ihre Arbeitsplätze zu einem erheblichen Teil früher oder später verlieren. GM wird Milliarden für die Lizenzen von Opel/Vauxhall erhalten, d.h. fünf Prozent des Opel-Umsatzes. Damit zahlt der deutsche Steuerzahler via Staatsbeteiligung an Opel an den amerikanischen Steuerzahler via Staatsbeteiligung an GM für die Patente Lizenzgebühren, um die Produktion von Opel aufrechtzuerhalten. Ob Magna unter diesen Voraussetzungen noch zu seinem Übernahmeangebot steht, bleibt völlig offen. Man verweist dort bereits darauf, dass Opel frühestens 2013 wieder rentabel arbeiten könnte. Eine lange Durststrecke.

Am Ende könnte der Staat, sprich der Bundesbürger in die Haftung genommen werden. Die 4,5 Mrd. Euro Bürgschaft werden dann schnell verbraucht sein. Nachschlag nicht ausgeschlossen. Das Gerede von unkalkulierbaren Risiken für den deutschen Steuerzahler ist nicht nur so dahin gesagt. Die Opel-Rettung, wenn sie dann Bestand haben sollte, kommt uns am Ende sehr teuer zu stehen. Selten ist die weltweite Öffentlichkeit so an der Nase herumgeführt worden. Die deutschen Massenmedien halten sich mit einer kritischen Analyse derzeit jedoch zurück.

Photo Quelle/Copyright: gmeurope, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

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  1. Tja, das passiert, wenn Politiker Manager spielen… Ist tatsächlich eine riesen Sauerei!

    2 kleine Anmerkungen: GM Europe ist mit nichten das gleiche wie Opel. Da gehören auch noch andere Dinge zu, zB. GMM Luton, Saab, Vauxhaul und natürlich Teile des Händlernetzes.

    Was mir noch fehlt, ist die Einschränkung der neuen Firma: Die dürfen nicht auf die beiden wichtigsten Fahrzeugmärkte USA und China!!! Eine solche strategische Leitplanke versaut so ziemlich jede Unternehmensplanung, da Wachstum dadurch fast ausgschlossen ist und somit das Unternehmen nur vor die Wand fahren kann…