“Geldbeutel auf!“, so lautete am gestrigen Dienstag der Vorschlag des SPD-Politikers Jörn Thießen. Nicht in den eigenen Reihen, sondern beim Wähler sucht er die Schuld an der “Europa-Pleite”. Frustration bestimmt sein Ansinnen. “Strafe”, da scheint sich der Abgeordnete sicher, muss sein. Und auch wenn sich Partei-Chef Franz Müntefering bereits heute mit so lockeren Sprüchen wie “Wir schauen jetzt nach vorne” schon wieder zuversichtlich zeigt. Der Schreck sitzt immer noch tief. Trost muss also her. Kommen könnte der ganz unverhofft aus den Weiten des Internets: Denn im Europawahlkampf auf Youtube war die SPD ganz vorne mit dabei.
Rund 81.000 Aufrufe verzeichnete der TV-Spot der SPD laut einer Pressemitteilung des Online-Services VideoCounter.com. Einzig der Grünen-Spot “Wums” konnte ihn mit knapp 99.000 Aufrufen noch überrunden. Im “Gesamt-Klassement” sieht es sogar noch besser aus, wie Dr. Robert Biermann, Vorstand der dahinter stehenden Werbeeffekt AG, zu berichten weiß. “Hinsichtlich der Aufrufzahlen für Filmbeiträge der deutschen Parteien mit dem Schwerpunkt ‘Europawahl” ergibt sich zum 07. Juni 2009 folgendes Bild”, fasst er das Ergebnis der hauseigenen Messung bis zum Wahltag am letzten Sonntag zusammen. “SPD: rd. 200.000, Grüne: rd. 118.000, CDU: rd. 93.000, Linke: rd. 73.000, FDP: rd. 17.000.”
500.000 Video-Aufrufe im Online-Europawahlkampf
Insgesamt, so berichtet er weiter, konnten die deutschen Parteien 500.000 Videoaufrufe im Online-Europawahlkampf verzeichnen und sich YouTube damit gegenüber Twitter und Co. als “massenwirksames Wahlkampfinstrument” behaupten.
Konkret bedeutet das aber auch: “Ließ sich im US-Wahlkampf noch eine Korrelation zwischen Wahlerfolg und Popularität der Kandidaten auf interaktiven Plattformen wie YouTube herstellen, divergieren bei den deutschen Parteien die Aufrufzahlen und das Wahlergebnis bei der Europawahl, siehe SPD, deutlich.” So habe die stark polarisierende Videobotschaft des ersten Wahlspots mit dem animierten Finanzhai zwar eine Vielzahl an Aufrufen und entsprechende Popularität. Die Resonanz auf die in diesem Spot vermittelte Botschaft kenne allerdings Zustimmung als auch Ablehnung.
Gesteigertes Interesse an Filmbeiträgen
Dennoch, Dr. Biermann und sein Team betrachten den Verlauf des vergangenen Wahlkampfs positiv. Zumindest was die Aufrufzahlen für die deutschen Parteien auf Youtube und Co. angehe, sei ein “gesteigertes Interesse an Filmbeiträgen” festzustellen. Waren es im März noch knapp 95.000 so schnellte die Zahl im Mai auf rund 70.000 nach oben. Allein in der ersten Juniwoche kamen zudem noch einmal etwa 195.000 dazu, was die Experten zu folgendem Urteil kommen lässt: “Das Angebot an Onlinevideos der deutschen Parteien wird nicht nur um ein Vielfaches häufiger genutzt als noch zu Jahresbeginn: Die rasante Entwicklung der Aufrufzahlen zeigt gegenüber dem Engagement auf textbasierten Plattformen wie Twitter, dass Videobeiträge der Parteien auf Youtube und Co. als bislang einziges Online-Wahlkampfinstrument auch breite Wählerschichten erfolgreich adressieren.”
Hier noch einmal der TV-Spot der SPD:
Eine detaillierte Statistik über den Erfolg der Parteien auf Videoportalen ist hier zu finden.
Wo wäre die SPD wohl gelandet, wenn sie nicht Obama nahgeeifert und das Intenet entdeckt gehabt hätte. Aber das Medium allein brngt nicht den Erfolg. Wer sein Klientel verrät, kriegt auch seine Stimmen nicht mehr.