“Europa rutscht nach rechts, Deutschland verharrt”

Nun ist alles vorbei: die Europawahlen sind gelaufen und die Union scheinbar als “Sieger” hervorgegangen. “Bei den Christdemokraten ist die Ekstase abgeebbt, die Stimmung ist fröhlich entspannt. Über das gute Ergebnis wird geplaudert, über das schlechte Abschneiden des politischen Gegners, und – natürlich – über die Bundestagswahl”, lässt uns die

platzw.jpgNun ist alles vorbei: die Europawahlen sind gelaufen und die Union scheinbar als “Sieger” hervorgegangen. “Bei den Christdemokraten ist die Ekstase abgeebbt, die Stimmung ist fröhlich entspannt. Über das gute Ergebnis wird geplaudert, über das schlechte Abschneiden des politischen Gegners, und – natürlich – über die Bundestagswahl”, lässt uns die Süddeutsche über die Atmosphäre in Berlin wissen. Doch wie steht es eigentlich um die Gemütslage der Blogger? Immerhin, so stellte RE-Autor Patrick Brauckmann erst heute fest, sei das Interesse im Netz in den letzten Tagen “sprunghaft” angestiegen. Wie es nach diesem wichtigen Ereignis darum bestellt ist, das zeigen die ersten Stimmen aus dem Internet:

Während die eine Fraktion also noch feiert, widmet sich pottblog.de bereits dem abgeschlagenen politischen Gegner. “Das war kein guter Tag für die SPD”, läutet er sein Resümee ein. Es sei vielmehr ein “wirklich schlechtes Ergebnis” für “seine” Partei gewesen. Er sieht die Grünen als die eigentlichen Gewinner dieser Europawahlen. Wenn auch aufgrund der geringen Wahlbeteiligung keine weitere Signalwirkungen ausgehen können.

Ganz persönlich wird es dagegen bei teddykrieger.blog.de: “Die Europawahl ist durch und ich auch”, bringt er kurz und bündig seinen momentanen Zustand auf den Punkt. Auch der Berliner zeigt sich mehr als unzufrieden über die geringe Wahlbeteiligung. Doch er nimmt’s mit Humor und schreibt: “Nun nichts wie nach Hause, das nicht vorhandene Wochenende beenden. Morgen früh gehts von vorn los. Hoffentlich träume ich heute Nacht nicht von Piratenpartei & Co.”

Die Albträume von Blogger Finkeldey scheinen sich jedoch bestätigt zu haben. “Lange Kommentare zur Wahl erspare ich mir. Es ist in etwa so gekommen wie vermutet”, wirft er trotzig in die Runde. Er befürchtet, dass die SPD ihre Selbstzerstörung nun vollenden müsse. Erst danach könne eine erneuerte SPD gerne wieder antreten.

Niedrige Wahlbeteiligung führt demokratischen Gedanken ad absurdum

Weniger persönlich, denn umfassend, nimmt sich in diesen Stunden die umstrittene Internetseite “politically incorrect” der “denkwürdigen” Europawahl an. Das vorweggenommene Fazit in Gastautor Frank Furters Beitrag “Europa rutscht nach rechts, Deutschland verharrt”: “Was sich am Freitag bereits ankündigte, setzt sich auch in Hochrechnungen am heutigen Wahlsonntag fort: in Ländern wie Österreich und Großbritannien gewinnen ‘rechte’ sowie EU-kritische Parteien an Einfluss. Aus Deutschland hingegen gäbe es nichts Neues zu berichten, stellt der Schreiber fest. “Stimmen werden zwischen den großen, etablierten Parteien ausgetauscht, und eine historisch niedrige Wahlbeteiligung führt den demokratischen Hintergedanken einer solchen Wahl nahezu ad absurdum.”

Ein wenig optimistischer wird die heutige Wahl dagegen von Nils betrachtet. Er hat das Geschehen nach der eigenen Stimmabgabe auf einer Twitterwall verfolgt. “Wenn man sich die Tweets dort angeschaut hat, konnte man beinahe Hoffnung schöpfen: Es las sich so, als wäre eine Wahlbeteiligung von 90% vorhanden”, beschreibt er seine Eindrücke. Dass jedoch virtuelle und reale Welt auch hier auseinandergehen ist auch ihm schmerzlich bewusst. Wie erwartet sei die Wahlbeteiligung “mies” gewesen, was nicht nur ihn in diesen Stunden traurig stimmt. Woran lag das?, fragt er sich insgeheim. Doch eigentlich kann er sich die Antwort, die niemand geben möchte gleich selbst liefern. “Den Bürgern wurde nicht verständlich erklärt, wieso sie zur EU-Wahl gehen sollten.” Sein schwacher Trost: Wenigstens die Internet-Benutzer wählen.

Doch tun das wirklich alle? Nein, so erfahren es zumindest die Leser von Jan Lauer. Er befindet sich derzeit auf dem Schwarzen Kontinent und konnte seiner Bürgerpflicht leider nicht nachkommen. “Meine Wahlunterlagen sind nie in Südafrika angkommen”, ärgert er sich über die Wirren fernab der Heimat. “Ich habe mit der Botschaft telefoniert und bei denen kann ich nicht wählen (Südafrikaner im Ausland konnten in diesem Jahr bei ihrer Botschaft wählen!).” Irgendwo zwischen Lüneburg und Johannesburg müssen die Unterlagen seiner Meinung nach abhanden gekommen sein. “Das macht mich natürlich traurig und auch ein wenig wütend”, gibt er zu verstehen. Seine Konsequenz lautet daher: “Ich werde allerdings bereits jetzt meine Unterlagen für die Bundestags wahl beantragen.”

“Arsch hoch und wählen gehen!”

Zwischen Lüneburg und Johannesburg gibt sich allerdings – das mussten wir heute feststellen – nicht jeder so interessiert wie Herr Lauer. Rob Vegas hat deshalb noch einmal die “5 besten Ausreden für Jungwähler” zusammengefasst. Sein abschließendes Appell: “Arsch hoch und wählen gehen!” verhallte offensichtlich in den Weiten des World Wide Webs…

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  1. Jetzt existiert der Rechtschreibfehler auch noch als Screenshot! So ein fieser Dreher! Muss demnächst noch mehr aufpassen und mich auch am Sonntag rasieren ;-) Vielleicht hat es doch noch einige Jungwähler vom Rechner in die Wahlkabine gelockt!