Rock im Park 2009: “Fuck the volume control!!!”

Mit rund 60.000 Menschen zählt das alljährliche “Rock im Park“-Festival wohl zu den größten Musikveranstaltungen in Deutschland. Jedes Jahr begeben sich Fans aus dem Rockmusikbereich auf die oftmals weite Reise zum Zeppelinfeld in Nürnberg, um dort für drei Tage in eine andere Welt einzutauchen. Ich selbst war vom 4. bis

guano.jpgMit rund 60.000 Menschen zählt das alljährliche “Rock im Park“-Festival wohl zu den größten Musikveranstaltungen in Deutschland. Jedes Jahr begeben sich Fans aus dem Rockmusikbereich auf die oftmals weite Reise zum Zeppelinfeld in Nürnberg, um dort für drei Tage in eine andere Welt einzutauchen. Ich selbst war vom 4. bis zum 8. Juni dort, um die mehr oder weniger frische “Festival-Luft” zwischen Müllbergen und Dixie-Klos zu schnuppern und meinen Lieblingsbands einen kleinen Schritt näher zu kommen. Zwischen all den Eindrücken vom ersten Veranstaltungstag ist mir, wie auch vielen weiteren Besuchern, jedoch vor allem einer ganz besonders in Erinnerung geblieben: “Lauter, lauter, lauter!!!”

Schon am Freitag, dem 5. Juni, war das Programm auf der Center-Stage, der Hauptbühne auf dem Festivalgelände, mit zahlreichen bekannten Rock-Acts ausgestattet und sollte einiges versprechen. Zwischen unzähligen Merchandise- und Imbissständen, die von asiatischen bis ungarischen Speisen kaum eine nationale Spezialität vermissen ließen, bahnte sich der Weg entlang an Bauzäunen und mehr oder weniger frisch-entleerten sowie stillen “Örtchen” bis zu den Schauplätzen. Pünktlich um 16.30 Uhr betrat die britische Band “The Subways” nach ihren Vorgängern “New Found Glory” und “The All American Rejects” die Center-Stage. Bei glühender Hitze rockten sich die drei Musiker mit ihrem Superhit “Rock’n’Roll Queen“, den sie inklusive deutscher Strophe zum Besten gaben, nicht nur in die Herzen, sondern auch direkt in die Arme ihrer Zuhörer. So sprang Sänger Billy Lunn gleich zweimal hintereinander in die Menge zu seinen Füßen und ließ sich von Fan zu Fan “weiterreichen”. Auch Bassistin Charlotte Cooper wusste das Publikum mit ihrer ausgelassenen und energiegeladenen Darbietung zu beeindrucken, wobei sie wie wild über die Bühne fegte.

Geringe Lautstärke sorgte für angekratzte Stimmung

Nach der rund einstündigen Performance von “The Subways” betraten die erst kürzlich wiedervereinigten “Guano Apes” die Bühne und nahmen somit das dritte Konzert ihrer Sommer-Festival-Tour in Angriff. Ihr Opener “You can’t stop me“, Singleauskopplung ihres zuletzt veröffentlichten Studio-Albums “Walking on a Thin Line” (2003), erschien dabei wie eine Botschaft an die Fans, die seit der Auflösung im Jahre 2005 unablässig auf diese “Reunion” gewartet hatten.

Die Veränderungen innerhalb der Band waren dennoch deutlich zu sehen. Frontfrau Sandra Nasic hatte äußerlich eine komplette Wandlung durchlebt und die sonst für sie so typischen Baggy-Pants gegen engsitzende Röhrenjeans eingetauscht. Gesanglich überzeugte sie jedoch wie gewohnt mit ihrer facettenreichen und kraftvollen Stimme. Doch gute Stimmung konnte beim Publikum nicht wirklich aufkommen, stand der Abend doch im Schatten der viel zu geringen Lautstärke (siehe Video), die aufgrund einiger Beschwerden durch die Anwohner vonnöten war. So blieben sowohl Proteste der Fans, die in “Lauter!”-Chöre verfielen, als auch gutgemeinte Aufforderungen von Seiten der Band an die Tontechnik unerhört. Sichtlich irritiert von der angekratzten Stimmung innerhalb des Publikums setzten die Göttinger Rocker ihr Programm fort und präsentierten alte Hits wie “Open your eyes“, “Lords of the boards” und “Quietly“, sowie auch Neugeschmiedetes. Die Ernüchterung aber ließ sich nicht verbergen und so verschwand die Band um Sängerin Sandra am Ende des Auftritts sang- und klanglos hinter der Bühne. Wohl enttäuscht und verunsichert von dem fast schon peinlichen Lautstärkepegel und dem schlecht abgemischten Sound, welche eher das Gefühl einer Fernsehdarbietung als eines Rockkonzertes vermittelten, hinterließen die “Guano Apes” viele ebenso enttäuschte Fans. Bleibt nur zu hoffen, dass ihre weiteren anstehenden Konzerte unter einem besseren Stern stehen und dass die Vier baldmöglichst den Weg ins Studio wagen, um ihr Comeback gebührend zu feiern.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Ganz und gar nicht ließen sich “Limp Bizkit“, Headliner des Abends und ebenfalls seit kurzem wiedervereinigt, von dem zwar schon verbesserten, aber immer noch unzureichenden Klang beeindrucken. Im Gegenteil, Sänger Fred Durst, der in stilechtem Outfit die Bühne gestürmt hatte, versprach dem Publikum, ohne Rücksicht auf Verluste sein Bestes zu geben und machte mehr als nur einmal klare Ansagen wie: “Jesus Christ, turn it up man!” und “Fuck the volume control, fuck ya!”. Deutliche Worte, doch der ehemalige professionelle Skateboarder und Tätowierer hielt sein Versprechen und versetzte das tobende Publikum mit den absoluten “Limp Bizkit”-Klassikern “My Generation“, “Eat you alive“, “Rollin‘” und “My way” in Ekstase. Es wurde geschrien, gesungen, gehüpft und zu genüge Beifall geklatscht. Doch trotz harter Worte und harter Songs bewiesen die amerikanischen Crossover-Helden, dass sie bei ihren Anhängern auch ganz anders können. So ließen Fred und Co. einen Fan, der auf die Bühne gestürmt war, nicht vom Security-Personal beseitigen, sondern gingen mit ihm beim “The Who”-Cover “Behind Blue Eyes” auf Tuchfühlung. Mit Abschluss des Konzertes endete auch der erste Tag von Rock im Park auf der Center-Stage.

Peter Fox versüßte seinen Zuhörern die Nacht

peter.jpgGrund genug sofort zur “Alterna-Stage”, der “kleinen Schwester”, zu wandern, um den etwas sanfteren, obwohl wesentlich lauteren, Klängen von “Peter Fox” zu lauschen. Diese Idee hatten wohl noch einige andere Festivalbesucher, wodurch sich die Suche nach einem Platz mit guter Sicht auf die Bühne schwieriger als vermutet erwies. Songs wie “Haus am See“, oder “Alles neu” ermunterten dennoch die gesamte Zuschauermenge dazu, entspannt im Rhythmus mit zu wippen und die Hüften kreisen zu lassen. Eingetaucht in rotes Licht wandelte der Sänger mit der Sonnenbrille umher und versüßte seinen Zuhörern die schon vorangeschrittene Nacht, doch war die Zeit nun reif, um sich zur kleinsten der drei Stages zu begeben, der Clubstage.

Beeindruckende Bühnenpräsenz und fliegende Haare

Als vorletzte Band des Abends präsentierten sich die mir vorher noch unbekannten “Black Stone Cherry“. Schlagzeug-Rhythmen wie Maschinengewehre und kreischende Gitarren waren angesagt, der typisch derbe Southern-Rock-Sound bewegte sich irgendwo zwischen Bands wie “Lynyrd Skynyrd” und “Black Label Society“. Dass die vier Herren aus dem amerikanischen Bundesstaat Kentucky nicht nur qualitativ hochwertige Musik, sondern auch eine beeindruckende Bühnenpräsenz zu bieten hatten, bewiesen vor allem Ben Wells, der seine Gitarrensolos wie selbstverständlich hinter dem Rücken spielte, sowie sein Bandkollege John Fred Young, der mit seinen Schlagzeugstöcken auch mal den Bass anstelle seiner Kessel bearbeitete. So gelang es den harten Jungs, die kleine Halle in eine brodelnde Heavy-Metal-Höhle voller fliegender und umherpeitschender Haare zu verwandeln und einen bleibenden Eindruck bei ihren Zuschauern zu hinterlassen. Beste Voraussetzungen also für die letzte Formation des Abends, “Dir En Grey“, die zwischen 1.20 Uhr und 2.20 Uhr ihren japanischen Metalcore auf westlichem Terrain darboten. Die Fans der “Visual-Kei”-Band aus Osaka ließen sich nur allzu gerne vom düsteren und fernöstlichen Flair mitreißen, doch machte die immer stärker werdende Müdigkeit einigen einen Strich durch die Rechnung und verlangte nach schnellstmöglicher Verarbeitung der vielgestaltigen Impressionen vom ersten Festivaltag.

Kommentare

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  1. Hm, also ich fand die Lautstärke in Ordnung. Ich stand zu allen Konzerten im rechten Wellenbrecher (auf der Centerstage) und hab die Musik eigentlich nie als zu leise wahrgenommen. Wie es weiter hinten war, kann ich nicht sagen, vorn war der Lautstärkepegel meiner Meinung nach in Ordnung.

    Limp Bizkit war absolut geil! Dass mit dem Fan zu Behind Blue Eyes hab ich gar nicht mitbekommen. Zu diesem Lied ist er doch durch den Gang zwischen Wellenbrecher und “normalem Publikum” gegangen?! Wo soll da ein Fan an seiner Seite gewesen sein?

    Hab ebenfalls einen Artikel über Rock im Park 09 geschrieben, und ein paar Bilder eingestellt.

    Gruß alte Kiehvotz